Warten auf ein Ergebnis

© APA/AFP/SERGIO FLORES

Kommentar
11/04/2020

Trump straft wieder alle Experten Lügen

Die US-Präsidentschaftswahl wird zu einem denkbar knappen Rennen, mit drohendem Chaos.

von Konrad Kramar

Wenn man inmitten dieser langen Wahlnacht schon eine erste Prognose abgeben kann, dann ist es die: Präsident Donald Trump hat wie schon 2016 alle überrascht. Einen klaren Sieg hatten die Meinungsforscher für den demokratischen Herausforderer Joe Biden vorhergesagt. Es kam anders. In fast jedem der entscheidenden Swing States in diesem Rennen liegen die beiden Kandidaten Kopf and Kopf – und, wie ein Kommentator der US-Nachrichtensendung News Night kurz vor Mitternacht in Washington anmerkte, wäre er in den meisten dieser Staaten nicht gerne Joe Biden.

Der Demokrat konnte zwar nach vorläufigen Ergebnissen den traditionell republikanischen Bundesstaat Arizona für sich entscheiden, im Gegenzug aber liegt Donald Trump in Florida klar vorne. In den alten Industriestaaten im Nordosten des Landes, die 2016 Donald Trump den Weg ins Weiße Haus ebneten, zeichnet sich etwa in Ohio ein klarer Vorsprung für Trump ab, in Wisconsin für Biden.

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Doch das alles sind nur Zwischenergebnisse, die sich zuletzt auch noch sehr rasch ändern können. Klar ist nur: Der von vielen bereits als politisches Auslaufmodell gehandelte Trump hat bewiesen, wie stark sein Rückhalt in maßgeblichen Teilen der US-Bevölkerung ist. Und allein diese Tatsache wird die US-Politik in den kommenden Jahren in jedem Fall prägen, egal, wer zuletzt ins Weiße Haus zieht. Der moderate Demokrat Biden, der einer ohnehin chronisch überreizten und massiv unter der Pandemie leidenden Nation vor allem Beruhigung versprach, konnte nicht die Dynamik entfalten, die sich die Demokraten erhofft hatten. Ähnlich wie Vorgängerin Hillary Clinton kam er vor allem bei seinen Live-Auftritten nicht gut an. Trump dagegen, der sich umso wohler fühlt, je größer und je lauter sein Publikum ist, zeigte gerade im Wahlkampf-Finale, welche Dynamik er entfalten kann. Mag sein, dass viele der Sprüche des Präsidenten plump und abseits der Fakten waren. Biden hatte kein Mittel, um sie zu entkräften und ihnen so ihre Wirkung zu nehmen.

Die USA sind seit vielen Jahren ein gespaltenes Land, und diese Wahl zeigt das deutlich wie nie. Die Großstädte gehören den Demokraten, der ländliche Raum und die Kleinstädte den Republikanern. Dazwischen aber in den Vorstädten liegt das Schlachtfeld. Es sind zwei Welten, die die eigentlich vereinigten Staaten bestimmen, und diese zwei Welten driften nicht nur immer weiter auseinander, sie sind obendrein zunehmend feindselig gegeneinander eingestellt.

Die Republikaner bleiben auch in den kommenden vier Jahren die Partei, wie sie der Populist Trump geprägt hat. Einst die Vertreter des konservativen Mittelstandes, sind sie heute eine Arbeiterpartei geworden, vertreten also jene, die sich von der Entwicklung ihres Landes, vor allem aber ihrer Arbeitswelt zurück- und im Stich gelassen fühlen. Für sie wird Trump seine Stimme erheben – ob er nun ins Weiße Haus einzieht, oder nicht. Doch bis wir das wissen, kann es noch sehr lange dauern – mit sehr viel brutalem politischen und juristischem Tauziehen.

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