Mariahilfer Straße in Wien im Lockdown

© Kurier/Gilbert Novy

Politik Inland
04/23/2021

Heute kommt der Aufsperrplan: Ab 19. Mai wird gelockert

Heuriger, Biergarten, Kaffeehaus, Theater, Sportplatz: Unter strengen Sicherheitsauflagen soll alles aufsperren. Was Experten zum Risiko sagen.

von Christian Böhmer, Elisabeth Hofer, Daniela Kittner

F√ľr manche Branchen dauert der Lockdown nun schon seit dem 1. November. Heute, Freitag, wird es endlich ein √Ėffnungsdatum geben. Und zwar f√ľr alle, die schon so lange warten: die Gastronomie, die Hotels, die Kultur und den Sport.

Wie schon so oft treffen Kanzler, Vizekanzler, die Minister M√ľckstein und K√∂stinger, die Landeshauptleute und die Sozialpartnerspitzen sowie vier Experten zusammen (teils per Video), um die noch offenen Entscheidungen zu f√§llen.

Erste Details sind bereits im Vorfeld durchgesickert: Kurz vor Pfingsten, konkret ab 19. Mai, wird ge√∂ffnet - freilich alles begleitet von strengen Sicherheitskonzepten. Die Bekanntgabe der √Ėffnungsschritte durch Regierung und Experten ist f√ľr 15:30 Uhr am Nachmittag geplant - zuvor war von 14:00 Uhr die Rede gewesen. 

Vorbereitet wird der √Ėffnungsplan schon seit Wochen in der Absicht, dass alles klappen soll. Ziel ist zu vermeiden, dass trotz steigender Impfraten ein weiterer Lockdown n√∂tig wird, wie es in anderen L√§ndern wie etwa Israel passiert ist.

Und so sehen die geplanten Schritte zur√ľck in die Normalit√§t aus:

Schritt 1, 3. Mai: Wien und Nieder√∂sterreich werden zu den anderen Bundesl√§ndern aufschlie√üen und den harten Lockdown lockern. Der Handel und die k√∂rpernahen Dienstleister, die anderswo offen sind, werden auch in Wien und Nieder√∂sterreich aufmachen. 

Niederösterreich hat inzwischen schon offiziell bekanntgegeben, dass es den Lockdown mit 2.Mai bebenden wird.

Schritt 2, 19. Mai: In ganz √Ėsterreich d√ľrfen Gastronomie, Hotels, Kultur- und Sportbetriebe √∂ffnen. Es wird allerdings ein strenges Sicherheitsregime geben: fr√ľhe Sperrstunden; geringe Belegung, etwa nur zu 50 Prozent im Publikumsraum; Zutrittstests wie derzeit beim Friseur; FFP2-Maskenpflicht etc.

Schritt 3, zwei bis drei Wochen nach Schritt 2: Das strenge Sicherheitsregime k√∂nnte gelockert werden, falls das Infektionsgeschehen das hergibt. Das bedeutet, dass zum Beispiel Sperrstunden nach hinten verschoben werden, mehr Publikum in einen Kinosaal darf, mehr G√§ste an einem Wirtshaustisch sitzen d√ľrfen.

Sicherheitsregime

Generell will die Regierung nicht mehr √ľber Auf- und Zusperren auf das Infektionsgeschehen reagieren, sondern mit Sicherheitsauflagen.

Steigen die Zahlen, dann werden die Auflagen wieder strenger. Sinken sie, dann kann weiter gelockert werden.

Zentral wird dabei der Gr√ľne Pass. Darin soll "geimpft", "genesen" und "getestet" vermerkt und mit der jeweiligen G√ľltigkeitsdauer versehen sein.

So sollen Impfungen drei Wochen nach dem ersten Stich und sechs Monate nach dem zweiten Stich als Zutrittsberechtigung gelten.

PCR-Tests sollen 72 Stunden gelten, Antigen-Tests 48 Stunden.

Wie groß ist das Risiko?

Kann das Konzept der Regierung aufgehen? Wie groß ist das Risiko, dass alles wieder zugesperrt werden muss?

Peter Klimek, Mathematiker am Complexity Science Hub in Wien, geht davon aus, "dass sich die Lage zunehmend entspannen wird, und wir bald mehr √ľber √Ėffnungen als √ľber Lockdowns reden werden".

Die Frage sei nur, wie schnell √Ėffnungsschritte gesetzt werden k√∂nnen, und "ob es Riesenschritte oder Krabbelschritte sind".

Im Osten habe der Lockdown Wirkung gezeigt, in den anderen Bundesl√§ndern h√§tten die Infektionszahlen ein Plateau erreicht, sodass momentan keine √úberlastung des Gesundheitssystems drohe. Bis Mitte Mai hofft Klimek aufgrund von mehr Impfungen und w√§rmerem Wetter auf mehr Spielraum f√ľr Lockerungen.

Klimeks optimistische Prognose teilt auch Virologin Dorothee von Laer von der Medizinischen Universit√§t Innsbruck. In einem Puls-24-Interview zeigt sie sich zuversichtlich, dass "bis in die zweite Maih√§lfte die Inzidenzen unter 100 fallen werden", und man an eine √Ėffnung mit Eintrittstests denken k√∂nne. "Sobald es w√§rmer wird, m√ľssten die Zahlen sinken, au√üerdem wird geimpft."

Noch 500 Betten belegt

Nicht alle teilen diesen Optimismus. Der erw√§hnte "saisonale Effekt", also die Annahme, dass das Infektionsgeschehen durch die w√§rmeren Temperaturen zur√ľckgeht, ist nicht genau quantifizierbar.

Und insbesondere die Experten, die sich mit der Auslastung der Intensivstationen besch√§ftigen, warnen in internen Sitzungen eindringlich vor zu gro√üen √Ėffnungsschritten. Im Unterschied zu vor einem Jahr seien die Intensivstationen mit √∂sterreichweit rund 500 Covid-Patienten noch stark ausgelastet. Ein Experte sagt zum KURIER: "Wenn wir zu flott √∂ffnen, dann drohen im Juni noch einmal regionale Lockdowns ‚Äď das will niemand."

Hinweis: In einer ersten Version der Geschichte, sind wir von √Ėffnungen ab dem 17. Mai ausgegangen. Datum wurde auf den 19. Mai aktualisiert.

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