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Politik Inland
04/22/2021

Experte: Vorarlbergs Öffnungskonzept bundesweit kaum zielführend

Peter Klimek ist optimistisch, dass es bis Mitte Mai mehr Spielraum für Lockerungen geben werde. Neue Konzepte seien aber nötig.

von Elisabeth Hofer

Es ist wieder einmal so weit: Morgen möchte die Bundesregierung bekannt geben, wie, wo und wann genau ab Mitte Mai Öffnungsschritte in Österreich gesetzt werden sollen. Zuvor wird sie mit Länderchefs, Experten und Opposition beraten.

Dabei ist das Ausgangsszenario in den unterschiedlichen Teilen des Landes sehr heterogen. Der Osten Österreichs befindet sich gegenwärtig im Lockdown, während in Vorarlberg sogar Indoor-Gastronomie betrieben wird - unter strengen Sicherheitsmaßnahmen, versteht sich. In den restlichen Bundesländern ist zwar der Handel geöffnet, auch körpernahe Dienstleistungen sind mit negativem Testergebnis möglich, die Gastro aber weiterhin geschlossen. Wie also ab hier weitermachen?

Der KURIER hat Mathematiker und Modellrechner Peter Klimek vom Complexity Science Hub um eine Einschätzung der Lage gebeten.

Die gute Nachricht: "In Niederösterreich und dem Burgenland flachen die Kurven deutlich ab und zwar in einem überraschen hohen Tempo, wie wir es seit Herbst nicht mehr gesehen haben. Der Lockdown zeigt also Wirkung. Auch in Wien wird die Kurve flacher, allerdings weniger deutlich", kommentiert Klimek die Lage im Osten. 

In allen anderen Bundesländern seien die Inzidenzen in den vergangenen Wochen gleich geblieben oder angestiegen, "aber nicht so drastisch, dass man sich große Sorgen machen müsste", sagt Klimek. Die Zahlen hätten dort ein Plateau erreicht, aber auf einem Niveau, bei dem momentan keine Überlastung des Gesundheitssystems drohe. Dies könnte laut dem Wissenschafter höchstens in Vorarlberg der Fall sein. "Allerdings nur aus dem Grund, dass es dort weniger Spitalskapazitäten gibt. Solange die anderen Regionen stabil sind, ist also auch das kein Grund zur Panik."

Vorarlberg sollte ja eine Modellregion für den Rest Österreichs werden, hieß es bei der Teilöffnung des westlichsten Bundeslandes. Man wollte sehen, wie gut die Sicherheitskonzepte dort funktionieren, um eine starke Virusausbreitung trotz Lockerungen zu verhindern und das Konzept dann gegebenenfalls auch bundesweit umsetzen. Seit Ostern nehmen die Infektionszahlen in Vorarlberg allerdings wieder zu. 

Was lernen wir daraus? "Natürlich gibt es in Vorarlberg nach der Öffnung einen Aufwärtstrend bei den Infektionszahlen, ich würde ihn aber nicht überdramatisieren", sagt Klimek. "Allerdings sehen wir dort schon, dass das Impfen, die saisonalen Effekte und die Teststrategie im Moment noch nicht ausreichen, um das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten. Wenn wir die „Vorarlberger Methode“ in ganz Österreich zum gegenwärtigen Zeitpunkt anwenden, dann werden auch in ganz Österreich die Inzidenzen wieder steigen."

Die Frage sei aber nicht, wie es jetzt aussieht, sondern wie es Mitte Mai aussehen werde. Klimek: "Es könnte sein, dass wir durch die steigende Zahl der Geimpften und wenn es dann doch einmal wärmer wird, mehr Spielraum für Lockerungen haben werden, vor allem im Osten."

Grundsätzlich gehe er davon aus, dass sich die Lage zunehmend entspannen werde "und wir mehr über Öffnungen als über Lockdowns reden werden", sagt Klimek. Aktuell sei die Frage, wie schnell Öffnungsschritte gesetzt werden könnten, bzw. "ob es Riesenschritte oder Krabbelschritte sind". 

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