Diva in der Wanne "telefoniert"

Galia de Backer in "Cuts, Pieces and Sounds – Geschichten einer Stimme"

© Willi Filz

Kiku
09/05/2020

Weiter Covern oder Traumrolle – mit einschneidenden Veränderungen?

„Cuts, Pieces and Sounds – Geschichten einer Stimme“ von Agora Theater (Belgien) über (mögliche) Wege zu und von Stars.

von Heinz Wagner

Begonnen als (vor allem Jazz-)Sängerin – elterlich früh künstlerisch sozialisiert – verbindet Galia de Backer in „Cuts, Pieces and Sounds“ dieses Talent bzw. die Professionalität mit Schauspiel. Das steht hier (Regie: Felix Ensslin) sogar im Zentrum. Auch wenn der Gesang nie zu kurz kommt. Unterschiedlicher Gesang. Zum einen die Alltime-Hits, die sie nur so aus der Kehle schüttelt. Zum anderen aber neue, andere Songs. Das ewige Covern hat die Bühnenfigur satt.

Gleichzeitig fühlt sie sich als DIE Diva. Allürenhaft liegt sie in der Badewanne, die sie eeeendlich in ihre Künstlerinnen-Garderobe gekriegt hat. Badet in Rosenblättern, die sie später aus der Wanne „regnen“ lässt. Dieses starke Bild prägt den Beginn des Stücks – schon bei Einlass – neben den zwei gänzlich unterschiedlichen Mikros und dem DJ-Mischpult und dem dortigen Meister.

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Für dieses Bild ließ sich das Theater Agora (aus dem deutschsprachigen Teil Belgiens, häufiger Gast bei Luaga & Losna) von einem Gemälde inspirieren, so die Künstlerin zum Kinder-KURIER: „Der Tod des Marat“ von Jacques-Louis David (1748 – 1825).

Die überkandidelte Star-Sängerin gönnt sich vor dem Auftritt noch Champagner. Wenn sie davon verspritzt, dann „Boris!“ Und der musikalische Techniker ohne den kein Mikro, keine Loopstation, laufen würde, schlicht also sie nicht zu hören wäre, der nur dazu da ist, funktionieren zu müssen, wird auch noch zum Aufwischen erniedrigt.

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Dabei ist sie selbst hin- und hergerissen – siehe eingangs. Noch dazu kommt der Anruf eines Promi-Regisseurs, er hätte sie gerne in einem Stück als Jeanne d’Arc. Sie sei sogar seine Idealbesetzung. Wenngleich er ihr sofort sogar einschneidende körperliche Veränderungen aufträgt, damit sie seinem Bild der Kämpferin entspricht.

Soll ich? Soll ich nicht? Soooo ein Angebot!!! Das wäre mehr als die bekannte, gute Sängerin! Aber Idealbesetzung und dann doch an sich herumschnipseln lassen? Ach, und da hat doch die Mutter immer wieder gesagt, Jeanne d’Arc hätte sie soooo gern gespielt. Schikanen am Arbeitsamt, „göttliche“ Anweisungen des Regisseurs…

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Somit hat sie nun drei Punkte/Ziele zwischen denen sie herumeilt – Körperhaltung und Stimme stets verändernd. Und so schließt sich der Kreis zum ersten Bild der dreigeteilten Wanne (Bühnenbild: Céline Leuchter), die mich an die Kästen im Zirkus erinnert, in denen „Zauberer“ ihre Assistentinnen zersägen. Wobei die Arbeit der praktisch immer männlichen Magier die einfachere ist – die Metallteile in die vorgegebenen Schlitze zu schieben. Die wahrhafte Leistung ist der „Assistentinnen“, die sich meisterhaft akrobatisch verrenken müssen, damit die Übung gelingt.

Hier läuft die schauspielende Sängerin zur meisterhaften Form der gedanklichen Verrenkung – was will ich jetzt wirklich? – auf, um sich letztlich für ihre eigene Stimme zu entscheiden.

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Cuts, Pieces and Sounds – Geschichten einer Stimme
Agora Theater  / Belgien 

Spiel, Gesang, Komposition, Text: Galia de Backer
Bühne: Céline Leuchter
Kostüm: Petra Kather
Technik: Joé Keil / Nikita Zolotar
Lichtkonzept: Jasper Diekamp
Regie, Text, Dramaturgie: Felix Ensslin
Ab 15 Jahren

Agora-theater.net

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