Symbolbild, Arbeiter an einer Gaspipeline.

© Reuters LASZLO BALOGH

Wirtschaft
02/25/2022

Was Gasknappheit für die österreichische Wirtschaft bedeutet

Die Versorgung ist derzeit nicht gefährdet, aber dauerhaft hohe Gaspreise könnten bis zu 10.000 Jobs kosten.

von Martin Meyrath

Politiker werden nicht müde zu wiederholen, dass die Gasversorgung der Haushalte gesichert ist. Doch wie sieht es mit den Betrieben und der Energiegewinnung aus?

In Österreich entfallen nur knapp 18 Prozent des Gasverbrauchs direkt auf Haushalte, die damit etwa kochen und heizen. Etwa ein Drittel des österreichischen Gasverbrauchs fließt in die Produktion von Strom und Fernwärme – für die Wirtschaft, den öffentlichen Sektor und private Haushalte.

Die Gasverstromung ist dabei vor allem im Winterhalbjahr wichtig, denn im Frühling steigen die Erträge der Erneuerbaren, insbesondere der Wasserkraft, wieder. Das selbe gilt für die Fernwärme. Zwar wird Warmwasser auch im Sommer gebraucht, der Heizbedarf fällt aber großteils weg.

Mit mehr als 40 Prozent entfällt der Löwenanteil auf die produzierende Industrie. Hauptsächlich kommt Gas natürlich auch hier als Energieträger zum Einsatz – die hohen Verbrennungstemperaturen sind etwa für die Stahlproduktion wichtig. Andererseits ist Gas, etwa in der chemischen Industrie, auch ein Rohstoff.

Sollte das Gas in Österreich knapp werden, muss zunächst die Industrie ihren Verbrauch drosseln, private Haushalte werden als letzte abgeschalten. Das ist im Ernergielenkungsgesetz geregelt, außerdem braucht die Industrie einen höheren Gasdruck als die Haushalte. Bisher gibt es jedenfalls keine Unterbrechung der Lieferungen und Russland bestätigt fast täglich seine Zuverlässigkeit als Lieferant.

Selbst wenn die ukrainischen Pipelines ausfallen sollten, könnte Österreich auf anderen Wegen versorgt werden (siehe Grafik). Der Großteil des russischen Erdgases erreicht Europa ohnehin über die Ostseepipeline Nord Stream. Das bedeutet aber nicht, dass die Gaspreise nicht dauerhaft hoch bleiben.

Szenario wie Ölkrise in den 1970er Jahren

Nach den Berechnungen von Kurt Kratena vom Wiener Centre of Economic Scenario Analysis and Research (CESAR) würde sich ein Gaspreis-Schock ähnlich auf die Volkswirtschaft auswirken wie die Ölkrise in den 1970er Jahren. Wenn sich der Gaspreis in der Periode von 2022 bis 2030 gegenüber bisherigen Prognosen verdoppelt, würden die Verbraucherpreise von Gas in Österreich um 80 Prozent ansteigen. Strom würde um knapp 10 Prozent teurer.

In der gesamten Volkswirtschaft könnten durch die Verteuerung 6.900 bis 10.000 Arbeitsplätze wegfallen, schätzt Kratena. - Netto, denn in anderen Bereichen wie etwa bei Energieeffizienz-Maßnahmen und erneuerbaren Energien würden auch neue Arbeitsplätze entstehen.

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