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Wissen Gesundheit
04/13/2021

Asthma-Mittel senkt Spitalsrisiko - was wirklich dahinter steckt

Eine Studie zeigt nun, worauf einige in der Medizin schon länger hinweisen: der Wirkstoff aus einem Asthma-Spray senkt das Risiko für einen Spitalsaufenthalt wegen Corona um 91 Prozent.

von Theresa Bittermann, Elisabeth Gerstendorfer, Ernst Mauritz, Ingrid Teufl

Es war am 20. 3.: Da sprach sich der ehemalige KAV-Direktor Wilhelm Marhold in einem KURIER-Kommentar für eine möglichst frühe Covid-19-Therapie aus – mit einer „niedrig dosierten Cortison-Inhalation“. Lange fühlte er sich nicht ausreichend gehört. Jetzt konnten Forscher der Uni Oxford in einer Studie zeigen, dass der Wirkstoff Budesonid (Cortison) das Risiko eines schweren Verlaufs deutlich reduzierte.

Auch die Hausärztin Lisa-Maria Kellermayr (OÖ) fand lange kein Gehör, wie sie auf Twitter schrieb. Sie hat seit Beginn der Pandemie eine „vierstellige Zahl an Covid-PatientInnen zu Hause behandelt und betreut“. Ihre Beobachtung aus dem hausärztlichen Notdienst: „Den Patienten, die wir frühzeitig damit (Anm. Budesonid) behandelt haben, ging es rasch besser und sie wurden kaum spitalspflichtig. Das war relativ rasch sehr beeindruckend“, erzählt sie dem KURIER.

Im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte wies sie auf ihre Erfahrungen hin. „Viele wollten mir nicht glauben.“ Es hätte Daten aus Österreich gegeben, die aus ihrer Sicht leicht ausgewertet hätten werden können.

Was ergab die Studie?

„Bei den Spitalsaufnahmen zeigt die Studie einen positiven Effekt, nämlich eine relative Risikoreduktion für einen Spitalsaufenthalt um 91 Prozent unter den Infizierten. Das ist bemerkenswert“, sagt Lungenspezialist Bernd Lamprecht aus Linz. „Es wird aber aus meiner Sicht noch größere Studien brauchen, um zu bestätigen, was hier gezeigt wurde. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 45 Jahren, das entspricht nicht gerade der Hauptrisikogruppe für Spitalsaufenthalte. Außerdem ist die Studie nicht placebokontrolliert (mit einem wirkungslosen Scheinmedikament, Anm.).“

Inhaliertes Cortison könne auch nachteilige Effekte haben, deshalb müssten zum Beispiel einzelne Altersgruppen noch untersucht werden. „Was dafür spricht: Das Medikament ist ein sehr gut bekanntes, das Nebenwirkungsprofil ist höchst überschaubar. “ Die andere Seite: „Es gibt eben nur eine kleine Studie.“ Dadurch hätten die Ergebnisse derzeit nicht das gewünschte Gewicht für die Praxis.

Ähnlich argumentiert Infektiologe Heinz Burgmann von der MedUni Wien. „Die Studie hatte sehr weiche Ziele. Es kommt darauf an, worauf eine Untersuchung fokussiert. Das Studiendesign ist nicht so gut, wie wir es gern hätten.“

Wie funktioniert das Mittel?

Budesonid wirkt anti-allergisch, anti-entzündlich und ist mit Cortison verwandt. Im Immunsystem unterdrückt es entzündliche Vorgänge. In-vitro-Studien (im Labor, Anm.) haben bereits gezeigt, dass Budesonid die Vermehrung von SARS-CoV-2 in Atemwegszellen reduzieren kann.

Es gebe Hinweise, dass der Wirkstoff den Eintritt von Viren in die Zellen beeinflussen könnte, indem die ACE-2 Rezeptoren, an denen sie andocken, hinunter reguliert werden. Und möglicherweise könne auch die Virenvermehrung etwas reduziert werden.

Kann dieses Mittel die Pandemie quasi beenden?

„Aus den Ergebnissen dieser Studie alleine ist es für mich nicht möglich, die Bewältigung der Pandemie abzuleiten“, sagt Lamprecht. Aber ein Indiz für die künftige Behandlung: „Wir wissen um die Wirkung von Dexamethason in der späteren Phase und haben jetzt mit dieser Studie einen Hinweis darauf, dass auch in der frühen Phase ein günstiger Effekt möglich ist.“

Auch die Ärztekammer sieht die Arznei positiv und fordert vom Gesundheitsministerium den Einsatz von Budesonid gegen Covid-19 „tatkräftig zu unterstützen“. „Das kann ein bedeutender Fortschritt sein, weil die Behandlung drei Tage nach Symptombeginn erfolgt. Das macht einen Riesenunterschied“, Johannes Steinhart, Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte. Aber nur Impfungen und Therapeutika in Kombination könnten der Pandemie „ihren Schrecken nehmen“, so Lamprecht.

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