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Analyse
11/04/2020

Wer für Biden stimmte und wer für Trump

Und warum im zuletzt republikanischen Arizona dem Präsidenten seine Mauerpläne auf den Kopf fielen.

von Walter Friedl

„It’s the economy, stupid!“ Mit diesem Satz (frei übersetzt „Es geht um die Wirtschaft, Dummkopf“) drängte 1992 der Demokrat Bill Clinton George Bush sen. aus dem Weißen Haus. Und – der Sager bestätigte sich auch bei diesem Urnengang. Laut einer CNN-Umfrage war das wichtigste Motiv der Stimmbürger bei der US-Präsidentschaftswahl die Wirtschaft (34 Prozent). Gefolgt von der Benachteiligung von Schwarzen (21 Prozent). Erst an dritter Stelle rangierte die Corona-Krise (18 Prozent).

Kampf um Arbeiter

Das Management der ökonomischen Krise trauten viele auch dem Demokraten Joe Biden zu. Das zeigt sich sehr deutlich in den drei von Industrie dominierten US-Bundesstaaten der sogenannten „Blauen Mauer“: In Pennsylvania stand es am Mittwoch noch Spitz auf Knopf, in Wisconsin und Michigan lag Biden vorne. 2016 hatte Präsident Donald Trump noch alle „blauen“ (ehemals demokratischen Staaten) abgeräumt. Um die Jobs der Arbeiter dort zu sichern, hatte Biden wie Trump auf protektionistische Maßnahmen gesetzt.

Beim zweitwichtigsten Wahlmotiv hatte der Demokrat ein Heimspiel. Nach den Protesten gegen Diskriminierung von Schwarzen und weiße Polizeigewalt wählten 87 Prozent der Schwarzen Joe Biden, aber nur 12 Prozent von ihnen Trump, wie eine von Reuters in Auftrag gegebene Umfrage ergab. Umgekehrt machten 56 Prozent der Weißen beim amtierenden Staatschef ihr Kreuz, lediglich 42 Prozent bei Biden. Allerdings: 2016 war Trump in diesem Wählersegment noch stärker.

Ähnlich der Befund bei den Hispanics: 65 Prozent für Biden, 32 für Trump. Wobei diese ethnische Gruppe in Florida dem US-Präsidenten wohl zum Sieg verhalf. Dort habe dessen Warnung vor Sozialismus bei den vielen Exil-Kubanern verfangen, analysiert Josef Braml, Leiter des Amerika-Programms bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Auf der anderen Seite bescherten Hispanics Biden offenbar den Sieg in Arizona, weil sie keine Mauer zu Mexiko wollten, analysiert Braml. Allerdings, so Experten, dürfte Biden einige Latino-Stimmen liegengelassen haben.

Die Nase vorne hatte der Demokrat erwartungsgemäß bei Frauen: 56 Prozent entschieden sich für ihn, nur 43 für den Republikaner. Da half auch Trumps flehender Appell knapp vor dem Urnengang an die Mütter nichts: „Liebt mich doch!“ Unter den Männern war das Verhältnis ausgeglichen (48 zu 49 Prozent).

Auch bei jungen Menschen konnte Biden gegen Trump punkten. Bei 18- bis 29-Jährigen lag er klar auf Platz eins (61 zu 35 Prozent). Die ältere Generation (65 plus) setzte auf Trump (48 zu 50 %).

Auffallend: In den Kleinstädten und auf dem Land hatte Biden kein Leiberl. Dort entschieden sich 53 Prozent für Trump, aber nur 45 für dessen Herausforderer. Dafür gingen die Großstädte klar an Biden (60 zu 37 Prozent), die Vororte mit 51 zu 48 Prozent aber nur knapp.

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