Vie Schauspieler_innen vor einer rot-weiß-roten Fahne

Wolfgang Pevestorf, Robert Kahr, Ulrich Gabriel und Michaela Spänle vor der rot-weiß-roten-Fahne - der weiße Streifen als überdimensionale Klopapier-Rolle

© Heinz Wagner

Kiku
09/08/2020

"Kunstler" und ein "Professoren" über "schön deutsch Sprach"

Ernst-Jandl und andere Schriftsteller_innen über Österreichs Wesen von "Theater Wagabunt" als Abschluss des Festivals "Luaga & Losna".

von Heinz Wagner

Eine riesige Österreichfahne. Der weiße Streifen in der Mitte ist allerdings eine überdimensionale Klopapier-Rolle – aus Vlies (Ausstattung: Caroline Stark). Es treten drei Männer und eine Frau auf – in Frack mit weißer Fliege (Mascherl) und rot-weiß-roter Kunststoff-Schärpe: Michaela Spänle, Ulrich Gabriel (GAUL), Robert Kahr und Wolfgang Pevestorf.

Sie zitieren im ersten Teil des Abends, der das 32. Internationale Theaterfestival für junges Publikum „Luaga & Losna“ (schauen und hören) in Feldkirch und Nenzing beendet, eine Nestbeschmutzerin nach dem anderen häufig so in Österreich titulierten Kollegen – von Elfriede Jelinek über Thomas Bernhard, Peter Turrini bis zu Franz Grillparzer. Von nicht überwundenen Nazi-Gedanken bis zur Kleingeistigkeit reichen die kritischen Texte der zitierten Schriftsteller_innen.

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Demaskierendes Sprach-Kunst-Spiel

Das rund halbstündige „Konversationsstück“ des Sprachkünstlers Ernst Jandl „Die Humanisten“ im zweiten Teil – über weite Strecken ein Duett von Robert Kahr und Wolfgang Pevestorf – gab dem gesamten Abend den Titel (Theater Wagabunt, Dornbirn, Vorarlberg, Österreich).

Jandl lässt in dem Text die beiden Herren M1 und M2 aufeinander treffen, der eine stellt sich als „Kunstler“, der andere als „Universitäten Professor Kapazität“ vor. Beide trachten, sich ständig zu überbieten, erheben sich zu nobel Preisen… Der Infinitiv-Sprech mit extrem reduzierten Satzbauten erinnert an heutiges „gemma Park“, wie Jugendliche die sogenannte „Gastarbeiter-“ oder „Kanak“-Sprach parodieren. Mit diesen wenigen – die halbe Stunde durchgehaltenen – Kniffen, gibt Ernst Jandl die beiden sich so erhaben fühlenden überheblichen Männer der laufenden Lächerlichkeit preis.

Die Humanisten
von Ernst Jandl
sowie Texte von und über Österreich: Franz Grillparzer, Peter Turrini, Peter Handke, Thomas Bernhard, Claus Peymann, Elfriede Jelinek, Gerhard Rühm u.v.m
Theater Wagabunt/Österreich

mit: Michaela Spänle, Ulrich Gabriel (GAUL), Wolfgang Pevestorf, Robert Kahr
Regie: Stephan Kasimir
Ausstattung: Caroline Stark
ab 16 Jahren

Theaterwagabunt.at

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