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Wissen Gesundheit
01/14/2021

Neuwirth: "Gleiche Maßnahmen können Virus-Variante nicht aufhalten"

In einer Abwasserprobe aus der Hauptkläranlage sind möglicherweise genetische Spuren der britischen Variante von SARS-CoV-2 in Wien gefunden worden.

von Theresa Bittermann, Ingrid Teufl, Kevin Kada, Ernst Mauritz

„Ich kann bestätigen, dass es eine Wiener Abwasserprobe gibt, in der ein PCR-Vortest einen Hinweis auf die britische Virusmutation ergeben hat.“ Das sagte Norbert Kreuzinger vom Institut für Wassergüte der TU Wien Donnerstagabend zum KURIER. Das Abwasser wird in einem Projekt von Hauptkläranlage, TU und AGES gescreent.

Mit  einem speziellen PCR-Test wurde eine der für diese Variante typischen Mutationen nachgewiesen. Jetzt wird eine genetische Analyse (Sequenzierung) durchgeführt, bei der die Probe auf alle 23 Mutationen der britischen Variante untersucht wird.  Ergebnisse werden Anfang kommender Woche erwartet. Ebenso wie bei den bisherigen Verdachtsproben in Jochberg und im Wiener Pflegeheim.

Der Grund, warum diese neue Probe für Aufsehen sorgt:   „Von allen SARS-CoV-2-Ausscheidungen müssen rund zwei bis fünf Prozent von der neuen Variante stammen, damit sie im Abwasser nachgewiesen werden kann“, sagt Kreuzinger. Das bestätigte auch Virusimmunologe Andreas Bergthaler vom CeMM-Forschungszentrum der Akademie der Wissenschaften, der mit seinem Team die Sequenzierungen durchführt.

Größeres Problem?

„Es scheint also, dass wir möglicherweise doch bereits ein größeres Problem mit der britischen Variante haben“, sagt dazu ein Experte. Insgesamt gibt es in  Österreich bereits rund 80 Verdachtsfälle.  Andere Länder zeigen, dass sie sich rasch ausbreiten kann.

Der Anteil dieser Variante an allen positiven Proben  stieg in Irland innerhalb von drei Wochen von 9 auf 25 und zuletzt auf 45 Prozent, schrieb der Epidemiologe Eric Feigl-Ding auf Twitter. Niedriger ist derzeit noch der wöchentliche Anstieg in Dänemark  seit Dezember: 0,4, 0,8, 2,0, 2,4, 3,6    Prozent –  und zuletzt etwas über fünf:

Zu wenige Daten

Die neue Variante ist rund um die Hälfte infektiöser als die bisher zirkulierenden SARS-CoV-2-Viren. „Erste Daten deuten darauf hin, dass sie zu einer größeren Anzahl an Viren führt“, erklärt Bergthaler. Das könnte eine mögliche Erklärung für die erhöhte Infektiosität  liefern. Welchen Anteil jetzt die neue Variante an den anhaltend hohen Zahlen hat, ist noch offen:  „Um dazu gesicherte Angaben zu machen, haben wir noch zu wenige Daten.“

Neuwirth: "Gleiche Maßnahmen können Virus-Variante nicht aufhalten"

Geht es nach Statistiker Erich Neuwirth, so hat sich die britische Variante in Österreich noch kaum gezeigt: „Wir haben ein paar bestätigte Fälle und viele Verdachtsfälle, die es zu klären gilt. Aktuell wandert die Variante im Kleinen vor sich hin. Und wir müssen darauf schauen, dass das auch so bleibt“ , erklärt Neuwirth

„Mit den aktuellen Maßnahmen schaffen wir es bei den bisherigen  Mutationen den Reproduktionswert unter 1 zu bekommen  (ein Infizierter steckt eine weitere Person an). Mit den gleichen Maßnahmen können wir die britische Variante aber nicht aufhalten. Denn durch die gesteigerte Infektiosität kommen wir maximal auf einen R-Wert von 1,2.

Wenn man das Virus insgesamt und die neue Variante im Besonderen eindämmen will, dann braucht es verpflichtende FFP2-Masken für alle.  Das ist die einfachste Möglichkeit, um die Infektionen einzudämmen, ohne weitere Lockdown-Maßnahmen zu verhängen.“

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