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Chronik Österreich
08/07/2019

Kunstprojekt Stadionwald: Die ersten Bäume kommen in die Arena

Wo sonst in Klagenfurt das runde Leder rollt, spielen sich ab 8. September Buche und Birke den Schatten zu.

von Nikolaus Tuschar

Exakt  299 verschiedenste europäischen Laub- und Nadelbäume sind aus Belgien, Italien und Deutschland nach Kärnten transportiert worden. Dort stehen sie nun vor dem Wörthersee Stadion in Klagenfurt und warten darauf, dass sie in der Arena eingesetzt werden. Am Mittwochnachmittag kamen die erste Pflanze durch das Tor in die Arena, wo sie in das vormalige Spielfeld gepflanzt worden sind.

Der Grund dafür ist das Kunstprojekt "For Forest" des Schweizer Klaus Littmann. Er hat sich, wie mehrmals berichtet, zum Ziel gesetzt, die Zeichnung „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ des österreichischen Malers und Architekten Max Peintner in die Realität umzusetzen.

Auf dieser Zeichnung ist ein ausverkauftes Stadion zu sehen, dessen Besucher einen Wald am Spielfeld bewundern.

++ HANDOUT ++ "FOR FOREST": BLEISTIFTZEICHNUNG "DIE UNGEBROCHENE ANZIEHUNGSKRAFT DER NATUR"

Von 8. September kann das Projekt im Ausstellungszeitraum täglich bei freiem Eintritt besichtigt werden - allerdings nur von den Zuschauerrängen aus, Waldspaziergang wird man keinen machen können.

Ziel von „For Forest“ ist es laut Littmann, die „Wahrnehmung der Natur“ herauszufordern und den Blick „auf die Zukunft der Mensch-Natur Beziehung“ zu schärfen.

Die Finanzierung

Laut Initiator Littmann, der Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ) und zahlreichen Mitgliedern der Rathaus-Koaltition kommt das Projekt ohne Steuergeld aus. Es wird durch die Beiträge von Mäzenen, durch Sachspenden und Sponsorbeiträge ermöglicht.

Eine Möglichkeit "For Forest" zu unterstützen, besteht etwa darin, eine Baumpatenschaft um je 5000 Euro zu erwerben.

Trotzdem hält sich hartnäckige Kritik an dem Projekt. Vor allem aus Kreisen der FPÖ wird gegen das Projekt heftig geschossen. Die Blauen sehen u.a den Geldfluss von 45.000 Euro an Littmann als "bewiesene Verwendung von Steuergeld" .

Diese wurden einerseits für die bereits beendete Ausstellung Alberto Giacometti in der Stadtgalerie und andererseits für die Ausstellung "Touch Wood", eine begleitende Ausstellung zu "For Forest" sowohl in der Stadtgalerie als auch im MMKK (Museum Moderner Kunst Kärnten) verwendet.

  • Bereits Tage vor der offiziellen Eröffnung von „For Forest“ finden Vernissagen zum Thema statt. Die „Galerie 3“ lädt ab 5. September zu einer Max Peintner-Ausstellung, dessen Zeichnung „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ ja „For Forest“-Initiator Klaus Littmann zu dem Projekt inspiriert hatte.

  • Ab 5. September: „Touch Wood“ in der Stadtgalerie Klagenfurt. Die Gruppenausstellung zeigt die vielfältigen Motive des Waldes.

  • Im Museum Moderner Kunst Kärnten (MMKK) heißt das Motto ab 19. September ebenfalls „Touch Wood“.

  • Vor dem Architekturhaus Kärnten wird am 6. September eine Holz-Installation von Peter Kaschnig und Kurt Pock präsentiert. Weitere Ausstellungen zum Thema Wald, Holz oder Baum gibt es im „Raum 8“, direkt im Architekturhaus, im Künstlerhaus, in der Galerie de La Tour, im Kunsthaus Kollitsch und im Raum für Fotografie.

  •  Im Musil-Haus in der Bahnhofstraße gibt es jeden Dienstag und Donnerstag im September und Oktober Lesungen mit Bezug zum Thema Baum oder Wald: „Mein Vater ist ein Baum“ (Lukas Meschik), „Aufbäumen“ (Autorinnengruppe scribaria), „Es singen die Steine“ (Gert Jonke), „Betrunkene Bäume“ (Ada Dorian) oder „Wald“ (Doris Knecht) stehen am Programm.

  • Auch die Leinwände werden im Rahmen von „For Forest“ erobert. Cine City und Wulfenia Kino zeigen bei freiem Eintritt Filme mit Wald- und Naturbezug, wie „Fitzcarraldo“, „Plastic Planet“, „Das grüne Wunder - Unser Wald“ oder „Das Geheimnis der Bäume“.

  • Musikalisch wird es in der "Villa For Forest" am Viktringer Ring in der Innenstadt, wo einige Konzerte geplant sind.

  • Das Ensemble des Wiener Burgtheaters präsentiert am 1. Oktober im Stadion „Die Hermannschlacht“ von Heinrich von Kleist in einer ersten, öffentlichen Leseprobe - immerhin spielt das Stück ja im Teutoburger Wald. Das „klagenfurter ensemble“ führt Dantes „13. Gesang der Hölle“ als Doppelstück auf: Den ersten Teil im Stadion, den zweiten Teil im Theater Halle 11.

  • Das gesamte Programm gibt es auf https://forforest.net/veranstaltungen

Zur Eskalation beigetragen haben auch die guten Leistungen des Lavanttaler Bundesligaklubs WAC in der abgelaufenen Saison.Sie spielen um den Einzug in die Europa League.. Da man daheim in Wolfsberg kein für die europäische Ebene taugliches Stadion hat, wäre man gerne nach Klagenfurt ausgewichen - aber hier wachsen zum Zeitpunkt der Gruppenspiele im Herbst die Bäume in den Himmel. Der WAC bestreitet die internationalen Spiele deshalb in Graz.