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Wissen Gesundheit
10/13/2020

Corona-Impfstoff: Wer ihn in Österreich als Erster bekommen soll

Gesundheitsministerium arbeitet an Impfstrategie. "Covid-Impfung wird Bürger nichts kosten", sagt Experte. Behörde: Zulassung in Europa nur, wenn Nutzen größer ist als mögliche Risiken.

von Ernst Mauritz, Christa Schimper

Mit sieben Impfstoffherstellern verhandelt die EU-Kommission im Auftrag der 27 Mitgliedsstaaten derzeit Vorkaufverträge für Corona-Impfstoffe – drei (mit AstraZeneca, Sanofi-GSK und Johnson & Johnson) sind abgeschlossen. „Es wird ein staatliches, öffentliches Programm werden und zunächst einmal auch keinen privaten Markt für diese Covid-Impfungen geben. Die Impfung wird den Bürger nichts kosten“, sagt Dienstag der Sonderbeauftragte des Gesundheitsministeriums, Clemens Martin Auer, bei einem Workshop des Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH). Zumindest 2021 und 2022 werden die Kosten für die erste große Durchimpfung der europäischen Bevölkerung von den Regierungen – „und den Steuerzahlern“ – übernommen. Durch das gemeinsame Auftreten der EU-Staaten sei es gelungen, das Preisgefüge – „auch für den Rest der Welt“ – nach unten zu drücken. „Das ist eine europäische Erfolgsgeschichte.“

Auer geht nach wie vor davon aus, dass es zum Jahreswechsel bzw. „im frühen Jahr 2021“ die ersten großen Lieferungen geben wird. Sollten alle Impfstoffe, mit deren Herstellern die EU verhandelt, eine Zulassung bekommen, würden für 450 Millionen EU-Bürger 1,5 Milliarden Impfstoffdosen zur Verfügung stehen – zwei Prozent davon erhält Österreich. „Alles, was in der EU nicht gebraucht wird, wird anderen Ländern zur Verfügung gestellt werden, die sich die Impfstoffe nicht leisten können.“

Insgesamt wende die EU und die Mitgliedsstaaten rund 2,7 Milliarden Euro auf, um die Impfstoffproduktion zu sichern: "Diese Mittel machen es den Unternehmen möglich, frühestmöglich produzieren zu können." Durch das gemeinsame Auftreten der EU-Länder werde auch das Risiko geteilt: "Wir wissen ja nicht, welcher Impfstoff es tatsächlich bis zu einer  Marktzulassung schafft."

Jedenfalls seien mit diesen sieben Herstellern die drei wesentlichen Grundtypen an Impfstoffen umfasst.

Wer zuerst geimpft wird

Zwar sei die Impfstrategie – wer wann geimpft wird – noch nicht ganz fertig, erklärte Auer: „Weil wir ja noch nicht wissen, welcher Impfstoff zur Verfügung stehen wird und in welchen Bevölkerungsgruppen er eingesetzt werden kann. Aber wir wollen dort beginnen zu impfen, wo das größte Risiko besteht, an Covid-19 zu erkranken und zu sterben, und das ist die ältere Bevölkerung.“ Darüber hinaus solle dort geimpft werden, „wo durch systemischen Kontakt auch Risiken entstehen, dass diese Systeme zusammenbrechen können – das ist in erster Linie das Gesundheitssystem, aber auch alle Bereiche der kritischen Infrastruktur, Lehrer und Polizisten etwa.Aber an erster Stelle sollen jene geimpft werden, deren Sterberisiko am größten ist.“

Eine Zulassung in der EU werde es nur „bei einem positiven Nutzen-Risiko-Verhältnis geben“, betonte Christa Wirthumer-Hoche, Leiterin der AGES-Medizinaufsicht. Trotz beschleunigter Verfahren gebe es keine Abstriche bei der Sicherheit. Mögliche seltene und sehr seltene Nebenwirkungen werde man wahrscheinlich erst bei der engmaschigen Überwachung der Impfstoffe nach der Zulassung sehen: „In den derzeit laufenden Zulassungsstudien (mit Zehntausenden Probanden, Anm.) werden aber bereits sehr große Studienpopulationen geimpft. Und die Firmen werden  verpflichtet, auch nach der Zulassung weitere Daten zu erheben und der Behörde vorzulegen.“

„Die Impfstoffe werden nur dann erfolgreich sein, wenn wir eine hohe Durchimpfungsrate von 70 Prozent oder mehr erreichen“, sagte ÖVIH-Präsidentin Renée Gallo-Daniel.

Auch Firmen in Österreich vorne dabei

Impfstoffkandidaten gegen das neue Coronavirus werden auch in Österreich entwickelt: Die Firma Themis Bioscience (seit kurzem ein Teil des US-Konzerns MSD) bereitet bereits eine Phase-3-Studie (letzte Phase vor der Zulassung) mit ihrem Vektorimpfstoff vor: Eine genetisch veränderte Variante des Oberflächenproteins des Virus wird in ein nicht krankmachendes Masernvirus eingebaut und injiziert, erklärt Themis-Bioscience-Geschäftsführer Erich Tauber.

Einen "konservativen Ansatz" verfolgt mit ihrem Impfstoffkandidaten die französische Firma Valneva, die eine Forschungsniederlassung in Österreich hat. "Er ist das Entwicklungszentrum", sagt Valneva-Austria-Geschäftsführer Thomas Lingelbach. Ein Totimpfstoff (inaktivierte Coronaviren) soll das Immunsystem aktivieren: "Auch wenn die Entwicklungszeit des Impfstoffes von früher zehn Jahren auf jetzt rund 18 Monate reduziert wird, werden wir nichts tun, was die Sicherheit kannibalisiert."

Und die Firma Polymun wiederum trägt entscheidend zur Produktion neuartiger RNA-Impfstoffe bei. Damit solche Impfstoffe in die Muskelzellen eingeschleust werden können, müssen sie in eine spezielle Hülle - sogenannte Lipid-Nanopartikel - eingepackt werden, erläutert Andreas Wagner von Polymun.

Impfungen allein werden anfangs nicht reichen

In jüngster Zeit mehrten sich aber auch Stimmen, dass man nicht auf Impfungen alleine hoffen könne. So heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Strategiepapier des deutschen Robert-Koch-Instituts, dass zumindest in der ersten Phase der begrenzten Verfügbarkeit „verantwortliches Verhalten“ und „gewisse Modifikationen des Miteinander-Seins“ bleiben werden, wie das Abstandhalten, das Beachten der Hygieneregeln, das Tragen von Masken, das Lüften und „die Verlegung von Freizeitaktivitäten möglichst nach draußen“.

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