TV Journalistin Dunja Hayali

© APA/AFP/POOL/CHRISTIAN CHARISIUS

Goldene Kamera
02/07/2016

TV-Journalistin räumt mit "Lügenpresse"-Vorwürfen auf

Dunja Hayalis emotionale Dankesrede bei der "Goldenen Kamera"-Gala sorgte für Aufsehen.

von Peter Temel

"Ich würde den Preis sofort zurückgeben, wenn ich die Situation in Deutschland damit ändern könnte", sagte ZDF-Journalistin Dunja Hayali bei der Verleihung der "Goldenen Kamera" und prangerte die gegenwärtige Aufrüstung in der Sprache an.

Die Moderatorin des "Morgenmagazin" sowie des "Donnerstalk" wurde am Samstagabend in Hamburg für ihre objektive Berichterstattung über die Flüchtlingskrise ausgezeichnet. Hayali fiel in den vergangenen Wochen mit Berichten zum Thema Hasskommentare auf, machte etwa "Hausbesuche" bei wütenden Facebook-Postern und diskutierte mit AfD-Sympathisanten.

"Keiner hört keinem mehr zu"

"Ich setze immer noch auf den Dialog, mich interessieren andere Meinungen, andere Argumente," sagte die deutsche Journalistin mit irakischen Wurzeln. "Aber was da gerade abgeht, ist wirklich mit Verrohung von Sprache überhaupt nicht mehr zu beschreiben. Bedrohung, Beschimpfung, Beleidigung, Vergewaltigungswünsche. Keiner hört keinem mehr zu, Worte werden einem im Mund verdreht, aus dem Zusammenhang gerissen und wenn man nicht die Meinung des Gegenüber vertritt, ist man ein Idiot, ein Lügner, eine Schlampe oder total ferngesteuert."

Diese zunehmende Aggressivität sei aber nicht bloß auf das Internet beschränkt. "Journalisten werden auf der Straße angegriffen, glaubt eigentlich jemand, dass das irgendetwas bringt, dieser ganzer Hass, beim Suchen nach Lösungen, bei dem Ringen um Kompromisse, bei der Art der Berichterstattung über Flüchtlinge?" Hayali erzählte von einer Begegnung nach dem Einkaufen, bei der sie mit "Lügenpresse, Lügenfresse" beschimpft worden sei.

"Wir sind noch lange keine Lügner"

Danach richtet sie ihre Worte direkt an die "Lügenpresse"-Krakeeler: "Legen Sie doch gern den Finger in die Wunde, streiten Sie mit uns, diskutieren Sie mit uns, weisen Sie uns auf Fehler hin, wir sind Journalisten. Wir sind kein Übermenschen, wir machen Fehler. Deswegen sind wir aber noch lange keine Lügner."

Unter dem Applaus der rund 1.000 Gäste fuhr Hayali fort. In einem Land, das Meinungsfreiheit als hohes Gut betrachtet, müsse jeder seine Sorgen und Ängste äußern können, "ohne gleich in die rechte Nazi-Ecke gestellt zu werden. Aber wenn Sie sich rassistisch äußern, dann sind Sie verdammt nochmal ein Rassist. Fertig. Und das müssen Sie auch ertragen können."

Abschließend appellierte die ergriffene 41-Jährige an die Zuschauer: "Seien Sie offen. Bleiben Sie fair. Differenzieren Sie. Wahrheit braucht einfach Zeit."

Pro & Contra zum Thema Hass-Kommentare:

Wer sonst noch die "Goldene Kamera" bekam

Sie hatten wie die Band The Beach Boys schon vorher von ihren Trophäen gewusst. Anders als Günther Jauch: Der RTL-Moderator gewann kurz vor Ende der dreistündigen, live im ZDF übertragenen Show den Publikumspreis als beliebtester Showmaster.

Schlagerstar Helene Fischer wusste zwar ebenfalls schon vorher, dass sie die Trophäe für den besten Music-Act mitnehmen würde, wurde dafür aber von den zugeschalteten deutschen Handball-Europameistern der Herren mit einem schräg-schönen Ständchen überrascht.

Auch TV-Journalistin und -Moderatorin Dunja Hayali (siehe oben) hatten die Veranstalter - die Funke Mediengruppe - bereits als Preisträgerin angekündigt.

Wie bei ihrer beeindruckenden Dankesrede riss es die mehr als 1.000 Zuschauer in den Hamburger Messehallen auch beim Auftritt von Edin Hasanovic von den Sitzen. Der 23-Jährige saß ahnungslos im Publikum, als Sängerin Namika ("Lieblingsmensch") ihn während ihres Auftritts mit dem Preis als Nachwuchsdarsteller überraschte. "Das ist megageil!", rief der überwältigte Schauspieler auf der Bühne. "Ich freue mich so sehr, weil ich so unfassbar brenne für diesen Beruf", sagte Hasanovic ("Schuld sind immer die Anderen").

Ebenfalls erst während Show von ihrem Sieg erfuhren Jörg Hartmann als bester Schauspieler ("Weissensee"/Das Erste), die Macher von "Ein großer Aufbruch" (ZDF) als bester Fernsehfilm und "Deutschland 83" (RTL) als beste Miniserie. Auch Maria Simon wusste noch nicht, dass sie direkt an ihrem 40. Geburtstag auch eine Trophäe als beste Schauspielerin für ihre Verkörperung einer Amokläuferin in "Silvia S. - Blinde Wut" (ZDF) bekommt.

"Die Queen" kam am Schluss

Erst kurz vor Ende der Show hatte Helen Mirren ("Die Queen") ihren Auftritt. Sie erhielt wie die Band The Beach Boys, die sich auch musikalisch bedankten, den Preis für ihr Lebenswerk. Eine solche Ehrung könnte den Eindruck erwecken, man sei weise, sagte die 70-Jährige. Sie habe noch während sie den Hamburger Michel besucht und beim Orgelspiel zugehört habe über ihre Dankesrede nachgedacht. Sie könne aber lediglich sagen, "dass nichts beim Alten bleibt" und sich die Dinge ständig änderten.

Als beste internationale Schauspieler ausgezeichnet wurden Julianne Moore ("Still Alice"), die nach der Laudatio von Jürgen Vogel einen Teil ihrer Rede auf Deutsch sprach, und Gerard Butler ("300", "P.S. Ich liebe Dich"), dem Freund und Kollege Til Schweiger den Preis überreichte. Im Publikum saßen Schauspieler wie Ulrich Tukur, Uschi Glas und Sibel Kekilli, Regisseure wie Dieter Wedel, Komiker wie Olli Dittrich, die Moderatorinnen Barbara Schöneberger und Michelle Hunziker, die mit Tochter Aurora gekommen war, die TV-Köche Tim Mälzer und Christian Rach sowie Schlagersänger Roberto Blanco.
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