NR-Wahl: Der Wahlkampf von A bis Z

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Foto: Montage: Peter Draxler

Die Highlights des Wahlkampfs von wie A aus Austritt über R wie Rücktritt und Z wie Zäsur.

A wie Austritt: Dass die Grünen sich bei der Listenerstellung auf ihrem Bundeskongress für Julian Schmid und gegen Peter Pilz entschieden, wollte dem Grünen Urgestein so gar nicht schmecken. Pilz trat lieber mit einer eigenen Liste an - und matcht sich mit den Grünen seitdem kurz über der Vier-Prozent-Hürde um den Einzug in den Nationalrat. 

B wie Berater: Selten zuvor standen Berater so sehr im Blickpunkt eines Wahlkampfs. Der berühmteste unter ihnen: SPÖ-Berater Tal Silberstein. Er soll verschiedene verdeckte Aktionen gegen ÖVP-Chef Sebastian Kurz angeordnet haben. Im August trennte sich die SPÖ von Silberstein, weil er in Israel vorübergehend wegen des Verdachts der Korruption und Geldwäsche festgenommen worden war. 

C wie Chance: Chance auf einen Einzug ins Parlament haben neben SPÖ, ÖVP und FPÖ die Grünen, Neos sowie die Liste Pilz. Als chancenlos gelten FLÖ, GILT, KPÖ und Die Weißen.

D wie Dirty Campaigning: Es ist Teil jedes Wahlkampfs und auch Österreich hat damit schon einige Erfahrungen gemacht. 2017 waren es unter anderem manipulierte Facebookseiten gegen ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz, die für Aufregung sorgten - in Auftrag gegeben vom SPÖ-Berater Tal Silberstein.

E wie Erbschaftssteuer: Die SPÖ will die seit 2008 abgeschaffte Erbschaftssteuer - für Erbschaften und Schenkungen ab einer Million Euro - wieder einführen und damit die Abschaffung des Pflegeregresses sowie weitere Pflegemaßnahmen finanzieren. ÖVP, FPÖ und NEOS sprachen sich im Wahlkampf gegen die Steuer aus. Die Grünen sind wie die SPÖ dafür, allerdings schon ab einem Freibetrag von 500.000 Euro und nicht wie die SPÖ ab einer Million.

F wie Facebook: Das soziale Netzwerk war in diesem Wahlkampf einer der zentralen Schauplätze der Auseinandersetzung. Die Spitzenkandidaten lancierten dort Botschaften und Videos - SPÖ-Chef Christian Kern trat etwa als Pizzabote auf - und auch für Dirty Campaigning-Aktionen wurde Facebook genutzt.

G wie Griss: Irmgard Griss will es nach der Bundespräsidentenwahl 2016, bei der sie im ersten Wahlgang den respektablen 3. Platz erzielte, noch einmal wissen. Die frühere OGH-Präsidentin kandidiert für die NEOS und würde im Falle einer Regierungsbeteiligung gerne das Amt der Justizministerin übernehmen.

H wie Hubers: Die Hubers sind quasi die Familie Putz der Polit-Werbung. Für die FPÖ traten sie in einer Videoserie auf und durften dort laut blauem Drehbuch die Unfähigkeit der Regierung bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise verkörpern: Familie Huber wird in ihrem Haus von ungebetenen Gästen belagert und geht Pleite.

I wie Inhalte: Migration und Integration, Steuerpolitik, Sozial-und Arbeitsmarktpolitik, Europa, Bildung und Umwelt, waren lange die dominierenden Themen in diesem Wahlkampf. Die Parteien legten dazu umfangreiche Pläne und Programme vor. Daneben spielten Koalitionsfragen und Dirty Campaiging eine wesentliche Rolle.

J wie Justiz: Die wird sich auch nach dem 15. Oktober noch mit diesem Wahlkampf beschäftigen müssen. Vor allem die jüngste Schlammschlacht um diverse Dirty Campaigning-Aktionen mit gegenseitigen Klagen zwischen SPÖ und ÖVP dürften ein längeres juristisches Nachspiel haben.

K wie Kern und Kurz: Christian Kern (SPÖ) und Sebastian Kurz (ÖVP) waren die Hauptkontrahenten in diesem Wahlkampf. Gegen Ende der Kampagne versuchte auch noch Heinz-Christian Strache (FPÖ) in das Kanzlerduell einzugreifen. Für den Umgang mit Strache ließ Kern in der SPÖ einen Kriterienkatalog erstellen.

L wie Liste: Liste ist das neue "Partei". Gleich mehrere Parteien gaben sich in diesem Wahlkampf als Liste aus. Die ÖVP firmierte einmal als Bewegung, dann wieder als Liste Kurz, der abtrünnige Peter Pilz gründete seine eigene Liste Pilz und auch bei den Kleinstparteien setzte man lieber auf den Listen- als den Partei-Begriff.

M wie Migration: Es war das zentrale und bestimmende Thema dieses Wahlkampfs und dominierte auch die TV-Debatten. Vor allem ÖVP und FPÖ propagierten den Stopp der illegalen Zuwanderung nach Österreich.

N wie Nationalrat: Um den geht es bei dieser Wahl eigentlich. Gewählt wird nicht der Kanzler, gewählt wird nicht die Regierung. Die Parlamentsmehrheit ist aber Voraussetzung für die Koalitionsbildung. 183 Nationalratsmandate werden am Sonntag vergeben.

O wie OeVP: In der ÖVP ist seit der Übernahme des Vorsitzes durch Sebastian Kurz alles neu. Oder so. Alle müssen jetzt tun, was der Parteichef sagt. Durchgriffsrecht nennt sich das. Die Partei wurde zur Bewegung bzw. Liste Kurz umgebaut und bei der Parteifarbe ist nun Türkis das neue Schwarz.

P wie Plan A: Mit dem im Jänner in Wels groß präsentierten Reformkonzept von Bundeskanzler Christian Kern startete die SPÖ ihren Vorwahlkampf. Verteilungsgerechtigkeit, ein höherer Mindestlohn, Job-Investitionen oder Gratis-Tablets für Schüler lauteten einige der sozialdemokratischen Schlager im "Plan A".

Q wie Quote: Traumquoten verbuchten der ORF und der Privatsender Puls 4 mit den Fernsehkonfrontationen zur Nationalratswahl. Die Elefantenrunde im ORF verfolgte im Schnitt 1,21 Millionen Zusehern. Meistgesehenes TV-Duell war jenes zwischen SPÖ-Chef Christian Kern und ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz. 970.000 Zuschauer verfolgten die Konfrontation im ORF, 623.000 auf Puls 4.

R wie Rücktritt: Politiker-Rücktritte finden für gewöhnlich nach Wahlen statt. Im Nationalratswahlkampf 2017 gab es sie schon vor der Wahl en masse. ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner trat im Mai zurück und machte Platz für die parteiinterne Zukunftshoffnung Sebastian Kurz. Grünen-Chefin Eva Glawischnig tat es Mitterlehner nur ein paar Tage später gleich. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler nahm wegen der Dirty Campaigining-Affäre um Tal Silberstein zwei Wochen vor der Wahl seinen Hut.

S wie Spenden: Nach den Fundraising-Kampagnen der Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen und Irmgard Griss hat diesmal auch die ÖVP ihre Wahlkampfspenden im Internet veröffentlicht. Der Ex-Grüne Peter Pilz, der ohne Parteienförderung auskommen muss, zog nach. Auch NEOS und Grüne legen die Einnahmen laufend offen. Mit 2,1 Mio. Euro ist VP-Chef Kurz zwar "Spendenkaiser", die selbst gewählte Transparenz brachte ihm aber nicht nur Freude, wie die Debatten um seinen Großspender Stefan Pierer zeigten.

T wie TV-Duelle: Rund 50 TV-Auftritte absolvierten die Spitzenkandidaten in diesem Wahlkampf. Allein 20 direkte TV-Duelle gab es im ORF und auf Puls 4, dazu kamen drei Elefantenrunden beim öffentlich-rechtlichen und den privaten Sendern.

U wie Umfragen: Die Umfragen sahen bis zuletzt die ÖVP von Sebastian Kurz deutlich in Front. Weniger einig waren sich die Meinungsforscher darüber, ob die SPÖ oder die FPÖ auf dem zweiten Platz landet. Grüne, NEOS und Liste Pilz verorteten die Umfragen über der für den Einzug ins Parlament notwendigen 4-Prozent-Hürde. Für allgemeine Verunsicherung punkto Wählerstimmung sorgte zuletzt aber die Dirty Campaigning-Affäre.

V wie Vollholler: Der "Vollholler" hätte in diesem Wahlkampf eigentlich gar nie das Licht der Welt erblicken dürfen. Bundeskanzler und SPÖ-Chef Christian Kern wählte diese Formulierung - konkret "populistischer Vollholler" - bei einem Hintergrundgespräch und Off Records für die ÖVP-Forderung nach einer Schließung der Mittelmeerroute.

W wie Werksspionage: Die SPÖ warf der ÖVP in der Schlussphase des Wahlkampfs vor, geleakte interne SPÖ-Unterlagen gekauft zu haben. Laut SPÖ-Chef Kern wurde die gesamte Kampagne der SPÖ verraten und Infos an die ÖVP weitergereicht. In der ÖVP wies man dies vehement zurück. Tatsächlich landeten über ein Infoleck rund um den SPÖ-Berater Tal Silberstein immer wieder vertrauliche E-Mails und Dokumente bei Medien.

X wie X: 6,4 Millionen Österreicher sind am 15. Oktober aufgerufen, um ihr X bei einer Partei zu setzen. Kurz nach 17.00 Uhr gibt es erste Hochrechnungen. Das vorläufige Endergebnis dürfte wegen der Rekordzahl an Briefwahlstimmen und Wahlkarten erst am Abend des 19. Oktober feststehen.

Y wie Youngster: Österreichs nächster Bundeskanzler könnte mit ÖVP-Chef Sebastian Kurz ein "Youngster" werden. Mit 31 Jahren wäre Kurz der jüngste Regierungschef weltweit.

Z wie Zäsur: Österreich steht nach dem 15. Oktober vor einer politischen Zäsur. Politikexperten rechnen schon jetzt damit, dass die Große Koalition zwischen SPÖ und ÖVP für längere Zeit der Vergangenheit angehören wird. Schwarz-Blau oder Rot-Blau lauten die wahrscheinlichsten Koalitionsvarianten. 

(KURIER / kob) Erstellt am
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