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05.10.2017

Silberstein-Mitarbeiter Puller: "ÖVP bot mir Geld für Infos"

Peter Puller behauptet, die ÖVP hätte ihm 100.000 Euro für Informationen aus der SPÖ geboten. Diese dementiert.

Im Schatten von Tal Silberstein gerät ein Mitarbeiter des geschassten SP-Wahlkampfberaters immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Peter Puller, ein 37-jähriger Politikberater, der in der Vergangenheit auch bereits für die NEOS und die ÖVP gearbeitet hat, hat gegenüber dem KURIER bereits zugegeben, im Auftrag von Silberstein die beiden Facebook-Seiten "Wir für Sebastian Kurz" und "Die Wahrheit über Sebastian Kurz" operativ betreut zu haben.

In der SPÖ hätte man davon aber nichts gewusst. "Es stimmt, dass Kanzler Christian Kern und Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler nichts gewusst haben", sagte Puller am Donnerstag zur Presse - und ließ dabei mit einem neuen Aspekt in der Dirty-Campaigning-Affäre aufwarten, die Österreich wohl noch bis zur Wahl am 15. Oktober beschäftigen wird.

Der PR-Experte erklärte gegenüber Presse und Falter, dass die ÖVP ihm 100.000 Euro geboten haben soll, falls er Details der Kampagne verrät. In der ÖVP weist man diese Darstellung vehement zurück. Laut Puller habe ihm ein Pressesprecher von Sebastian Kurz bei einem Treffen im Juli 100.000 Euro für Detailinfos zu den Silberstein-Aktivitäten für die SPÖ geboten. Man habe dabei auch versucht, ihn zu überreden, die Seiten zu wechseln und als "Spitzel" für die ÖVP tätig zu werden, so Puller, der vor Jahren für die ÖVP - unter anderem als Kabinettschef für die damalige Wissenschaftsministerin Beatrix Karl - und danach für die NEOS gearbeitet hatte. Während dieses Engagements im Wien-Wahlkampf 2015 begann auch seine Zusammenarbeit mit Silberstein. Er selbst sei auf das Angebot jedenfalls nicht eingegangen, für andere könne er das aber nicht ausschließen", wird Puller in der Presse zitiert.

ÖVP weist Aussagen Pullers zurück

"Es gab und gibt im Zusammenhang mit den Dirty Campaigning-Aktivitäten der SPÖ seitens der Volkspartei weder ein Angebot, noch eine Zahlung an Silbersteins Geschäftspartner Puller oder irgendwen anderen aus Silbersteins Umfeld", heißt es dazu in der ÖVP. "Tatsache ist, das Dirty Campaigning wurde von der SPÖ beauftragt, gesteuert und bezahlt. Seit Jänner weisen wir öffentlich darauf hin, dass über Sebastian Kurz recherchiert wird um ihn in weiterer Folge öffentlich anzupatzen. Wir haben immer Silberstein und die SPÖ dahinter vermutet. Silbersteins Partner Puller ist an einige Personen aus dem Umfeld von Kurz heran getreten, um sie gezielt auszuhorchen. Es gab auch einen Kontakt mit einem Sprecher. Dieser hat Puller mit dem Verdacht konfrontiert, er würde für die SPÖ und Silberstein recherchieren. Puller hat dies mit Vehemenz abgestritten und gemeint er arbeite nur für die NEOS. Wir haben das damals geglaubt."

Dass die Schmutz-Seiten auf Facebook auch nach dem Rauswurf Silbersteins durch die SPÖ weiterbetreut wurden, erklärt Puller übrigens so. Die Honorare für die Arbeit habe Silbersteins Firma GCS International überwiesen. Entsprechende Kontoauszüge kann Puller vorlegen, heißt es im Presse-Bericht. Die Honorare wurden auch nach dem 14. August, nach Silbersteins vorübergehenden Verhaftung in Israel und dem Rauswurf bei der SPÖ, von Silberstein weiter bezahlt. Die Facebook-Werbung für die teils rassistischen und antisemitischen Seiten gegen Kurz wurden mit Silbersteins Kreditkarte bezahlt, sagte Puller dem Falter. Zum Umstand, dass ein hochrangiges inzwischen suspendiertes SPÖ-Kampagnenmitglied bis Anfang September an dem Projekt weiter- und mitgearbeitet haben soll, wollte sich Puller nicht äußern. Die SPÖ legte heute alle Rechnungen und Verträge mit Tal Silberstein offen. Demnach sind insgesamt 536.000 Euro an den Politikberater geflossen. Wer in der SPÖ letztlich von Silbersteins und Pullers Umtrieben wusste, ist aber nach wie vor fraglich (mehr dazu hier).