For Forest

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Interview
02/12/2020

„In zwei Jahren redet kein Mensch mehr von For Forest“

Angelika Hödl, tief verankert in der Kärntner Kunstszene, sah die Kunstinstallation im Wörthersee Stadion immer schon kritisch.

von Nikolaus Tuschar

Fünf Monate sind seit Eröffnung des Klagenfurter Stadionwalds vergangen. Während und nach dem Projekt wurden Ankündigungen getätigt der Wald sollte zur Begrünung der Lakesidepark Erweiterung eingesetzt werden, Greta Thunberg und Christo sollten kommen und am Ende von For Forest für ein Nächtigungsplus gesorgt haben.

Nichts davon geschah. Der Wald wurde in Teilen nach Niederösterreich verfrachtet, die Nächtigungszahlen waren gar rückläufig. Es wurde auch Kritik laut. Einerseits von Fußballfans, die bemängelten, dass der Wolfsberger AC seine Europa-League-Spiele nicht im Stadion austragen konnte. Andererseits auch von Kulturschaffenden wie Angelika Hödl.

 

Angelika Hödl
Hödl ist Gründungsmitlied des Vereins Radio Agora. Hier ist sie seit 1999 auch Geschäftsführerin. Davor war sie Organisatorin des Frauenkommunikations-, Kultur- und Beratungszentrums „Belladonna“ und ehrenamtlich in verschiedenen gesellschafts- und kulturpolitischen Feldern engagiert. Sie gilt als eine  Kritikerin, die sich auch  inhaltlich differenziert kritisch mit For Forest auseinander gesetzt hat.

Zum Projekt
Im Grundsatzbeschluss vom 27.3.2017, erteilte die Stadt der Sportpark GmbH Erlaubnis, einen Benützungsvertrag mit dem Künstler Klaus Littmann zu unterzeichnen. Schon seit 2015 waren Littmann und Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz in Kontakt, um die Umsetzung des Projektes zu planen. Am 8. September 2019 wurde For Forest im Klagenfurter EM-Stadion für die Öffentlichkeit geöffnet

Die Klagen
Eine Gärtnerei verlangt Platzmiete für nicht abgeholte Bäume, der Streitwert liegt bei 22.000 Euro. Ein Gartenarchitekt fordert ebenfalls 125.000 Euro für erbrachte Leistungen.

KURIER: Wie sehen Sie For Forest im Nachhinein?

Angelika Hödl: Die Nachhaltigkeit des Projekts hat sich eher vor Gericht manifestiert. Die Aussagen Klaus Littmanns (Initiator und Künstler, Anm.), „Ich bin Schweizer und rede nicht über Geld“, haben nicht gehalten. Aufgrund der Klagen (Littmann fordert 39.000 Euro für seine künstlerischen Leistungen, ein Gartenarchitekt will ebenfalls Geld vom Projekt, Anm.) muss jetzt über Geld geredet werden.

Auch die mehrfach angekündigte Offenlegung der Projektfinanzierung zu Projektende blieb aus. Und jetzt erfährt man Stück für Stück aufgrund der Gerichtsverfahren, was im Hintergrund ablief. Ich sehe das Projekt auch von der inhaltlich proklamierten Nachhaltigkeit als nicht erfüllt an. Den Transport der Bäume kann man sicher nicht mit einer ökologischen Botschaft rechtfertigen. Im Sinne der Kunst wäre das auch kein Kriterium, aber Littmann hat ja den Umweltaspekt selbst oft genug bemüht. Und aus künstlerischer Sicht habe ich von Anfang an das Bild von Max Peintner (die Vorlage für das Kunstprojekt war eine schwarz-weiß Zeichnung Peintners aus dem Jahr 1970, Anm.) als nicht umgesetzt gesehen.

 

Hat das Projekt die richtigen Leute angesprochen?

Ich glaube, das Projekt hat Menschen angesprochen, die sich schon grundsätzlich mit Nachhaltigkeit beschäftigt haben. Man weiß nicht, ob man Leute erreichen konnte, für die diese Thematik eher fremd ist. Ich glaube nicht – in zwei Jahren redet sowieso keiner mehr davon.

Hat die Polarisierung dem Projekt geholfen?

Medial jedenfalls. Sie hat aber verhindert, dass man über die künstlerische Aussage und über die Nachhaltigkeit des Projektes nachdenkt.

 

 

Die Stadt führt unter anderem eine Medienresonanz-Analyse als Erfolg an.

Die endgültige Wirksamkeit ist für mich nicht messbar. Ich bezweifle stark, dass For Forest irgendwen dazu motiviert, in Klagenfurt Halt zu machen. Es ist ja schlichtweg nichts mehr vom Projekt da.

Auch die Verwendung von Steuergeld wurde kontrovers diskutiert.

Die Stadt hätte im Vorhinein viel offensiver und transparenter damit umgehen sollen, und die Rahmenbedingung offenlegen müssen. Man hätte nicht den Fehler begehen dürfen, und die Phrase von Littmann „ es kostet kein Steuergeld“ 1:1 zu übernehmen. Im Laufe der Veranstaltung wurden ja durchaus finanzielle Mittel bekannt, die direkt und indirekt ins Projekt einflossen.

Wie würden Sie die Person Littmann beschreiben?

Es kommt mir so vor wie der Besuch des alten Herren, der sozusagen als eloquenter Impresario sein Projekt verkaufen will. Sich als Ermöglicher zu präsentieren – und im Endeffekt kommt raus, man lässt sich seine Tätigkeit auch gut bezahlen. Es ging mehr um das Renommee Littmanns, als um das Projekt selber.

Sie sollen Klaus Littmann auch anders erlebt haben?

Littmann kann durchaus auch uncharmant sein. Das Bild des großzügigen Weltbürgers, der sich selbstlos für Umwelt und Kunst einsetzt, schwindet dahin, sobald man ihn mit kritischen Fragen konfrontiert. Auf meine Frage wegen des ökologischen Fußabdruckes (wegen der Transportwege der eingesetzten Bäume) reagierter er bei einem unserer Zusammentreffen relativ forsch.

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