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Wirtschaft
01/15/2020

Am Automarkt kracht es gewaltig

Die Autohersteller haben ein Problem. Die Neuzulassungen sind 2019 in Österreich um 3,4 Prozent zurückgegangen.

von Wolfgang Unterhuber

Für die Autohersteller war 2019 nicht lustig. Der weltweite Automarkt ging laut erster Hochrechnung des deutschen Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer um 4,1 Millionen Fahrzeuge oder fünf Prozent auf 78,8 Millionen Pkw zurück.

„Dies ist der größte Rückgang am Welt-Automarkt seit mehr als zwanzig Jahren“, sagt Dudenhöffer. „Selbst während der Zeit der Weltfinanzkrise ist der Automarkt nicht so stark eingebrochen wie 2019.“

Fast zehn Prozent Rückgang bei Diesel

Österreich kann sich dem Trend nicht entziehen. Die Auto-Neuzulassungen sind 2019 um 3,4 Prozent auf 329.363 Pkw zurückgegangen.

Bei Benzinern gab es ein Minus von 4 Prozent und bei Dieselfahrzeugen von 9,8 Prozent.

Zwei Drittel Firmenfahrzeuge

Faktum ist: Firmen und Personen ab 50 Jahren halten den Automarkt in Österreich am Leben. Zwei Drittel der Neuzukäufe entfallen auf Firmenfahrzeuge. Von den privaten Käufern waren fast zwei Drittel über 50 Jahre alt. Immerhin 16 Prozent der Neuwagen wurden von Personen über 70 Jahre gekauft. Fahrzeuge in den unteren PS-Klassen verkauften sich schlechter, bei den Autos über 171 PS gab es ein Plus von fast 14 Prozent.

Schadstoffausstoß nimmt wieder zu

Einen Anstieg gab es auch beim durchschnittlichen Schadstoffausstoß, dieser stieg seit dem Niedrigstwert in den Jahren 2016 und 2017 von gut 120 auf 128 (Benzin) bzw. 133 g/km (Diesel) an. Entsprechend zugenommen hat auch der Treibstoffverbrauch der Pkw.

E-Autos noch immer auf niedrigem Niveau

Und wie sieht es mit alternativen Antrieben aus? Speziell bei den Elektroautos geht es nur langsam bergauf. Und das ohnedies schon von einem äußerst niedrigem Niveau ausgehend. 9.242 Elektroautos wurden im Vorjahr neu zugelassen, damit erhöhte sich ihr Anteil am Gesamtmarkt von 2 auf 2,8 Prozent.

E-Auto für Firmen in Wien

Die meisten Elektroautos wurden in Wien verkauft, gefolgt von Niederösterreich. Gut 80 Prozent der Käufer waren Firmen, juristische Personen oder Gebietskörperschaften.

Obwohl also E-Autos hierzulande nicht besonders gefragt sind, steigt ausgerechnet China jetzt in den heimischen E-Automarkt ein.

Elektromobilität nimmt in Österreich Fahrt auf“, sagte Anja Frey-Winkelbauer, Geschäftsführerin der Frey Holding und Toyota Frey Retail neulich im KURIER-Gespräch. „Und China ist in dem Bereich führend.“

Es gelang Frey, mit dem Schanghaier Autobauer SAIC – der mit jährlich mehr als sieben Millionen verkauften Fahrzeugen größte chinesische Autobauer und die Nummer 7 der Welt – einen Vertrag über den Vertrieb von Elektroautos abzuschließen.

Ab 31.790 Euro

Konkret geht es um ein SUV-Modell der Tochter MG. SAIC übernahm vor einigen Jahren die Markenrechte des ehemaligen britischen Herstellers.

Die Reichweite der Batterie wird mit 263 Kilometer, die Höchstgeschwindigkeit mit 140 km/h angegeben. Auf die Batterie gibt es eine Garantie von acht Jahren oder 150.000 Kilometern.

China ist Hoffnungsmarkt

Apropos China. Das Land ist momentan der Hoffnungsmarkt. Denn heuer wird es laut Prognosen auf dem globalen Automarkt sogar noch schlimmer kommen. Dann sollen nur 78 Millionen verkauft werden.

Die gute Nachricht: Die Talsohle werde damit erreicht sein. „Nach heutiger Einschätzung kann im zweiten Halbjahr 2020 weltweit wieder mit der Erholung gerechnet werden“, so Dudenhöffer.

China könnte dann die Trendwende einläuten. Nach wie vor ist laut der Berechnung des Experten die Pkw-Dichte in China mit rund 100 Pkw pro 1.000 Einwohnen, etwa im Vergleich zu Deutschland (567 Pkw/1000 Einwohner) oder USA (750 Pkw/1000 Einwohner), sehr gering.

„Der Markt ist nicht gesättigt. Zusätzlich entwickeln sich um China weitere asiatische Wachstumsmärkte wie etwa Vietnam.“

China pusht Elektroautos

Ab 2024 dürfte dann in China wieder die Nachfrage des Jahres 2017 erreicht werden. Das Land setzt sich ehrgeizigere Ziele bei der Abkehr von Verbrennungsmotoren.

2025 soll jedes vierte verkaufte Auto über einen alternativen Antrieb verfügen, wie aus einem am Dienstag veröffentlichten Entwurf des Industrieministeriums hervorgeht.

Derzeit gilt ein Ziel von 20 Prozent. Zusätzlich gilt in China ab 2020 eine Elektroautoquote von 10 Prozent der Neuwagenverkäufe, die bis 2022 auf 12 Prozent ansteigt.

In Europa und China zusammen müssen daher bereits 2022 fünf Mio. Elektroautos verkauft werden, um die strengen Vorgaben zu erfüllen.

Ab 2030 E-Autos voran

Im Jahr 2030 könnten aber laut einer Studie weltweit erstmals mehr Autos mit Elektro-Antrieben als mit Verbrennungsmotoren verkauft werden.

Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) rechnet dabei batteriebetriebene Wagen und Fahrzeuge mit Hybrid-Antrieben zusammen.

Treiber für die Entwicklung seien dabei unter anderem der Druck durch Vorgaben der Regulierer zum Schadstoffausstoß sowie sinkende Batteriekosten.

So dürfte der Batteriepreis zwischen 2014 und 2030 um 80 Prozent fallen, prognostizierte BCG.

Der Anteil verschiedener Typen von Fahrzeugen mit Elektromotoren werde dabei von Region zu Region unterschiedlich sein, betonen die BCG-Experten.

USA hinten nach

So werde in China und Europa zum Jahr 2030 gut jedes Vierte neue Fahrzeug nur mit Batterien betrieben werden, während der Anteil von Wagen mit Benzinmotoren auf rund ein Drittel sinken werde.

In den USA dürften dagegen nach der Prognose Benziner dann noch auf einen Anteil von 47 Prozent bei Neuwagen kommen - und reine Batterie-Antriebe auf gut ein Fünftel.

Zurück nach Österreich

Während der Pkw-Markt hierzulande 2019 im Jahresvergleich um 3,4 Prozent zurückging, stagnierte der Verkauf von Lkw. Wobei die schweren Brummer um 7,9 Prozent zulegten, während leichte Lkw - als weitaus wichtigstes Segment - minimal nachgaben.

Richtig gut lief es für Traktorverkäufer. Über 6.000 Stück wurden neu zugelassen, ein Plus von 11,1 Prozent.

Plus bei Fahrrädern

Und auch bei den Zweirädern war die Nachfrage groß, hier gab es einen Zuwachs von 6,6 Prozent auf 40.660 Bikes - nach einem schwachen Jahr 2018.

Stagniert haben die Gebrauchtwagenzulassungen. Während der Neu-Kfz-Markt um 1,8 Prozent auf 436.260 Fahrzeuge verlor, gab es bei Gebrauchten Kfz ein Minus von 0,1 Prozent auf 1.067.994 Fahrzeuge.

Mit Jahresende 2019 waren rund sieben Millionen Kraftfahrzeuge in Österreich zugelassen (plus 1,5 Prozent gegenüber 2018).

5,04 Millionen Fahrzeuge davon waren Pkw (plus 1,2 Prozent), dazu kamen ca. 520.000 Lkw und rund 470.000 Traktoren sowie gut 800.000 Zweiräder.

SUV beliebtester Fahrzeugtyp

Beliebtester Fahrzeugtyp über alle Antriebsarten hinweg war der SUV mit einem Anteil von 31,9 Prozent, gefolgt von der Kompaktklasse mit 24,7 Prozent.

Platzhirsch blieb Volkswagen mit einem Marktanteil von 16 Prozent, was einem Rückgang gegenüber 2018 von 7,5 Prozent entspricht.

Die Tageszulassungen gingen um ein Viertel zurück, gab die Statistik Austria am Mittwoch vor Beginn der Vienna Autoshow bekannt.