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ngen
03/22/2021

Covid-19: Wie man sich schon in früher Phase besser schützen kann

Der ehemalige KAV-Direktor Wilhelm Marhold hat mit seinem Gastkommentar im KURIER eine große Diskussion gestartet.

von Ernst Mauritz

Covid-19-Patienten sollten bereits frühzeitig zu Hause mit niedrig dosierten Heparinen zur Thrombosevorbeugung und niedrig dosiertem Cortison gegen Entzündungsreaktionen behandelt werden – und nicht erst nach der Spitalsaufnahme: Dafür plädierte am Samstag in einem Gastkommentar im KURIER der Gynäkologe Wilhelm Marhold, bis 2014 Direktor des Wiener Krankenanstaltenverbundes (heute Gesundheitsverbund) – und löste damit eine Diskussion aus.

„Ich habe bei einigen mit SARS-CoV-2 infizierten Bekannten sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Bei wem es bereits ein hohes Fieber gab, war es rasch weg, niemand musste ins Spital“, berichtet Marhold. „Aber die Betroffenen müssen aufgeklärt werden, dass es außer einzelnen positiven Erfahrungsberichten noch keine Studiendaten dazu gibt. Deshalb kann ich das auch nicht generell empfehlen. Aber das ist mein Appell an die Forschung, solche Studien rasch durchzuführen.“

Nebenwirkungen seien keine zu befürchten: „40 Milligramm Heparin für zehn Tage unter die Haut injiziert ist dieselbe Dosis wie für Langstreckenflüge – das ist eine niedrige, völlig unbedenkliche Dosierung zur Vorsorge. Und auch 8 mg Cortison täglich für rund eine Woche sind in der Regel nebenwirkungsfrei.“ Marhold warnt: „Viele Patienten kommen erst ins Spital, wenn sie Atemnot verspüren – aber da haben sie oft schon länger einen unbemerkten Sauerstoffmangel, der zu Organschäden führt.“

Der Infektiologe Christoph Wenisch sagte kürzlich im Stadt Wien Podcast: „Wenn ich selbst die Krankheit hätte und zu Hause bleiben müsste, dann würde ich mir schon eine Thrombosespritze geben. Empfohlen ist es aber nicht, es muss nicht unbedingt sein, dazu ist die Datenlage noch zu dürftig.“

Die Thrombosespezialistin Sabine Eichinger von der MedUni Wien ist deshalb zurückhaltend: „Jede gerinnungshemmende Therapie hat ein Blutungsrisiko – hier muss man sich immer überlegen, bei wem ist das Thromboserisiko wirklich höher als das damit verbundene Blutungsrisiko?“ Es gebe derzeit keine Zahlen für einen Nutzen einer solchen frühen Gabe: „Aber das wird untersucht.“ Auch sie verweist also auf fehlende Daten diesbezüglich.

„Ich würde nur bei Patienten mit Risikofaktoren, die ich gut kenne und von denen ich um ihre Gefährdung weiß, frühzeitig Heparin und Cortison einsetzen“, sagt Ernest Zulus, medizinischer Leiter des Wiener Ärztefunkdienstes.

„Generell würde ich es nicht tun – und das tun wir auch beim Ärztefunkdienst nicht.“ Was aber die Experten Marhold, Wenisch und Zulus empfehlen, ist, zur Messung der Sauerstoffsättigung auch daheim ein Pulsoxymeter (Fingerclip) einzusetzen.

„92 Prozent und darunter sind ein Grund für eine stationäre Aufnahme“, betont Zulus.

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