Politik | Inland
06.10.2017

Parteien werben mit Dark Posts

Die Politik setzt in diesem Wahlkampf stärker denn je auf das Netz – und nicht selten auf intransparente Werbung.

Wer sich tätowieren lässt, kann mitunter böse Überraschungen erleben. Das wissen nun auch Hunderttausende FPÖ-Sympathisanten – diese nämlich sahen sich das neue Wahlkampfvideo der Blauen an, in dem sich ein Mann ein Tattoo von ÖVP-Chef Sebastian Kurz stechen lassen will. Zusätzlich zu Kurz bekommt der Mann Schüssel, Leitl, Pröll und Karas auf den Rücken tätowiert. Ein plötzlich auftauchender Heinz-Christian Strache klärt den unzufriedenen Kunden auf: Der Mann wollte ein Kurz-Abbild stechen lassen und trägt nun die ganze Alt-ÖVP am Rücken. Das jüngste FPÖ-Video, das einmal mit einer humorigen Story statt mit dem Holzhammer aufwarten will, haben an Tag eins fast eine halbe Million Menschen gesehen – ebenfalls nicht hart, sondern dem neuen weichen Stil der Blauen folgend ist der Kurzfilm "Spätzünder".

Auch dieser wurde bereits mehrere Hunderttausend Mal angesehen. Der große Zulauf liegt auch an den großen Summen an Werbung, die auch die FPÖ an Soziale Netzwerke wie Facebook oder Youtube überweisen. Der blauen Video-Reihe "Die Hubers" etwa konnte man tagelang kaum entkommen, so eifrig wurde "gesponsert". Wie viel Geld die FPÖ in die Bewerbung ihrer Inhalte steckt, verrät die Partei nicht. Was man weiß: 15 Prozent des gesamten Kampagnen-Budgets der Blauen fließen in Online-Aktivitäten. Auch bei anderen Parteien wird so viel Geld in den Online-Wahlkampf investiert wie noch nie: Die SPÖ etwa steckt laut eigenen Angaben rund 600.000 Euro in ihren Auftritt im Internet.

Wer sich in der heißen Wahlkampfphase auf Sozialen Netzwerken herumtreibt, entkommt der Politik nicht. Problematisch daran, vor allem auf Facebook: Nutzern werden oft Werbe-Postings von Seiten, denen sie gar nicht folgen, als normale Inhalte vorgespielt. Erkennbar ist dies nur durch den kleinen Hinweis "gesponsert" – ein paar Klicks weiter erfährt man, warum Parteien einen ansprechen wollen. So richtet die FPÖ etwa viele ihrer Facebook-Postings gezielt an User, denen Straches Kontrahent Sebastian Kurz "gefällt" –auch andere Parteien "targeten" (so der Fachausdruck für gezielte Werbung) ihre Inhalte an genaue Zielgruppen, die ihnen Facebook dank des Wissens über seine User gegen Geld zur Verfügung stellt.

Die Grünen beispielsweise adressieren Werbung oft an Journalisten, um damit die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Das tun sie, indem sie gesponserte Inhalte in die privaten Streams von Menschen spielen, die heimische Medienhäuser in ihren Profilen als Arbeitgeber angeben.Bedenklich: Oft handelt es sich bei politischer Werbung um sogenannte "Dark Posts" – das sind Inhalte, die nur sieht, wer auch von der jeweiligen Partei adressiert wurde. So können theoretisch einzelne Gruppen von ein- und derselben Partei mit unterschiedlichen Botschaften bespielt werden. Eine Partei könnte somit unter Jungwählern Pensionszuckerl kritisieren und zugleich älteren Pensionserhöhungen versprechen – ohne, dass dies die jeweils andere Gruppe das irgendwo sehen könnte. Im heurigen Wahlkampf greifen zumindest Neos und SPÖ auf diese Werbeform zurück. Wie genau sie das tun, lässt sich nicht eruieren.