© APA - Austria Presse Agentur

Wissen Gesundheit
11/30/2021

1.629 Stiche und viele Fragen zur Corona-Impfung

Zehn Stunden in einer Impfstraße – was man als Helfer erlebt / Die Erkenntnis: Es herrscht viel Unkenntnis und Verunsicherung.

von Christian Bartos

Draußen ist es grau, kalt und Schnee fällt. Eigentlich kein Wetter, um das Haus oder die Wohnung zu verlassen.

Die Impfstraße befindet sich in einem Einkaufszentrum am Stadtrand. Lockdown. Die allermeisten Geschäfte haben geschlossen. Zehn Impfkojen sind vorgesehen, in der Zeit von 8 bis 18 Uhr wird ohne Pause geimpft. Zehn Ärztinnen und Ärzte sind im Einsatz. Dazu Personal des Roten Kreuzes und anderer Hilfsorganisationen für Registrierung, Dokumentation und Nachbetreuung der Impflinge.

Trotz des ungemütlichen Wetters wollen die Menschen zur Impfung. Der Autor dieser Zeilen ist zur Erfassung der Impfdaten in ELGA einem Arzt zugeteilt. Ab 8 Uhr sitzt der erste Impfling in der Koje. Kurzes Arztgespräch, Frage nach dem Befinden, Kontrolle des Fragebogens, Erklärung des Impfstoffes (Pfizer), Hinweis auf mögliche Nebenwirkungen. Auf dem Tisch liegen die frisch aufgezogenen Spritzen bereit. Oberarm desinfizieren, schneller Griff zur Spritze, Pflaster drauf – die Impfung ist durchgeführt. Die meisten Impflinge sind sehr überrascht, da sie den Stich nicht bis kaum spüren.

Große Verunsicherung

Was zu spüren ist: Die große Unsicherheit. Die vielen Fragen, die den Menschen, die zur Schutzimpfung kommen, auf der Zunge liegen. Dabei ist es egal ob es der Erst-, Zweit- oder Drittstich ist. Manchmal schwingt auch Impfangst mit. Und obwohl im Akkord von den Ärzten geimpft wird, wenn jemand Fragen hat, dann ist die Zeit vorhanden, diese Fragen zu beantworten. „Soll i ned lieber noch mit dem Booster warten, wegen der neuen Variante?“ – die Antwort des Arztes: „Lieber nicht, denn es dauert mindestens 150 Tage bis ein neuer Impfstoff da ist.“ Bei älteren Menschen wird abgeklärt, ob die Impfung mit ihrer Medikamentation anderer Krankheiten vereinbar ist. Bei jungen Menschen der ausdrückliche Hinweis: keinen Sport in den nächsten 48 Stunden.

Impfzertifikat woher?

Zentrales Thema: Wie kommt das Impfzertifikat in den „Grünen Pass“? Geht das automatisch? (hier gleich die Antwort: nein, das geht nicht automatisch). Wo kann das Impfzertifikat ausgedruckt werden.? Um alles erklären zu können, fehlt leider die Zeit.

Bei Dienstbeginn hat das Impfteam vereinbart, eine Strichliste zu führen, damit wir wissen, wie viele Erstimpfungen an diesem Samstag durchgeführt werden. Am Impftagende wird sich zeigen, dass es ernüchternd wenige sind. Die errechnete Quote liegt bei etwa 6,5 Prozent. Die meisten Impfungen sind Zweit- oder Drittstich Ich wusste bis zu diesem Tag nicht, dass in solch einem Tempo geimpft werden kann. Die Menschen registrieren das aber positiv. Die Wartezeit für den Einzelnen wird auf das Notwendigste beschränkt, es müssen ja nach der Impfung auch noch 15 Minuten im Wartebereich zur Beobachtung abgesessen werden.

Still ist dieser Advent auch im Lockdown nicht. So geht es für 10 Stunden hindurch, die nur durch kurze Pausen unterbrochen werden. Offizielles Impfende ist um 18 Uhr. Das wird eingehalten. Ärzte und Helfer sind sichtbar ermüdet, aber alle sind sich einig: Jeder Stich zählt, um diese Pandemie beherrschen zu können. An diesem Tag, in dieser Impfstraße, sind es 1.629 Stiche.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.