Ungarn: Spekulationen um vereitelten Pipeline-Anschlag

Orbán verdächtigt Kiew, hinter dem vereitelten Attentat zu stecken. Die Opposition spricht von einer "Operation unter falscher Flagge".
Orbán ließ Soldaten an der Gas-Pipeline in Kiskundorozsma stationieren.

Das Internet kann bekanntlich böse sein: Im Netz fanden sich am Wochenende KI-generierte Bilder, die den ungarischen Ministerpräsidenten in einem rosafarbenen Osterhasen-Kostüm zeigten, wie er neben Ostereiern auch einen Sprengstoffansatz versteckt. Viktor Orbán hingegen postete statt Familienfotos in österlicher Tradition Aufnahmen aus dem südungarischen Kiskundorozsma, wo eine Erdgas-Pipeline von Serbien nach Ungarn verläuft. Und die die Ukraine, so der Verdacht Orbáns, mit vier Kilogramm Plastiksprengstoff aus US-Produktion möglicherweise zerstören wollte.

Am Sonntag meldete der serbische Präsident und Orbán-Freund Aleksandar Vučić, Spezialeinheiten des serbischen Militärs hätten nahe der Grenze zwei Rucksäcke mit Sprengsätzen gefunden, nur wenige Meter entfernt von einer Anlage der Balkan-Erdgas-Pipeline, einer Verlängerung der Turk-Stream. Ungarn erhält über die Pipeline große Mengen Erdgas aus Russland.

Budapest rief daraufhin den Verteidigungsrat ein; der Schuldige war für Orbán, der im Wahlkampf mit dem Feindbild Wolodimir Selenskij mobilisiert, schnell gefunden: Zwar wolle man ohne Beweise niemanden beschuldigen. Jedoch versuche die Ukraine seit Jahren, Europa von russischer Energie abzuschneiden. Nach dem Hinauszögern der Reparatur der für Ungarn so wichtigen Druschba-Öl-Pipeline wolle Kiew Budapest nun auch das Gas abdrehen, so das Narrativ.

Orbán besucht die Anlage der Balkan-Erdgas-Pipeline am Ostermontag.

Orbán besucht Soldaten bei der Balkan-Erdgas-Pipeline.

Moskau beschuldigt Kiew

Rückendeckung bekam die ungarische Regierung aus Moskau: Es sei höchstwahrscheinlich, dass eine Verwicklung Kiews nachgewiesen werde, so der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Überraschenderweise gab sich der Chef des serbischen Nachrichtendienstes, Duro Jovanić, zurückhaltender, und wies Behauptungen, dass das serbische Militär "im Auftrag von Dritten" nach einem "ukrainischem Attentat" fahnde, bei einer Pressekonferenz vehement zurück. Nach den Tätern werde noch gesucht, Jovanić sprach jedoch von einer "Migrantengruppe". Das Außenministerium in Kiew wies die Vorwürfe zurück.

(Energie-)Sicherheit ist ein zentrales Thema in Orbáns Wahlkampf, dem bei der Parlamentswahl am Sonntag eine Abwahl drohen könnte. Bereits in den vergangenen Wochen ließ er Energieinfrastruktur vom Militär beschützen, aus Sorge vor einem bevorstehenden Angriff. Die Ukraine nannte er dabei nie direkt, deutete jedoch wiederholt in ihre Richtung.

Sein Herausforderer, Tisza-Chef Péter Magyar, sprach auf Facebook von Provokation: Die Opposition habe im Wahlkampf wiederholt Hinweise auf mögliche inszenierte Zwischenfälle erhalten. Magyar forderte Orbán auf, die Panikmache und die von seinen russischen Beratern "ausgeheckten Unruhen" einzustellen.

Vance in Budapest erwartet

Laut Jovanić könnten die Ermittlungen Tage, aber auch Monate dauern. Orbán muss sich demnächst jedoch um etwas anderes kümmern: Er soll noch am Dienstag oder Mittwoch Wahlkampfhilfe aus Washington empfangen, in Person von US-Vizepräsident JD Vance.

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