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© Cows - Das Musical

Kiku
10/26/2020

„Cows“ – kuh-les Musical über ein- oder gemeinsam und Vorurteile

Junge Gruppe rockt die Bühne mit Songs, Tanz – UND einer Geschichte. Samt Botschaft über Kühe, Heilsversprechen und Schlachthöfe.

von Heinz Wagner

Holzgatter die sich später als sehr flexibel herausstellen werden (Bühnenbild: Sebastian Buchmann), Taferln mit den Aufschriften „Füttern verboten!“ und „Bitte, die Kühe nicht streicheln“ bieten sich dem Publikum dar, das einen der Säle im Off-Theater in der Wiener Kirchengasse (Neubau) betritt bevor – artgerecht – Kuhglocken zum Beginn des ersten Akts des Musicals „Cows“ läuten.

Das junge für dieses Projekt zusammengewachsene Ensemble rockt in zwei Stunden (eine ¼-stündige Pause) mit eineinhalb Dutzend Songs und den dazugehörigen Szenen voller Schwung und mit viel Humor die Bühne und unterhält köstlich. Inspirieren ließ sich das für Text und Komposition zuständige Duo Katharina Krause und Daniel Karanitsch vom Allzeit-Musical-Hit „Cats“. „Wir wollten aber auch eine Geschichte erzählen“, so Komponist, Co-Texter und Co-Regisseur Karanitsch zum Kinder-KURIER.

Und jene Umstehenden, die – im Gegensatz zum Autor dieser Zeilen – das Katzen-Musical von Andrew Lloyd Webber (Musik) mit Texten von T. S. Eliot (Gedichte aus Old Possum’s Book of Practical Cats; ergänzender Text zu Memory von Trevor Nunn) kennen, schmunzeln. „Es gibt schon so manche Anspielung bei der einen oder anderen Figur, aber sicher wollten wir keine Parodie auf Cats machen“, ergänzt Karanitsch, der auch spielt - den Bullen Alt Stroganoff.

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Unterschiedliche kuh-le Charaktere

Neben Musik, Schauspiel, Humor will „Cows“ auch Botschaften transportieren in Texten, Musik und Tanz (Co-Regie Edith Schachinger, Choreografie: Tanja Huber) – und tut dies – ganz ohne Zeigefinger.

Wir erleben so unterschiedliche Rinder wie die beiden Kälber Chili (Aloysia Astari) und Milan (Hicran Taptik). Erstere frech, neugierig, abenteuerlustig. Ihr ist der Zaun als Begrenzung des Lebensraums auf der Weide viel zu eng gesteckt. Fast jeder Auftritt ein Lächeln bis Lachen. Die Schwester ist die bravere, Streberin, feige – packt jedoch am Ende, als die Schwester in tödlicher Gefahr ist, all ihren Mut zusammen und überwindet die eigene Angst, um Chili zu retten. Ms. Wellington, die Mutter der beiden (Sarah Victoria Reiter) gibt eine – wenn bei Kühne der Begriff erlaubt sein mag – eine klassische Glucke ab. Und scheint intensiv echte Weidekühe studiert zu haben, so wie sie sich auf der Bühne bewegt.

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Außenseiterin

Zur Herde gehört ein mehr als eingebildeter Jungstier namens Angus (Lukas Müller), der sich nur in seinem Macho-Dasein wohlfühlt, aber wenn’s drauf ankommt zum Angst„hasen“ wird. Alt Stroganoff leidet am Verlust der Mutter. Dann tummelt sich noch Victor auf der Weide. Ein Ochse, der vor Eitelkeit strotzt, aber auch sensible Momente aufblitzen lässt. Dessen Darsteller Wei-Ken Liao schlüpft im zweiten Akt in eine andere Rolle, die des verteufelten, eingesperrten Stierkampf-Bullen Gordito.

Das Rinder-Personal – anderes, nämlich Menschen kommen nicht leibhaftig, sondern nur in Erzählungen der Kühe vor – komplettiert Yvonne (Katharina Krause), eine vor Jahren ausgebüchste, freiheitsliebende Kuh. Die unterscheidet sich schon optisch völlig von den anderen, wirkt auf den ersten Eindruck verwahrlost (Kostüme: Brigitte Huber, aufwändigste Maske: Victoria Kirchner). Als sie einmal in der Nähe der Weide gesichtet wird, warnt vor allem Ms. Wellington ihre beiden Kälber. Ja nicht sollten sie mit der reden oder sich gar ihr nähern, dieser Fremden.

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Gelobtes Land - für wen?!

Yvonne hingegen warnt die ganze Herde vor dem weißen Wagen. Nein, genau auf den warten sie sehnsüchtig. Er würde sie alle ins gelobte Land bringen. Dass sie dort nur der Tod erwartet – das glauben sie der geflohenen Kuh einfach nicht. Zumindest lange Zeit.

Denn so wie sich Milana aufschwingt, mutig wird, um die Schwester zu retten, so überwinden alle ihre Vorurteile – beginnen mit Yvonne ebenso zu reden, Vertrauen zu ihr zu schöpfen wie sie auch den verteufelten Gordito entmystifizieren und er sein Einzelgängertum aufgibt – nach dem Motto „wir sind alle eine Herde“ und gemeinsam ist besser als einsam. Nur mit den Menschen kommen sie auf keinen grünen Zweig.

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Cows – das Musical

Buch und Text: Katharina Krause
Buch, Komposition, Co-Regie: Daniel Karanitsch

Darsteller_innen:
Angus: Lukas Müller
Chili: Aloysia Astari
Milana: Hıcran Taptık
Alt Stroganoff: Daniel Karanitsch
Ms. Wellington: Sarah Victoria Reiter
Victor / Gordito: Wei-Ken Liao
Yvonne: Katharina Krause

Co-Regie: Edith Schachinger
Choreografie: Tanja Huber
Kostüme: Brigitte Huber
Maske: Victoria Kirchner
Bühnenbild und Technik: Sebastian Buchmann

Wann & wo?
31. Oktober, 4., 5.,8. November 2020
Off-Theater: 1070, Kirchengasse 41

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