René Apfelknab: "Kunasek-Effekt? Kann ich nicht beurteilen"
FPÖ-Spitzenkandidat Apfelknab
Mitte 2025 wurde René Apfelknab von der FPÖ als Spitzenkandidat für die Grazer Gemeinderatswahlen (28. Juni) vorgestellt. Der 56-Jährige ist - abgesehen von der Bezirksvertretung in Straßgang - in der Kommunalpolitik noch wenig verankert; beruflich ist Apfelknap Prüfer in der Buchhaltungsagentur des Bundes.
KURIER: Wer Begriff FPÖ Graz hört, denkt unweigerlich an den Finanzskandal. Ist der – innerparteilich – ausgestanden?
René Apfelknab: Wir sind als FPÖ Graz selbst Geschädigte. Wir warten, dass das Verfahrensende endlich einmal kommt. Ich habe 2022 als Finanzreferent übernommen und ich kann sagen, es läuft alles sehr gut. Das ist alles kein Thema innerhalb der FPÖ in der Stadt.
Was machen Sie als Finanzreferent anders als Ihe Vorgänger, um derartige mutmaßliche Malversationen ausschließen zu können?
Wir haben nur noch ein Konto, über das alle Zahlungen laufen. Wir haben keinen Barzahlungsverkehr mehr. Wir haben die normale doppelte Buchführung eingeführt, jeder Beleg ist sowohl physisch da als auch eingescannt im Buchungssystem.
Jede Rechnung geht über Ihren Schreibtisch?
Ja. Wir haben auch ein Vier-bzw. Sechs-Augen-Prinzip eingeführt. Der Stadtparteisekretär gibt die Rechnung ein. Bis 500 Euro kann ich sie freigeben, darüber muss auch der Stadtparteiobmann sein Okay geben.
Wann sind Sie gefragt worden, ob Sie Spitzenkandidat werden wollen und von wem?
Mitte, Ende August 2025 von Stadtparteiobmann Axel Kassegger.
Welche Rolle hat Landesparteiobmann Mario Kunasek dabei gespielt?
Bei dieser Frage keine. Ich habe um Bedenkzeit ersucht, danach sind wir zusammen zum Landeshauptmann gegangen. Kassegger hat mich als Wunschkandidat vorgestellt, Kunasek hat uns volle Unterstützung zugesagt und gemeint, das ist ideal so, das passt.
Beim Wahlkampfauftakt waren Medien nicht eingeladen. Das ist ungewöhnlich.
Wir haben den Termin offiziell ausgeschrieben, auf der Homepage, auf Social Media. Wir haben uns gedacht, das wissen alle. Es war ja auch der ORF dort und andere Medien.
Dass kurz zuvor zwei Mitglieder Ihrer Kandidatenliste aus der FPÖ ausgeschlossen wurden . . .
. . . hat damit nichts zu tun, überhaupt nicht.
Die beiden waren immerhin auch stellvertretende Parteileute der FPÖ Graz. Warum wurden sie ausgeschlossen?
Da hat es etwas gegeben, der Stadtparteiobmann hat das weitergeleitet an die Landespartei, die einen Notausschluss gemacht hat. Die beiden haben Einspruch erhoben. Aber das ist ein laufendes Verfahren vor dem Parteigericht, das entscheiden wird.
Mit dem Finanzskandal aus 2021 hat das nichts zu tun?
Nein, überhaupt nicht. Da geht es um etwas Innerparteiliches.
Ihr Wahlziel?
Ein gutes Ergebnis. Erst wird gewählt, dann wird gezählt, dann wird verhandelt. Aber natürlich erhoffen wir uns einen guten Zugewinn.
Jedenfalls mehr als die 10,6 Prozent 2021. Aber sogar mit diesem Ergebnis hätten Sie einen Stadtratssitz, den Sie ja wegen der Abspaltung des KFG verloren haben.
Richtig.
Wie viel Kunasek-Effekt wird im Wahlergebnis stecken?
Tatsache ist, Mario Kunasek macht eine sehr gute Arbeit im Land und ist sehr beliebt. Wenn das einen Effekt hat, kann ich nicht beurteilen, wie hoch der ist. Wir machen unsere Arbeit in der Stadt Graz, hier läuft es sehr, sehr gut für uns. Wir bekommen ein sehr positives Echo.
Wem stehen Sie für eine Zusammenarbeit näher – der KPÖ, weil Sie eine Gebührenstopp fordern? Der ÖVP, weil Sie mehr Platz für Autos möchten? Oder gar den Grünen, weil Sie auch das Radwegenetz ausbauen wollen?
Wir verhandeln grundsätzlich mit jedem. Es gibt auch bei jeder Partei Schnittmengen. Bei der KPÖ nicht sehr viele, aber wir sind für alles offen. Sollten wir zu Verhandlungen eingeladen werden, werden wir das ausreden.
Bisher war die FPÖ der ÖVP mehr zugetan, siehe auch die Koalition im Land.
Wir haben mehr Schnittmengen mit der ÖVP, aber das muss man nach den Wahlen entscheiden und in den parteiinternen Gremien beraten.
Gibt es Vorgaben der Landes-FPÖ?
Nein, definitiv nicht.
Stichwort Schnittmengen: Wie soll das Spannungsfeld mehr Platz für Autos und weniger Stau in der Stadt aufgelöst werden?
Zum Beispiel durch ein Parkleitsystem und Plätze in Tief- oder Hochgaragen. Das wäre eine Schnittmenge mit der ÖVP.
Wer zahlt das?
Unser Zugang ist eine Verwaltungsreform und das Anschauen der Förderungen. Es gibt sehr viele Doppelförderungen.
Wenn Sie in Budgetverantwortung wären, welche Schwerpunkte würden Sie setzen, wo würden Sie kürzen?
Man muss das Ganze einmal evaluieren. So wie die KPÖ das am Anfang gemacht hat, als sie in Budgetverantwortung gekommen ist. Wir müssen uns das Budget anschauen, den Haushaltsplan. Und dann kann man drüber reden, wo man die Prioritäten setzt.
Diese Antwort klingt etwas eingelernt.
Nein, das sind Tatsachen. Ich bin Finanzreferent, stellvertretender Bezirksvorsteher von Straßgang und beruflich Buchhaltungsprüfer, mein Zugang ist da ein anderer. Man muss zuerst einen Überblick haben, das ist mein Zugang zur Arbeit.
Budgets und Rechnungsabschlüsse sind nicht geheim, da hätte man ja schon hineinschauen können.
Natürlich habe ich mir die angeschaut. Aber man muss schauen, welche Zahlen stehen da dahinter? Wenn ich die Förderung fürs Kunsthaus nehme zum Beispiel, 2,6 Millionen Euro. Das ist eine Zahl. Aber was wird damit finanziert? Wie viele Lohnkosten sind da dabei? Wie viele Ausstellungsposten? Das sieht man nicht, man sieht nur die Zahl 2,6 Millionen. Diese Zahl allein sagt nichts aus.
In beinahe jedem FPÖ-Wahlkampf taucht das Stichwort Moscheen auf, auch bei Ihrem. Sie sprechen sich gegen den Bau neuer Moscheen aus. Warum eigentlich? Die Stadt kann da nicht viel beeinflussen.
Speziell geht es mir um das Minarett-Verbot. Da kann man über die Raumordnung schon etwas machen. Da spielt ja noch etwas anderes hinein: Je nach Anfrage, die man macht, ergibt sich, dass es 25 bis 30 muslimische Vereine gibt. Zwei planen eine Moschee. Wenn wir uns vorstellen, das wollen alle anderen auch – wie schaut das Stadtbild dann in 20, 25 Jahren aus? Deshalb sprechen wir uns dagegen aus.
Was sagen Ihnen die Begriffe Remigration und Bevölkerungsaustausch?
Jene Personen, die keinen Asylstatus haben, können wieder abgeschoben werden. Das verstehe ich unter Remigration.
Ihr Bundesparteiobmann hat für diesen Begriff einen Ordnungsruf im Parlament erhalten.
Wir haben diesen Begriff nicht in unserem Wahlprogramm.
Dieser Begriff an sich wird von der neuen Rechten verwendet. Würden Sie das Wort Remigration im Gemeinderat verwenden?
Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Bis jetzt habe ich das Wort nicht verwendet.
Aber Sie haben Bevölkerungsaustausch in einer Ihrer Parteizeitungen verwendet. Was verstehen Sie darunter?
Die Personen mit Migrationshintergrund nehmen immer mehr zu. Es gibt auch eine leichte Unterwanderung durch Muslime in Graz, das ist feststellbar. Wenn man sich die Schulen anschaut, dann sieht man, dass rund 57 Prozent der Volksschüler Migrationshintergrund haben.
Wo verorten Sie sich innerhalb der FPÖ?
In der Mitte.
Kommentare