Ausbreitung der Delta-Variante: In Großbritannien ist die Sorge vor einer vierten Erkrankungswelle groß.

© EPA/ANDY RAIN

Wissen Gesundheit
06/15/2021

Die Delta-Variante: Symptome, Schutz und Sommerurlaub

Bisher 71 Fälle in Österreich. Wer erkrankt, fühlt sich oft wie bei einer schweren Erkältung. Und was es sonst noch alles über die neue Virus-Variante zu wissen gilt.

von Ernst Mauritz, Ingrid Teufl

Es ist eine langsame steigende Zahl an Einzelfällen: 71 Corona-Infektionen mit der Delta-Variante, die zuerst in Indien nachgewiesen wurde, sind laut AGES bisher in Österreich aufgetreten: 32 in Wien, 19 in Salzburg, sieben in Tirol, sechs in Niederösterreich, fünf in der Steiermark und je einer in Kärnten und Oberösterreich. Nach wie vor dominiert aber bei uns die Alpha-Variante (B.1.1.7.). Anders in England: Mehr als 90 Prozent aller SARS-CoV-2-Infektionen erfolgen dort bereits mit Delta. „Der Anstieg der Infektionszahlen in England dürfte kein kurzfristiger Ausreißer sein“, sagt Infektiologe Heinz Burgmann, MedUni Wien: Die Delta-Variante ist infektiöser und ersetzt Alpha.

Wie sind Berichte einzuschätzen, dass Symptome bei einer Infektion mit Delta einer schweren Erkältung ähnlich sind?

Eine rinnende Nase, Hals- und Kopfschmerzen sind – zumindest laut einer britischen App, bei der Infizierte Symptome eingeben können – die häufigsten Erstsymptome bei einer Infektion mit der Delta-Variante. Das Gesamtbild entspreche laut britischen Experten eher einer schweren Erkältung. In England wird jetzt befürchtet, dass Infizierte ihre Symptome fehlinterpretieren und deshalb nicht zu Hause bleiben.

„Ich sehe jetzt noch keinen sehr großen Unterschied, Erkältungssymptome waren immer in der Bandbreite möglicher Symptome dabei, aber hier brauchen wir noch mehr Daten“, sagt die Virologin Monika Redlberger-Fritz, MedUni Wien. Und auch wenn es deutlicher Richtung Erkältungssymptome (dafür seltener der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn) gehen sollte: „Bei jeglichem Symptom einer Atemwegserkrankung – und wenn es nur eine rinnende Nase ist –, sollte man sich immer auf Covid-19 testen lassen. Das galt aber auch schon vor der Delta-Variante.“ Auch Burgmann warnt, dass Schnupfensymptome die Betroffenen in falscher Sicherheit wiegen könnten.

Wie passen Schnupfensymptome mit Berichten von schwererer Krankheitsverläufen zusammen?

Laut einem Bericht der Gesundheitsbehörde Public Health England ist das Risiko für einen Spitalsaufenthalt bei einer Infektion mit Delta um 85 % höher als bei der in Österreich noch dominierenden Alpha-Variante (B.1.1.7.) – viele Experten sind mit einer endgültigen Beurteilung aber noch zurückhaltend. „Die meisten Menschen haben nur leichte Symptome, bei einigen werden diese im Laufe der Infektion schwerer. Und manche haben auch schon relativ früh sehr schwere Symptome, so wie bei anderen Varianten. Das ist kein Widerspruch“, sagt Redlberger-Fritz.

Was weiß man über den Impfschutz?

„Der Schutz durch eine vollständige Immunisierung ist hoch, wenn auch nicht 100-prozentig“, sagt Redlberger-Fritz. Zwei Dosen Astra Zeneca verhindern 60 Prozent der Delta-Infektionen (Alpha: 73%), bei Biontech/Pfizer sind es 79 % (Alpha: 92%). Nach der Erstimpfung beträgt der Schutz aber nur 33 Prozent. Beide Impfstoffe verhindern mehr als 90 Prozent der Spitalsaufenthalte.

Breitet sich eine infektiösere Variante nicht unweigerlich aus?

„Infektiösere Varianten haben einen Fitnessvorteil“, sagt Redlberger-Fritz. „Sie können sich schneller ausbreiten. Und damit verdrängen sie die alten Varianten und werden früher oder später dominant.“ Ähnlich Burgmann: „Das kann schon sein, dass sie sich durchsetzt, wenn sie leichter übertragen wird.“

Kann man so eine Entwicklung trotzdem managen?

„Wir haben jetzt so gute Karten wie nie zuvor in der Pandemie“, sagt Redlberger-Fritz. „Die Impfkampagne geht voran, wir haben ein sehr gutes Testsystem, wo man auch rasch ein PCR-Ergebnis bekommt, und wenn beides fortgesetzt und forciert wird, haben wir sehr gute Chancen, einen starken Anstieg zu verhindern. Wenn wir aber sagen, die Pandemie ist vorbei, ich muss mich weder testen noch impfen lassen noch aufpassen, dann haben wir verloren.“

Burgmann: „Wir befinden uns in einer sehr vulnerablen Phase. Es ist eine Frage der Zeit: Je mehr Reisebewegungen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Ausbreitung befeuert wird. Darum ist es so wichtig, möglichst viele Menschen durchzuimpfen. Damit nimmt man dem Virus die Möglichkeit zu zirkulieren.“

Was heißt das für den Herbst?

„Für Einschätzungen der Infektionszahlen und des Anteils einzelner Varianten im Herbst ist es zu früh“, sagt Redlberger-Fritz. „Aber wenn die Inzidenzen und Krankenhausaufnahmen wieder steigen, werden wir mehr Maßnahmen benötigen.“ – Burgmann: „Das Testen wird wichtig bleiben, ein Zurückfahren ist im Moment nicht angesagt. Denn Testen und Sequenzieren (Bestimmung der Abfolge der genetischen Bausteine) geben Aufschluss über die Ausbreitung von Varianten.“

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare