So soll das  Projekt  aussehen, wenn der Besucher am 9. September das Stadion betritt - zu sehen ist die Ausstellung dann bis 27. Oktober.

© FPÖ

Chronik Österreich
07/11/2019

Fußballfans sehen wegen Wald im Stadion rot

Der Schweizer Künstler Klaus Littmann bepflanzt das Wörthersee Stadion und muss sich wüste Beschimpfungen gefallen lassen.

von Nikolaus Tuschar

So mancher Klagenfurter fühlt sich gepflanzt. Bäume im Fußballstadion? Gefällt nicht allen.

Und doch werden sie kommen: Der Schweizer Künstler Klaus Littmann hat sich bereits vor fast drei Jahren vertraglich zusichern lassen, das Wörthersee Stadion mit ausgewachsenen Bäumen zu begrünen.

Doch jetzt, wo es ans Umsetzen geht, wollen ihm die Kärntner und auch einige Parteien am liebsten einen Baum aufstellen. Littmann selbst bekommt die Fouls auf offener Straße zu spüren. „Ich bin durch Klagenfurt gegangen, da kommt mir ein Ehepaar mit Kinderwagen entgegen“, schildert Littmann. „Er rempelt mich an und sagt auf Kärntnerisch: ‚Hau ab mit dem Schaß Wald.‘ Das finde ich schon sehr bedenklich.“

Einige Parteienvertreter hätten auch gar schon mit der Kettensäge gedroht. Also dem Stadionwäldchen, nicht ihm direkt. „Ich habe so etwas noch nicht erlebt. Wenn hier gesagt wird, ich sei ein Brunnenvergifter und man solle mich an einem Baum aufhängen das geht einfach nicht“, zeigt sich Littmann bestürzt.

Mach nur, junger Mann

Doch was steckt nun hinter dem Projekt „For Forest?“ Es ist ein Kunstprojekt, basierend auf der Zeichnung „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“ von Max Peintner. Littmann hat den Künstler selbst persönlich vor Jahrzehnten kennengelernt, schildert er im KURIER-Gespräch. „Ich habe ihn in meinen Dreißigern getroffen und gesagt, dieses Bild müsste man in die Realität holen. Da hat er mir auf die Schulter geklopft und gesagt: Ja, wenn Sie meinen, junger Mann. Mach nur.“

Es dauerte eine Zeit, aber nun setzte Littmann seinen Plan in die Realität um. „Mir wurde von einem Bekannten, der als Künstler tätig ist, ein Bild von Klagenfurt gezeigt. Als ich ihn auf das markante Stadion ansprach, erzählte er mir, dass dieses nicht ausgelastet sei.“

Daraufhin erkannte Littmann die Chance, sein lang ersehntes Projekt zu gestalten. Er beschloss, 299 Bäume verschiedener Arten, die man heutzutage immer seltener im Mischwald findet, dort zu pflanzen. Diese sollten ursprünglich aus österreichischen Baumschulen kommen, wurden aber schlussendlich aus Italien, Belgien und Deutschland geliefert. „Die Begründung dazu: Es gab den entsprechenden Typ Baum nicht,“ erläutert Littmann. Weiters ist geplant, den Verhüllungskünstler Cristo und die Klimaaktivistin Greta Thunberg zu dem Projekt nach Kärnten einzuladen. Laut Littmann sei es noch zu früh, über Konkretes zu sprechen, denn „Cristo ist aufgrund eines Projektes, den Triumphbogens betreffend sehr beschäftigt. Es sollte sich aber ausgehen, dass er zumindest als Gast vorbeikommt.“

Finanziert wird das Projekt durch Baumpatenschaften zu jeweils 5000 Euro, von Privatleuten und Institutionen. Sachleistungen und Arbeitsleistung von Firmen kommen noch dazu, außerdem Projektförderer. Die Stadt stellt in der Zeit das Stadion kostenlos zur Verfügung.

Eine Imagefrage

SPÖ-Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz begründet das Interesse der Stadt im KURIER-Gespräch als Möglichkeit, das Image zu polieren: „Ich habe das als Chance gesehen, den Ruf der Stadt wieder aufzubessern. Weg von dem Haider und Hypo behafteten Image, hin zu einem weltoffenen Stadtbild.“ So könne man Möglichkeit Klagenfurt international bekannt machen.

Die Fans des Fußballvereins WAC hadern jedoch mit mehr Grün auf dem Rasen als auf einem Fußballfeld üblich. Immerhin hat es ihr Klub als erster Kärntner Verein geschafft, sich für die Europa League zu qualifizieren. Das Stadion würde schon aus dem Grund anderweitig gebraucht, monieren sie – zum Kicken. Doch Künstler Littmann kontert, er habe seinen Vertrag schon vor beinahe drei Jahren bekommen. „Da hat der WAC auch nicht damit gerechnet, international zu spielen.“ Er rechnet jedoch mit einer weiteren Welle der Entrüstung. „Am Tag der Auslosung, falls hochqualitative Gegner kommen.“

Der Wald soll jedenfalls im Oktober freigegeben werden, gratis zum Flanieren für jedermann. „Ich habe mir natürlich überlegt, was ich nach dem Projekt mit dem Wald mache“, sinniert Littmann. „Hätte ich ihn verhäckselt, dann hätte man mich zurecht angeprangert.“