Wellness
06.06.2017

Babys: Lieber früher ins eigene Zimmer übersiedeln

Laut einer US-Studie schlafen Babys ab vier Monaten länger durch, wenn sie nicht im Zimmer ihrer Eltern liegen. Das widerspricht bisherigen Empfehlungen, wonach Neugeborene bis zu ihrem ersten Geburtstag im Elternschlafzimmer nächtigen sollten.

Muttermilch oder Beikost, Wegwerfwindeln oder Stofftücher, Gitterbettchen oder Elternbett: Die Liste der Fragen, die sich frisch gebackene Eltern stellen, ist lang. Letztere wurde nun durch eine neue Studie quasi beantwortet. Spannend: Die neuen Erkenntnisse widersprechen bisherigen Empfehlungen zur Schlafgesundheit bei Säuglingen.

Überholte Empfehlung

Die American Academy of Pediatrics (AAP) rät Eltern dazu, bis zu einem Jahr mit ihren Babys im selben Zimmer zu schlafen. Sechs Monate sollte das Neugeborene der AAP zufolge mindestens mit den Eltern im gleichen Raum schlummern. Eine neue Studie, die im Fachblatt Pediatrics veröffentlicht und unter der Leitung von Ian Paul, Professor an der Medizinischen Fakultät des Penn State College durchgeführt wurde, bestätigt diese Empfehlung nicht. Forscher nahmen bei der Erhebung die Schlafbedingungen und deren Effekte auf Säuglinge unter die Lupe. Das berichtet unter anderem das Magazin Time.

Untersucht wurden 249 Mütter und ihre Babys. Krankenschwestern statteten den Müttern insgesamt vier Besuche ab. Dabei waren die Säuglinge ein, vier, sechs und neun Monate alt. Die Mütter beantworteten detaillierte Fragebögen zu den Schlafgewohnheiten ihrer Kinder, ihren eigenen Schlafgewohnheiten und den nächtlichen Schlaf- und Wachphasen der Neugeborenen.

Es zeigte sich, dass Babys, die in eigene Zimmer gelegt wurden, noch bevor sie vier Monate alt waren, im Schnitt 40 Minuten länger schliefen, als Babys, die mit neun Monaten noch zusammen mit den Eltern im selben Raum nächtigten. Babys, die nach dem Erreichen des vierten Lebensmonats in eigene Zimmer übersiedelten, schliefen durchschnittlich 26 Minuten länger durch. Die günstigen Effekte auf den Schlaf waren sogar von Dauer: Auch mit zweieinhalb Jahren schliefen Kleinkinder, die länger mit Mama und Papa im selben Raum geschlafen hatten, weniger als früher ausgesiedelte Babys. "Die Entscheidung im ersten Jahr hat potenziell langfristige Konsequenzen", sagt Studienleiter Ian Paul.

Mut zum eigenen Kinderzimmer

Die Erkenntnisse würden für eine neue Evaluierung der AAP-Richtlinien sprechen, so die Forscher. Diese basieren auf der Annahme, dass Säuglinge während der ersten Lebensmonate nachts gestillt werden und das Risiko des plötzlichen Kindstodes im ersten Lebensjahr am höchsten ist. Durch die räumliche Trennung könnten Eltern die Atmung der Kinder schlechter beobachten.

Da das Risiko des plötzlichen Kindstodes nach dem sechsten Lebensmonat deutlich sinke, müsse man bei der Positionierung des Bettchens danach jedoch andere Faktoren miteinbeziehen, betont Paul, der der Meinung ist, dass die AAP mit ihren Empfehlungen "übers Ziel hinausschießt". Wartet man zu lange zu, bevor man das Kind in ein eigenes Zimmer legt, könnte dies dem Experten zufolge Angstzustände beim Kind begünstigen.

Um den Bettenwechsel für das Kind möglichst sicher zu gestalten, sollte man Paul zufolge Pölster, Decken und Stofftiere aus der unmittelbaren Schlafumgebung entfernen. Dadurch könne man sicherstellen, dass die Atmung des Säuglings nicht beeinträchtigt wird. Darüber hinaus rät Paul Eltern dazu, mutig zu sein. Immerhin seien die negativen Effekte unausgeschlafener Eltern in Kombination mit unausgeschlafenen Kindern ebenfalls mehr als ungünstig.