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Chronik Österreich
03/23/2021

Polizisten erhalten 500 Corona-Impfungen pro Woche: Der Ärger bleibt

Doch das dürfte die Wogen vorerst nicht glätten, die Polizeigewerkschaft kocht. Auch Häftlinge vor den Justizbeamten geimpft.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel, Patrick Wammerl

Noch immer ist der Ärger bei der Polizei riesengroß. Dass der geplante Start der Corona-Impfung am Montag abgesagt wurde, sorgt für gewaltigen Unmut innerhalb der Exekutive. Nachdem der KURIER dies aufgedeckt hat, meldeten sich zahlreiche Polizisten in der Redaktion. Sie haben kein Verständnis, dass sie an vorderster Front den Kopf hinhalten müssen, nun aber bei der lebensrettenden Impfung übergangen werden. Und das kurz nachdem es den ersten Corona-Toten in den eigenen Reihen gab.

Nun soll die Polizei österreichweit vorerst rund 500 Impfdosen pro Woche erhalten, ergaben Gespräche von Innen- und Gesundheitsministerium am Dienstag. Zum Vergleich: Allein bei den großen Corona-Demonstrationen in Wien sind bis zu 1500 Beamte im Einsatz. Insgesamt gibt es 35.000 Polizisten.

Deshalb bleibt der Ärger vielerorts.

Der neue Impf-Start ist nun Anfang statt Ende April. Vorrangig sollen Polizisten im großen Ordnungsdienst geimpft werden, das sind jene, die bei den Demos im Einsatz sind. „Ich bin froh, dass wir nun doch bereits vorzeitig mit der Impfung der Polizisten starten können. Das ist – neben einem österreichweiten zwei Mal wöchentlichen Testangebot - ein weiterer wichtiger Schritt hin zu mehr Eigensicherheit auch für die eingesetzten Beamten“, sagt Innenminister Karl Nehammer.

Polizeigewerkschaft übt scharfe Kritik

Das alles verärgert den Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft, Reinhard Zimmermann (FCG), hingegen noch weiter: „Nachdem man im Gesundheitsministerium in fünf Tagen nicht fähig ist, dieses wichtige Thema zu entscheiden, wurde heute seitens des Gesundheitsministeriums beschlossen, dass die Polizei 500 Impfdosen pro Woche erhalten soll. Herr Bundesminister, das ist wohl nicht ihr ernst, da dauert das Durchimpfen länger als ein Jahr. Da sind die Kollegen ja schneller als Privatpersonen dran.“

Zimmermann fordert Anschober eindringlich auf, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken: „Denn diese ist auf jeden Fall falsch.“

Bereits angelaufen ist jedenfalls die Impfung von 250 Sanitätern, Helfern und Polizeiärzten, die dann die Exekutive durchimpfen sollen. Doch auch dort soll es einigermaßen chaotisch zugehen, wie man hört. Manche Bundesländer haben bereits am Montag geimpft, in anderen soll es noch nicht einmal Termine geben, hört man aus der Polizei.

Glaubt man Insidern, dann ist die Ursache des Ärgers, dass 100.000 Impfungen an Österreich geliefert wurden, und davon rund 30.000 der Polizei gehört hätten. Doch diese 100.000 Dosen wurden alle an die Länder verteilt, der Bund vergaß, sich welche zurückzuhalten. Nun muss man von den einzelnen Bundesländern entsprechende Impfdosen erbitten.

Dort zeigt man sich allerdings wegen des Mangels an Impfstoff wenig kooperativ. Nur in Vorarlberg, Niederösterreich und Kärnten zeigen die Landeshauptleute offenbar Verständnis und wollen einige Polizisten im Rahmen der normalen Impfung mit versorgen, hört man aus gut formierten Kreisen. In deutschen Bundesland Bayern ist bereits ein Drittel der Polizisten geimpft.

Häftlinge wurden zuerst geimpft

Generell schlägt die Priorisierung bei der Corona-Impfung im Öffentlichen Dienst weiterhin hohe Wellen. Im Strafvollzug rumort es, seit bekannt wurde, dass in der Sonderstrafanstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher in Göllersdorf (NÖ) zwar Hochrisikopatienten geimpft, aber die Aufseher erst Ende dieser Woche an die Reihe kommen sollen. Es ist fraglich, ob überhaupt für alle betroffenen Justizbeamten ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht.

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