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Wissen Gesundheit
11/09/2021

Infektiologe Greil: "Situation ist viel schwieriger als vor einem Jahr"

Der Vorstand der Uniklinik Salzburg forderte in der "ZiB2" massive Kontaktreduktionen: "Wir brauchen Atempause für Spitäler."

In den Spitälern spitzt sich die Corona-Situation weiter zu, wie Ärzte und Pfleger aus Salzburg am Dienstagabend in der "ZiB2" schilderten. 90 Prozent aller Betten am Uniklinikum seien derzeit belegt. "Wir müssen in gewisser Weise auch triagieren (dringendere Fälle bevorzugen, Anm.), man kann nicht mehr für alle alles bieten", sagte ein Intensivmediziner. Über 80 Prozent der Intensivpatienten seien ungeimpft.

Laut "ZiB2" sei die am Dienstag gemeldete Zahl der Neuinfektionen aufgrund einer Datenpanne aus Salzburg zu niedrig gewesen. Die Lage sei also schlimmer als zunächst gemeldet. Salzburg liegt bei den Inzidenzen nur noch knapp hinter Oberösterreich, wo die Zahlen seit Längerem österreichweit am höchsten sind. 

Die derzeitigen Maßnahmen würden bei Weitem nicht ausreichen, um die vierte Welle zu brechen, warnte Richard Greil, Vorstand der Uniklinik Salzburg, anschließend im Interview mit Armin Wolf. "Die Situation ist viel schwieriger als vor einem Jahr", betonte der Infektiologe.

Das liege hauptsächlich daran, dass aufgrund des Personalmangels mehr als zehn Prozent der knapp 2.000 zur Verfügung stehenden Betten gesperrt seien. Weitere 100 seien durch Schwerkranke belegt, die man nicht nach Hause transportieren könne. "Auf diesen Mangel pfropft sich nun auch noch die Corona-Situation. Wir sind jetzt in Phase 11 von 12 vorgesehenen Stufen."

Junge Ungeimpfte

Die Inzidenz in Salzburg liegt derzeit knapp bei 1.000, jeden Tag würde man alleine im Uniklinikum zwischen zehn und 15 neue Covid-Patienten aufnehmen, berichtete Greil. Während die Normalstation vor allem mit "Impfdurchbrüchen bei älteren und vulnerablen Personen" belegt sei, würden auf der Intensivstation aktuell "in hohem Ausmaß" junge, ungeimpfte Patienten betreut werden.

Die Zahl der Intensivbetten sei die falsche Zielgröße, die noch aus den ersten Monaten der Pandemie rühre. Die Problematik beginne schon lange, bevor die Intensivstationen überfüllt sind, da schon die Normalversorgung von Schwerstkranken nicht mehr im gewohnten Ausmaß gewährleistet werden könne.

Begriff "Lockdown" gefällt nicht

"Die gesetzten Maßnahmen sind absolut richtig, es dauert nur viel zu lange, bis sie wirksam werden", so Greil. Nur eine hohe Durchimpfungsrate könne die Welle brechen, es brauche aber vier bis sechs Wochen, bis der Impfschutz gegeben sei. "Wir brauchen eine Atempause für Spitäler, und die kann nur durch Kontaktreduktion entstehen."

Diese sollte laut Greil für alle gelten: "Es ist uneffektiv, zwischen Ungeimpften und Geimpften zu unterscheiden, weil auch bei Geimpften der Schutz nachlässt und sie das Virus weitergeben können. Wenn wir einen schnellen Effekt haben wollen, müssen wir alle Kontaktketten unterbrechen - so unangenehm die Tatsache ist, dass damit auch die Geimpften betroffen wären."

Das Wort "Lockdown" wollte der Mediziner aber nicht in den Mund nehmen. "Mir gefällt das Wort nicht, weil sich Politik und Medien in der Bedeutung dieses Begriffs verrannt haben."

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