Bittere Pleite einer bekannten Auto-Vergleichsplattform

Es wurde ein möglicher Käufer gesucht, doch die Gespräche verliefen erfolglos.
Viele neue Autos sind mit weißen Schutzhüllen bedeckt.

„Mit unserem Autovergleich findest du deinen Neuwagen, der zu dir passt! AUTOGOTT.AT ist eine unabhängige Plattform, auf der man mehr als 430 unterschiedliche Automodelle miteinander vergleichen kann. Mit einem Konfigurator für alle Marken kann man sein Wunschauto nach eigenen Bedürfnissen konfigurieren und anschließend mit anderen Autos vergleichen. Bei uns findest du das Auto, das zu dir passt!“, heißt es auf der Firmen-Homepage.

Die Rede ist von der Instant Web Discount GmbH, Betreiberin der Web-Plattform autogott.at. Sie hat laut Creditreformam Handelsgericht Wien ein Konkursverfahren beantragt. Nur noch der Geschäftsführer wird als Mitarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen gehört zu 57 Prozent der Standard Medien AG.

„Das Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr, weil sich die Marktbedingungen am Automarkt geändert haben“, sagt Geschäftsführer Stephan Mladek zum KURIER.  Das Unternehmen hat beim Handelsgericht „angeregt, es konkursrechtlich zu schließen“.

Der Hintergrund

Autogott.at ging 2012 in Betrieb. „Die Webseite ermöglichte es dem User, seinen Neuwagen individuell zu konfigurieren und zum besten Preis zu finden. Autohändler aller Marken konnten Rabatte für bestellbare Neuwagen hinterlegen. Der beste Preis pro Bundesland wurde dem User angezeigt und dieser konnte mit dem Händler in Kontakt treten. Autogott erhielt von den Händlern eine Provision für jedes verkaufte Fahrzeug“, heißt es im Konkursantrag. Im Jahr 2013 ist die Standard Medien AG bei Autogott eingestiegen. Das ermöglichte eine Steigerung der Bekanntheit via standard.at. 

Das Geschäftsmodell wurde daraufhin erweitert. „Es war nun auch möglich, Werbung auf der Plattform zu buchen und die Händler erhielten Zugang zum Backend der Plattform, um sofort verfügbare Neuwagen und Tageszulassungen anzubieten“, heißt es weiter. „Zu dieser Zeit gab es am Automarkt massive Überkapazitäten. Das führte dazu, dass Neufahrzeuge mit hohen Rabatten an Händler bzw. Kunden verkauft wurden. Trotz mehrfacher Anpassung des Geschäftsmodells konnten keine Gewinne erwirtschaftet werden.“ Die Gesellschaften sollen indes mehrfach Einlagen geleistet und Darlehen gewährt haben.

Die Insolvenzursachen

Die Beeinträchtigung der Lieferketten (Panamakanal), die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg beeinflussten die Verfügbarkeit von Neufahrzeugen. Es gab keine Überkapazitäten mehr und die Lieferzeit für Neuwagen stieg enorm. 

„Autogott.at hat sich auf eine reine Preisvergleichsplattform reduziert. Um durch Google-Werbung mehr Einnahmen zu lukrieren, wurde die Plattform auch in Deutschland gestartet“, heißt es im Konkursantrag. Die Umsätze waren aber nicht zufriedenstellend. „Die Mehrheitsgesellschafter gewährten nochmals Darlehen, um das Unternehmen am Leben zu erhalten“, heißt es weiter. Der Fixkostenzuschuss 2021 verlängerte das Überleben.

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Käufer vergeblich gesucht

Ende 2023 wurden die Mitarbeiter abgebaut und die Fixkosten auf ein Minimum zurückgefahren. Zugleich wurde ein möglicher Käufer gesucht, doch die Gespräche verliefen erfolglos.

Die Höhe der Schulden ist (noch) nicht bekannt.

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