Voll gefordert: Bundesliga-Boss Christian Ebenbauer

© APA/GEORG HOCHMUTH

Sport Fußball
12/31/2020

Der Liga-Boss und sein Jahr: "Was ist denn jetzt wieder los?"

Sieben Tage im aufregendsten Jahr von Christian Ebenbauer. Der Bundesliga-Vorstand blickt zurück und gewährt persönliche Einblicke.

von Alexander Huber

Als wäre die Corona-Krise nicht schon heftig genug gewesen. Aber nein, das Jahr 2020 hatte für Österreichs Profifußball im Allgemeinen und die Bundesliga im Besonderen noch ein paar zusätzliche deftige Überraschungen parat. Liga-Vorstand Christian Ebenbauer blickt noch einmal in seinen (vollen) Terminkalender und ganz persönlich auf die außergewöhnlichsten sieben Tage zurück. Von Corona mit unerlaubten Teamtrainings und einem Klub, der durch einen Bankenskandal implodiert, über (einmal) glückliche Rapid-Fans bis zu erfreulichen Europacup-Abenden. Der KURIER hat dabei Protokoll geführt.

Dienstag, 10. März: „Es war, wie eine Lawine, die losgetreten wurde. Erst einen Tag zuvor nach einem Termin mit dem Sportministerium war klar: Es wird ernst mit Corona! Die Entscheidung an diesem Tag, dass der Spielbetrieb ausgesetzt wird, war noch das Leichteste. Danach ist es im Minutentakt dahingegangen, und immer lautete die Frage: Was jetzt? Die vielen nötigen Gespräche zu strukturieren – mit der Politik, den Vereinen, den TV-Partnern, den Sponsoren, den Fans – erscheint mir auch noch im Rückblick als unglaublich. Am Freitag, den 13., war dann mit dem verkündeten Lockdown für ganz Österreich klar, dass uns die Krise lange begleiten wird.“

Dienstag, 12. Mai: „Oft wurde vom Licht gesprochen – an diesem Tag war es für die Bundesliga erstmals zu sehen. Beim Autofahren bin ich immer froh, wenn angeschrieben steht, wie viele Kilometer der Tunnel lang ist. Wir wussten das am Anfang der Coronakrise ja gar nicht. Deswegen war es besonders wichtig, schnell klar zu machen, dass Fußball gespielt werden muss, um überleben zu können – und wir diese Chance auch verdienen. An diesem Tag konnten wir mit den zuständigen Ministern verkünden, dass es zur Fortsetzung der Saison kommen wird. Dass es die Pressekonferenz mit diesem Inhalt geben wird, war erst am Abend zuvor endgültig gesichert.“

Donnerstag, 14. Mai: „An diesem Tag wurde ich erstmals von den Ereignissen komplett überrascht. Eigentlich wollten wir nach zwei Monaten harter Arbeit intern Termine für den Re-Start vereinbaren. Ich bin wie so oft im Lockdown alleine im Bundesliga-Büro gesessen, als um 10.15 Uhr ein Anruf kam mit der Ankündigung, dass ich Videos bekomme. Zu sehen sein wird verbotenes Mannschaftstraining vom LASK.

Damals war ja von der Regierung nur Kleingruppen-Training ohne Körperkontakt erlaubt. Die Bilder waren eindeutig. Ich habe gleich eine Krisensitzung einberufen und nach Sichtung der Videos im Sportministerium angerufen. Es war sehr wichtig, dieses sofort zu informieren. Danach hatte ich das Gefühl, dass der geplante Re-Start nicht mehr von der Regierung abgesagt werden wird. Dann haben wir intern geklärt, welches Gremium sich damit zu beschäftigen hat. Erstmalig haben mich nach der Reihe alle Klubs angerufen und informiert, dass sie gemeinsam eine Aussendung vorbereiten. Meine Bitte war: Lasst die Bundesliga davor noch die formalen Schritte vollziehen. Ich habe dann den LASK von der Vorstandsanzeige informiert und die Mitarbeit des Klubs bei der Klärung des Sachverhalts eingefordert.“

Mittwoch, 15. Juli: „Dieser Tag ging um halb drei in der Nacht los – da wurde mir der „Standard“-Artikel über die Schließung der Commerzialbank zugeschickt. Um das einzuordnen: Bank-Chef Martin Pucher war der damalige Bundesliga-Präsident, der mich in den Vorstand geholt hat. Wir haben immer gut zusammen gearbeitet. Und dann das.

Das erste Gefühl war: Was ist denn jetzt schon wieder los? Ich habe mich komplett überrollt gefühlt. Zum einen war mir klar, dass der Urlaub, der endlich angetreten werden sollte, soeben ins Wasser fällt. Aber viel schlimmer war, dass mir sofort beim Lesen klar war: Das ist das Ende für den SV Mattersburg. Genau so habe ich das auch meinen Mitarbeitern in der Früh mitgeteilt. Weil ich wusste, wie viel von Martin Pucher in und an diesem Verein hängt.“

Freitag, 11. September: „Das war ein bittersüßer Tag. Uns war klar, dass am Abend mit dem Saisonstart Rapid – Admira das erste und vorerst letzte Spiel mit 10.000 Zuschauern stattfinden wird. Die Wortmeldungen aus der Regierung und die Entwicklung der Fallzahlen haben keinen anderen Schluss zugelassen. Umso mehr hat mich gefreut, dass die Rückmeldungen – auch aus der Politik, wie etwa von Wiens Stadtrat Hacker – über die Organisation im Allianz Stadion so positiv ausgefallen sind.

Um das noch einmal in Erinnerung zu rufen: Es gab bei keinem der rund 100 Profispiele mit Publikum einen nachgewiesenen Cluster, nur vier einzelne positive Testungen von Stadionbesuchern. Uns wurde immer nur ein Problem mitgeteilt, das die Bundesliga nicht lösen kann: Was passiert vor und nach den Spielen mit den Fans?“

Donnerstag, 1. Oktober: „An diesem Abend war klar, dass wir als Bundesliga einen historischen Europacup- Erfolg feiern: Erstmals ein Starter in der Champions League und drei Vereine in der Europa League. Nachdem Salzburg Maccabi Tel Aviv geschlagen hat und in die Gruppenphase aufgestiegen ist, Rapid qualifiziert und der WAC ohnehin Fixstarter war, ist auch noch der LASK in Lissabon gegen Sporting mit einem tollen Spiel aufgestiegen. Das ist geil, das ist ein Wahnsinn!

Ich betone das so stark, weil ich mich noch erinnern kann, als wir alle gebannt von den Schweizer Erfolgen und dem Run des FC Basel waren. Aber es geht so schnell – vor allem nach unten, die Schweiz ist jetzt 17. in der Fünfjahreswertung der UEFA. Auf Platz 17 – und Österreich ist Zehnter! Noch ein Beispiel: Polen hat das siebtgrößte Budget in Europa für eine erste Liga und steckt auf Platz 30 fest – obwohl sie alles daran setzen, nach vorne zu kommen.“

Samstag, 31. Oktober: „Ich habe mitbekommen, dass es Gerüchte über einen neuerlichen Spiel-Stopp gibt. Das wäre ein enormes Problem gewesen. Der Hintergrund: Wenn die EURO im Juni 2021 stattfindet, gibt es keine freien Spieltermine mehr – wir müssen also spielen. Als an diesem Tag die Rückkehr der Geisterspiele verkündet wurde, war die Fortsetzung des Spielbetriebs das Wichtigste. Dass die Fans nicht mehr kommen dürfen, war also traurig, aber leider zu erwarten. Zumindest war nach meinen Gesprächen mit dem Sportministerium klar, dass es weiter geht.“

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