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Wissen Gesundheit
02/18/2021

Zehn Gründe für berechtigte Hoffnung in der Coronakrise

Trotz aller Unsicherheiten über die Entwicklung in den kommenden Wochen gibt es Gründe für Optimismus. Das ist aber keine Entwarnung.

von Theresa Bittermann, Ernst Mauritz, Ingrid Teufl

Corona, Corona, Corona: Nach einem Jahr Pandemie sehnt man sich nach einem Silberstreif am Horizont. Trotz aller Unsicherheiten gibt es positive Entwicklungen: Etwa mehr Tests, bessere Therapien oder angekündigte Impfstofflieferungen.

Obwohl auch der Epidemiologe Gerald Gartlehner Anlass zur Hoffnung sieht, geht er nach wie vor von einem Lockdown im März aus: "Was mir ein bisschen Hoffnung bereitet, ist, dass sich so viele Personen plötzlich testen lassen. Das könnte uns schon helfen, das Wachstum etwas zu verlangsamen. Aber in Wirklichkeit ist es nur Spekulation – niemand kann mit Sicherheit einschätzen, wie es im März aussehen wird. Wir haben wenig Spielraum nach oben." Auch der Virologe Christoph Steininger betont: "Durch Massentests tut sich sehr viel, auch Impfungen zeigen erste positive Effekte. Aber das ändert nichts daran, dass das Virus noch einige Zeit eine Herausforderung bleibt."

1) Weltweit weniger Neuinfizierte

In Österreich sind die Zahlen zuletzt zwar wieder etwas gestiegen, aber weltweit geht die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen seit fünf Wochen zurück, gab WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus bekannt. Fünf Millionen Neuinfektionen weltweit waren es in der Woche ab 4. Jänner, 2,7 Millionen in der Vorwoche. Allerdings haben sich die zuerst in England bzw. Südafrika nachgewiesenen neuen infektiöseren Varianten weiter verbreitet.

Die WHO führt den Rückgang auf vermehrtes Einhalten der Hygienemaßnahmen, wie das Tragen der Masken, zurück. Einige Experten gehen auch von einer Herdenimmunität in manchen Regionen aus. Allerdings ergab Ende Jänner eine Studie von Demografen der Österr. Akademie der Wissenschaften, dass selbst in Corona-Hotspots wie den

US-Bundesstaaten New York und New Jersey vermutlich erst weniger als 20 Prozent der Bevölkerung infiziert waren. Virologin Monika Redlberger-Fritz, MedUni Wien, sieht "einen ganz normalen Verlauf". Jede Infektionswelle steige an und falle dann ab. "Das war während der ersten Welle so, jetzt sind wir weltweit in der zweiten Welle."

2) Mehr Impfstoffe

Auch wenn derzeit das Warten auf einen Impftermin zermürbt: Ab April sollte sich die Lage zumindest etwas entspannen. Österreich hat bisher 30,5 Millionen Dosen Impfstoff bestellt. Mittwoch wurde bekannt, dass die EU bis zu 300 Millionen weitere Impfstoffdosen von Moderna beziehen will und weitere 200 Millionen Dosen von Biontech/Pfizer. Dienstag stellte Johnson & Johnson seinen Zulassungsantrag in der EU. Zwei weitere Impfstoffe (von Novavax und Curevac) sind bereits im schnellen Prüfverfahren der Europäischen Arzneimittelagentur EMA. Impfstoffexperte Herwig Kollaritsch geht davon aus, "dass wir im zweiten Quartal wahrscheinlich mit Impfstoffen geflutet werden".

3) Fortschritte in der Therapie

Covid-19-Patienten können heute wesentlich besser als vor einem Jahr behandelt werden: So ist bei zwei Medikamenten nachgewiesen, dass sie die Sterblichkeit an Covid-19 senken können (Dexamethason und Tocilizumab).

4) Das Testen wirkt

Auch wenn mit Antigentests nicht alle Infizierten entdeckt werden: Wird ein Viertel der Bevölkerung zumindest einmal pro Woche getestet, könne die Ansteckungsrate um 40 Prozent sinken, ergab eine Schweizer Studie. Ließe sich die Hälfte der Bevölkerung testen, könnte die Ansteckungsrate sogar halbiert werden. Heimische Experten sehen das zwar als etwas zu optimistisch – massives Testen ist aber eine der Voraussetzungen, aus der Pandemie herauszukommen.

5) Mehr Freiheiten dank Tests

Veranstaltungsbesuche nur mit Tests: "Das würde meiner Ansicht nach sehr viel Sinn machen, weil es die Bevölkerung stark motiviert, testen zu gehen und in Folge natürlich dem Kulturbereich und auch anderen Bereichen helfen würde", sagt der Epidemiologe Gerald Gartlehner.

6) Die Übersterblichkeit sinkt

Im November und Dezember gab es mehrere Tage mit teilweise deutlich mehr als 100 täglichen Todesfällen von Menschen mit einer SARS-CoV-2-Infektion. In der schlimmsten Dezemberwoche (49. Kalenderwoche) betrug die Übersterblichkeit 59 Prozent – der Höchststand in der Corona-Pandemie bisher. Seither ging die Übersterblichkeit deutlich zurück.

7) Intensivstationen entlastet

264 Covid-19-Patienten wurden Mittwoch in ganz Österreich auf Intensiv-, 1.089 auf Normalstationen betreut. Am 25. 11. 2020 waren es 709 auf Intensiv- und 3.867 auf Normalstationen. "Natürlich ist das eine deutliche Entspannung, aber noch kein Grund für eine Entwarnung", sagt dazu ein Intensivmediziner. "Vor allem ist es auch keine Dauerlösung, 260 Intensivbetten nur mit Covid-19-Patienten belegt zu haben."

8) Das Frühjahr wird unterstützen

Das Virus mag weder Wärme noch UV-Strahlen – insofern helfen wärmere Temperaturen gegen steigende Infektionszahlen. Virologin Monika Redlberger-Fritz warnt aber, diesen Effekt nicht zu überschätzen. "Es kommt weiterhin stark auf das Sozialverhalten der Menschen an. Dem Virus ist es egal, ob es kalt oder warm ist. Wenn bei engen Kontakten ausreichend respiratorische Sekrete ausgetauscht werden können, kommt es genauso zu Ansteckungsketten. Da nützt dann das beste Wetter nichts." Das sah man in der brasilianischen Region Manaus, wo die Infektionsraten zuletzt neuerlich enorm angestiegen sind.

9) Wenige Grippefälle zeigen, dass Maßnahmen wirken

Bis jetzt wurden in Österreich nur zwei Grippefälle nachgewiesen. Hygiene-Maßnahmen (Masken), Abstandsregeln und die Schulschließungen haben die jährliche Grippewelle erstmals seit Jahrzehnten ausfallen lassen. Kinder gelten als Hauptüberträger der Influenza-Viren. In den März hinein flaut bei der Influenza unter anderem aufgrund der steigenden Temperaturen das Infektionsgeschehen meist ohnehin ab.

10) Die Forschung kooperiert

In einem bisher nicht da gewesenen Ausmaß kam es in der Corona-Pandemie zu einer Kooperation zwischen Forschern von Kliniken, Universitäten und Firmen. Kleinere Firmen gingen Kooperationen mit Pharmakonzernen ein – die Zusammenarbeit von Biontech und Pfizer ist dafür ein Beispiel.

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