Die Gasspeicherstation Haidach.

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Wirtschaft
05/13/2022

Streit mit Gazprom: Wer füllt die Speicher?

Die Sanktionen gegen die Gazprom Germania wirken sich auch auf Österreich aus, die Regierung will gegensteuern.

von Martin Meyrath

Geht es nach der Bundesregierung, sollen die österreichischen Gasspeicher bis zum Winter zumindest zu 80 Prozent gefüllt werden. Der von der Gazprom-Tochter GSA verwaltete Anteil des Gasspeichers in Haidach ist derzeit aber leer. Es ist immerhin der zweitgrößte in Mitteleuropa.

Die Bundesregierung verlangt, dass auch Gazprom seinen Speicher auffüllt und droht damit, die Kapazitäten sonst anderen Energieunternehmen zur Verfügung zu stellen. "Wir haben einen der größten Speicher, der aber aus politischen Erpressungsgründen leer bleibt", meinte am Freitag Vizekanzler Werner Kogler (Grüne). "Das wird nicht gehen."

Technischer Betreiber des Speichers Haidach ist die RAG (ehemals Rohöl-Aufsuchungs Aktiengesellschaft, Anm.), die mehrheitlich im Besitz des niederösterreichischen Energieversorgers EVN ist. Für die Bewirtschaftung zuständig sind aber GSA und Astora, eine Tochterfirma der Gazprom Germania. Diese wurde von der deutschen Regierung unter Aufsicht der Bundesnetzagentur gestellt, nachdem Gazprom angekündigt hatte, ihre deutsche Tochterfirma aufzugeben. Denn das Unternehmen kontrolliert wichtige Teile der deutschen Gaswirtschaft. Astora steht also, im Gegensatz zu GSA, unter deutscher Aufsicht.

Sanktionen

Im Gegenzug hat Moskau Sanktionen gegen die Gazprom Germania und weitere ehemalige Tochtergesellschaften erlassen. Diese sollen keine Gaslieferungen mehr erhalten. Mit betroffen davon ist auch die Betreiberfirma des polnischen Abschnittes der Pipeline Jamal, weswegen seit gestern kein Gas mehr auf dieser Route fließt. Das ist für Deutschland und Europa vorläufig nicht schlimm, weil durch die Jamal schon zuletzt nicht viel Gas nach Deutschland gekommen ist. Am wichtigsten für die Versorgung ist die Ostseepipeline Nord Stream 1.

Trotzdem bahnt sich Ungemach an: Denn die Lieferverträge von Töchtern der Gazprom Germania werden teilweise nicht mehr erfüllt. Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sieht darin eine neue Stufe im Konflikt mit Russland erreicht. Bisher rechnet Deutschland wegen der Sanktionen gegen Gazprom Germania heuer mit Ausfällen von drei Prozent seines Jahresbedarfs. Das sei noch zu ersetzen, wenn auch voraussichtlich zu höheren Preisen.

Moskau macht also Druck, würgt das Gasgeschäft mit Deutschland bisher aber absichtlich nicht ab. Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, bezeichnet die Sanktionen deswegen als ein "chirurgisches Dekret".

Europäisches Problem

Österreich ist von dem Konflikt bisher nur beim Speicher Haidach betroffen. Denn die OMV hat noch bis 2040 einen Liefervertrag mit dem russischen Staatskonzern Gazprom. Das Gas erreicht Österreich durch die Ukraine und die Slowakei am Knotenpunkt Baumgarten. Dabei gilt eine „Take or pay“-Klausel, es muss also auch bezahlt werden, wenn das Gas nicht abgenommen wird (der KURIER berichtete).

Die Folgen könnten trotzdem gravierend sein. Denn Deutschland ist einer der wichtigsten Gasimporteure der EU, im Falle einer Knappheit wäre also mit Auswirkungen auf den gesamten europäischen Energiemarkt zu rechnen. Selbst wenn Österreich unabhängig von den Verwerfungen in Deutschland weiterhin ausreichend Gas beziehen kann, wäre also mit wirtschaftlichen Konsequenzen zu rechnen.

Der unterirdische Speicher Haidach ist ein ehemaliges Gasfeld, das nach der Ausförderung von der RAG zur Speicherung umgebaut wurde (siehe Grafik). Der Speicher steht zwar in Salzburg, ist aber vor allem für Süddeutschland wichtig. In Österreich sind die westlichen Bundesländer mitbetroffen, generell ist der Westen Österreichs aber weniger von Gas abhängig als der Osten.

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