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Chronik Österreich
05/07/2020

Das große Rennen um jeden Urlauber

Die Bundesländer wollen die Saison retten und überbieten sich gegenseitig darin, Gäste anzulocken.

von Elisabeth Holzer, Christian Willim, Matthias Nagl, Nikolaus Tuschar

Andreas Winkelhofer, Geschäftsführer von Oberösterreich Tourismus, gesteht zu: „Wir sprechen ganz klar die Einheimischen an. Aber auch andere Bundesländer, die wir bisher noch nicht so im Fokus hatten.“

Am Mittwoch stellte Oberösterreich vor, wie die Werbelinie für den Sommertourismus in Corona-Zeiten aussieht, Salzburg war bereits am Dienstag dran. Dabei ist deutlich: Es wird ein Rennen um jeden Urlauber, um die vermutlich ausfallenden Gäste aus dem Ausland so gut wie möglich zu kompensieren.

Spannend wird das vor allem für Tirol, Stichwort: Ischgl und Coronavirus. „Ich glaube nicht, dass sich die Urlauber davon beeinflussen lassen, und der Ruf von Tirol als Ganzes darunter gelitten hat“, sagt Florian Neuner von der Tirol Werbung.

Die Hälfte aus Deutschland

Die Touristiker im Land hoffen, dass die Reisebeschränkungen für den Kernmarkt noch im Lauf der Saison gelockert werden. Denn es gilt, 6,2 Millionen Ankünfte aus dem Vorjahressommertourismus zu verteidigen -  rund die Hälfte der Sommerurlauber kommt aus Deutschland, doch nur 884.000 aus Österreich.

Das Kundenpotenzial am einheimischen Markt ist heuer zwar größer, da die Österreicher voraussichtlich zum Urlaub in der Heimat gezwungen sind: Der Anteil der Gäste aus dem Ausland lässt sich aber nicht ausgleichen.

Auch, weil alle Bundesländer um den einheimischen Gast rangeln. „Alle bemühen sich natürlich, ein größtmögliches Stück von diesem Kuchen abzuschneiden. Die Aktivitäten am österreichischen Markt sind sehr ausgeprägt“, beschreibt Neuner. Die Tirol Werbung geht mit dem Motto „Es geht Bergauf“ ins Rennen: Der Slogan soll einerseits Zuversicht ausstrahlen, andererseits auf die Kernkompetenz als Sportland für die Bewegung in der freien Natur – etwa beim Wandern verweisen.

Obwohl ein industriegeprägtes Land, ist Tourismus auch in Oberösterreich ein extrem wichtiger Wirtschaftszweig. 29.000 Betriebe sind dort tätig. Laut Landesrat Markus Achleitner (ÖVP) kommen 6,5 Milliarden Euro der Bruttowertschöpfung aus dem Tourismus. 5,3 Millionen Übernachtungen wurden in der Sommersaison 2019 gezählt – das machte zwei Drittel des Gesamtjahresergebnisses aus.

Entsprechend intensiv beginnt Oberösterreich, Touristen Gusto zu machen. „Komm raus“, lockt die neueste Kampagne, denn: „Drinnen ist nicht draußen“. Das Land investiert dafür zwei Millionen Euro.

Schon bisher kam die Hälfte der Oberösterreich-Urlauber aus dem Inland. Diese Stammgäste gelte es zu halten und neue zu werben, hieß es am Mittwoch. Entsprechend aufgebaut ist die Werbelinie. Schon ab Samstag geht es mit der Kampagne „Zruck in die Gastro“ los, Naturerlebnisse und Sommerfrische sind Schwerpunkte der Urlaubswerbung.

Drinnen To-do-Liste, draußen Abenteuer

Das Angebot reicht von Kraftplätzen im Donauraum, Radfahren oder Mountainbiken im Salzkammergut bis zu Bergerlebnissen etwa in der Dachstein-Region. „Drinnen ist To-do-Liste, draußen ist Abenteuer“, fasst Winkelhofer zusammen.

Salzburg will den anderen Bundesländern zumindest deren Stammgäste nicht wegnehmen. Das Zusatzbudget in der Höhe von zwei Millionen Euro für die Sommerkampagne soll sich vor allem an jene zwei Drittel der Österreicher richten, die ihren Haupturlaub normalerweise im Ausland verbringen.

Salzburger Nockerl "testen, testen, testen"

Leo Bauernberger, Chef von Salzburger Land Tourismus, bringt im Rennen mit den anderen Bundesländern folgende Argumente vor: „Das Salzburger Land hat genau das, was die Gäste aus Österreich wollen: Natur, ein tolles Erlebnisangebot sowie Kultur und nicht zuletzt Gastfreundschaft. Dazu kommt, dass wir ein besonders sicheres Urlaubsland sind.“ Die Kampagne geht mit einem Augenzwinkern auf Zitate aus der Coronakrise ein. Zu einem Foto von Salzburger Nockerl heißt es „so geht testen, testen, testen“. Unter anderem verspricht Salzburg auch „Impfstoff für die Seele“.

Kärnten ist gefragt

Für Kärnten betonte Tourismuslandesrat Sebastian Schuschnig (ÖVP), dass die Buchungslage für den Sommer stabil sei. „Es zeigt sich aber, dass die Unsicherheit auch auf dieser Ebene da ist. Vor allem geht es um den Umgang von Buchungen aus anderen Ländern, wie insbesondere Deutschland.“ Die Kärnten Werbung verzeichne täglich 500 bis 600 Urlaubsanfragen, auch die Beherbergungsbetriebe berichteten von „einem Zuspruch der Gäste aus Österreich. Dies gibt unserer Tourismusbranche wieder Hoffnung“, zeigt sich Schuschnig zuversichtlich.

Ein deutliches Zeichen in Richtung Normalität zeigt auch die Wörthersee-Schifffahrt: Ab morgen, Freitag, legen die Schiffe wieder ab. Für die Gäste gilt wie in anderen Öffis Masken- und Abstandspflicht.