© Nikolaus Tuschar

Chronik Österreich
09/08/2019

Klagenfurter Stadionwald trotzt dem Regen

Das Kärntner Kunstprojekt "For Forest" war am Sonntag erstmals der Öffentlichkeit zugänglich.

von Nikolaus Tuschar

Die kontrovers diskutierte Kunstinstallation "For Forest" öffnete gestern zum ersten Mal ihre Pforten. Sechs Jahre lang hatte der Initiator, der Schweizer Künstler Klaus Littmann, mit der Stadt verhandelt und trotz starken politischen Gegenwindes standgehalten und das Projekt umgesetzt.

Trotz des trüben Wetters ließen es sich einige tausend Besucher nicht nehmen, die 299 Bäume in ihrer endgültigen Formation zu bestaunen. Nach Betreten des Stadions bietet sich dem Besucher ein imposantes Bild. Die bis zu 15-Meter hohen Bäume vermitteln einem das Gefühl, sie wären noch nie wo anders gestanden.

Die Installation stellt einen Mischwald dar, den es wegen weit verbreiteten Monokulturen in der Natur nicht mehr oft gibt. Verwirklicht hat das Projekt der Schweizer Landschaftsarchitekt Enzo Enea.

Untermalt von klassischer Musik konnten die Besucher trotz des leicht einsetzenden Regens ihren Rundgang durch das überdachte Stadion ungestört fortsetzen. Der führte sie sowohl an den Rand des Spielfeldes als auch in die letzte Reihe des Oberranges. Wo man von oben die Fußballer oftmals nur schwer erkennt, behalten die Bäume trotz der Distanz einen Teil ihrer Imposanz.

Das Mahnmal

Auch in den Eröffnungsreden wurde die Bedeutung des Projektes im Sinne des Klimawandels hervorgehoben. In Zeiten der Vernichtung des Regenwalds und der immer spürbareren Folgen des Klimawandels sei dieses Kunstprojekt als Mahnmal zu verstehen, hieß es unisono.

Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) wagte einen Blick in die Zukunft: „Ich möchte, dass die Menschen in 50 Jahren behaupten können, ihnen gehe es so gut wie nie zuvor.“ Dann habe das Projekt „For Forest“ sein Ziel erreicht.

Initiator Littmann wiederholte seine Botschaft, das Projekt sei für ihn erfolgreich, wenn das Bild in den Köpfen der Menschen hängen bleibt.

Er sei ein Ermöglicher, der das Bild der „Quelle“ des Tiroler Künstlers Max Peintner mit der Unterstützung des „Umsetzers“ Enzo Enea in die Realität geholt hat. Littmann sprach von einem ihm unheimlichen Zeitpunkt: „Angesichts des immer spürbareren Klimawandels und der Brandrodungen im Amazonasgebiet punktgenau.“

Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz sprach von einer „Chance für Klagenfurt“, Bundespräsident Alexander van der Bellen wies in seiner Grußbotschaft darauf hin, welch große Wirkung Kunst erzielen könne.

Kritiker im Stadion

Auch eine kleine Gruppe von bekannten Kritikern des Projekts ließ es sich nicht nehmen, das Kunstprojekt aus nächster Nähe zu betrachten. Eigentlich widersprüchlich, wenn man bedenkt, dass derselbe Personenkreis, unter ihnen Ex-Landtagsabgeordneter Martin Rutter, zum Boykott und zur Sabotage des Projektes aufgerufen hatte.