© Kurier/Gilbert Novy

Interview
03/31/2021

Polizei-Hubschrauber: Mit neuem Chef auf neuem Kurs

Christian Stella spricht über Polizei-Drohnen, den Terroranschlag in Wien, lärmende Hubschrauber und die Folgen der schlimmsten Katastrophe der Flugpolizei.

von Dominik Schreiber, Patrick Wammerl

Auf den Tag genau vor zehn Jahren starben vier Menschen beim Absturz eines Polizeihubschraubers in den Achensee. Ursache war laut zwei unabhängiger Gutachten Leichtsinn des Piloten. Die Folgen des wohl vermeidbaren Unfalls, der drei Polizisten das Leben kostete, wirken bis heute nach.

Seit zwei Monaten hat die Flugpolizei mit Christian Stella einen neuen Chef. In seinem ersten Zeitungsinterview berichtet er, wie er die Hubschrauber-Flotte nun neu gestalten möchte. Mit einem neuen Steuermann soll der Weg hinaus aus der Krise gefunden werden. Die Flugpolizei möchte wieder das Schmuckstück des Innenministeriums werden.

KURIER: Vom stellvertretenden Landespolizeidirektor im Burgenland zum Leiter der Flugpolizei. Manche könnten das als Rückschritt in der Karriere ansehen, wie kam es dazu?

Stella: Also diese Frage haben mir viele gestellt Aber ich habe mich schon 2005 für diesen Posten beworben. Mein Herz war immer schon bei der Flugpolizei. Ich mache also jetzt etwas, was mir wirklich Spaß macht. Und nebenbei bin ich Abteilungsleiter im Innenministerium, das ist nicht irgendetwas.

Wenn in den sozialen Medien von der Flugpolizei die Rede ist, dann meistens davon, dass die Hubschrauber zu viel Lärm erzeugen. Was entgegnen Sie diesen Menschen?

Unsere Tätigkeit ist retten, suchen, fahnden und löschen. Und wenn es um Menschenleben geht, dann ist es eben so, dass wir auch über der Stadt fliegen müssen. Mit unserer Übersiedlung nach Wr. Neustadt wird sich das in Meidling verbessern. Aber wir fliegen nicht zum Spaß oder weil wir so gerne Sightseeing machen in der Nacht.

Zum Beispiel beim Terroranschlag in Wien...

Am Tag dieses grauenvollen Anschlags haben wir Wien gemeinsam mit der Austro-Control zur Flugverbotszone eingerichtet. Und wir haben alle vier einsatzbereiten Fahndungs-Hubschrauber hergeholt, die wir in der Nacht in Österreich haben. Die haben versucht, bei dieser vollkommen unklare Lage Licht ins Dunkel zu bringen. Für solche Einsätze wird deshalb auch ein Flugfeld in Meidling bleiben.

Wie ist der Stand beim Umzug nach Wiener Neustadt?

Offizieller Baubeginn war der 15. März. Bis Ende 2022 soll die Flugeinsatzstelle in Betrieb gehen, die Wartung wird bis Ende 2023 übersiedeln. Auch die Theorieausbildung der Flugschule findet dort statt.

Bei der Flugpolizei soll eine Abteilung für Drohnen eingerichtet werden. Wozu benötigt die Exekutive solche Fluggeräte und was ist da geplant?

In den letzten eineinhalb Jahren haben wir gemerkt, dass Drohnen zu einem wichtigen polizeilichen Einsatzmittel werden. Was heute eine Drohne kann, mit Kamera und Infrarot, ist unglaublich. Das kann die Vermessung einer Unfallstelle sein, aber auch die Überwachung von Veranstaltungen und wichtig die Grenzüberwachung. Wir wissen, dass die Schlepper in Ungarn ihrerseits Drohnen aufsteigen lassen und mit der Wärmebildkamera schauen, wo sind die Soldaten und wo ist die Polizei. Wir haben aber umgekehrt mit einer Drohne eine Schlepperroute aufgedeckt, dort hat man sogar die weggeworfene Kleidung der Geschleppten fotografiert. Und wir würden die Drohnen warten. Das sind ja keine Geräte, die man um 99 Euro kauft, die haben einen Wert von dreißigtausend Euro.

Man hat in der Vergangenheit wenig über die Erfolge der Flugpolizei gehört, sondern eher über die Probleme.

Ich war der Pressesprecher der Fußballeuropameisterschaft. Mir ist die Medienarbeit ein wichtiges Anliegen. Ich habe gleich zu Beginn einen Brief an alle Mitarbeiter geschickt und hab ihnen gesagt: Eigentlich sind wir das Tafelsilber des Innenministeriums. Dieses Silber hat einen kleinen Schatten bekommen und gehört nun wieder aufpoliert. Ich meine, tue Gutes und berichte davon. Wir sind tagtäglich unterwegs und retten Menschen. Die Flugpolizei hat sich das nicht verdient, das da nur schlecht berichtet wird.

In den vergangenen Jahren gab es oft Streit, wer die Unfälle der Flugpolizei untersucht. Wer soll das künftig tun?

Ich nehme einmal den Achensee-Unfall, ich kann dazu offen reden, das war vor meiner Zeit. Dieser wird nun noch einmal von einer unabhängigen Kommission untersucht, die aus Schweizer und deutschen Polizei-Hubschrauberpiloten besteht. Wir mischen da überhaupt nicht mit, die sind vollkommen unabhängig. Ich bin der froh darüber, weil es viele Unstimmigkeiten gibt: Stimmt die Version des Innenministeriums oder stimmt die Version der Flugunfallkommission. Wir sind auch schon gespannt auf die Ergebnisse, die es aufgrund von Covid erst nächstes Jahr geben wird. Und dann werden wir sehen, wie wir mit den Ergebnissen umgehen. Ich werde mir das ganz objektiv anschauen.

Einer der Hauptstreitpunkte war die Mindestflughöhe, an die sich alle halten müssen, nicht aber die Flugpolizei. Selbst dann nicht, wenn es überhaupt keinen Einsatz gibt.

Es ist eine Novelle des Luftfahrtgesetzes geplant, da wird es auch ein Thema sein. Aber wir müssen Außenlandungen durchführen und zum Beispiel Personen der Lawinenkommission auf den Berg bringen. Wir haben gewisse Ausnahmen, sonst könnten wir unseren Job nicht machen. Wir versuchen aber dort, wo es möglich ist, die Mindestflughöhe einzuhalten.

Man hört, dass Einsätze geplant sind für Frontex an den EU-Außengrenzen?

So etwas ist ein unheimlicher Erfahrungsaustausch für unsere Piloten. Da haben wir hohes Interesse, uns an Frontex-Einsätzen zu beteiligen. Für einen maritimen Einsatz sind wir aber nicht gerüstet, das wird frühestens 2023 möglich sein. Wir benötigen da auch neue Ausrüstung, um auch im Wasser landen zu können. Aber Landeinsätze wären ab August möglich.

Bisher hatten Sie keinen Pilotenschein, werden Sie den nun nachholen?

Ich sage es ganz offen, ich werde ihn nicht machen, auch weil ich meine Aufgabe als eine andere sehe. Ich werde optimale Rahmenbedingungen schaffen, ich bin auch Geschäftsführer der Flugschule. Ich muss auf die Sicherheit achten, dass alle Vorschriften eingehalten werden und vieles mehr. Meine Aufgabe ist es nicht, Einsatzpilot zu sein.

Zur Person Christian Stella:

Karriere
Fast neun Jahre war Stella (54) stellvertretender Landespolizeikommandant im Burgenland.  Zuvor war er etwa Kompaniekommandant bei der WEGA, Euro-Pressesprecher oder Adjutant des Wiener Generalinspektors. Am Beginn war er Polizist in Wien-Margareten.

Der neue Job
Allein im Vorjahr führte die Flugpolizei elftausendzweihundert Flüge durch. Aktuell werden acht Standorte betrieben, zwei davon (Klagenfurt und Innsbruck) werden bald modernisiert.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.