Neues Pilnacek-Gutachten: Kein Unfall oder Mord, Smartwatch-Bericht folgt im März

Gerichtsmedizinerin geht von Suizid aus, die Todesursache sei Ertrinken gewesen. Sobald der Bericht zur Smartwatch vorliegt, dürfte das Verfahren in Eisenstadt endgültig eingestellt werden.
Neues Pilnacek-Gutachten: Kein Unfall oder Mord, Smartwatch-Bericht folgt im März

Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt prüft seit einigen Monaten, ob zum Tod von Justiz-Sektionschef Christian Pilnacek wieder Ermittlungen eingeleitet werden sollen - und hat Elke Doberentz, Leiterin des Instituts für Gerichtliche Medizin in Innsbruck, beauftragt, ein Gutachten zur Frage der Todesursache zu erstatten.

Jetzt teilt die Oberstaatsanwaltschaft (OStA) Wien das Ergebnis mit: 

"Die Todesursache des Mag. Pilnacek ist ein Ertrinken. […] Konkurrierende Todesursachen, weder aus innerer krankhafter Ursache noch anderweitige traumatische Todesursachen, konnten nicht festgestellt werden", heißt es in dem 110-seitigen Gutachten. 

Laut der Gutachterin sei "am ehesten von einem suizidalen Ertrinken auszugehen". Für einen Unfall oder ein Tötungsdelikt würden sich "aus den Umständen und Befunden" aus gerichtsmedizinischer Sicht keine Anhaltspunkte ergeben. 

> Lesen Sie hier unseren Kommentar: Schluss mit den Mord-Spekulationen!

"Bagatellverletzungen"

Die Verletzungen am Körper des früheren Justiz-Sektionschefs seien einem "mehrfachen Anstoß- oder Sturzgeschehen" zuzuordnen. 

"Es fanden sich keine Verletzungen an schlagtypischer Lokalisation. Es handelt sich um Bagatellverletzungen ohne jedweden eigenen todesursächlichen Stellenwert", erklärt sie weiter. 

Fotos und vier verschiedene Gutachten

Wichtig ist: Die Gerichtsmedizinerin hat nicht den Leichnam begutachtet. Pilnacek starb am 20. Oktober 2023, wurde rund eine Woche später obduziert und im November 2023 beigesetzt.

Was ihr vorlag, sind Bilder der Obduktion sowie Gutachten und Stellungnahmen - nicht nur das offizielle von Gerichtsmediziner Christian Matzenauer, sondern auch jene, die Buchautor Peter Pilz privat besorgt hat. 

Auf die Einschätzungen von Unfallchirurg Wolfgang Schaden, Gerichtsmediziner Stefano Longato und Michael Tsokos sei im neuen Gutachten detailliert eingegangen worden, heißt es bei der OStA. 

Smartwatch-Bericht soll im März vorliegen

Laut Aussendung der OStA Wien fehlt noch der Bericht eines IT-Experten zur Smartwatch, die Pilnacek bei seinem Tod am Handgelenk trug. 

Um diese gab es, wie berichtet, ebenfalls ein großes Gezerre: Das Landeskriminalamt NÖ war zunächst nicht in der Lage, Daten auszuwerten, ein IT-Experte der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) hatte dann mehr Erfolg, durfte sich aber nur einen bestimmten Umfang anschauen. 

Die Staatsanwaltschaft Krems hat dann eine "ergänzende Auswertung" in Auftrag gegeben, das Ergebnis dürfte dem Vernehmen nach im März vorliegen

Dann fällt auch die endgültige Entscheidung, ob "echte" Ermittlungen rund um ein mögliches Fremdverschulden eingeleitet werden. Nach den Erkenntnissen im neuen gerichtsmedizinischen Gutachten ist davon aber nicht auszugehen.

Auch der U-Ausschuss geht im März weiter

Aktuell läuft im Parlament ein U-Ausschuss rund um die Frage, ob es bei den Ermittlungen zum Tod Pilnaceks Fehler gab - entweder aus Schlamperei oder wegen politischer Interventionen. Nach den zwei Befragungstagen in dieser Woche geht es erst im März weiter. 

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Was bisher geschah

  • Die Obduktion habe laut OStA Wien keinen Anfangsverdacht auf eine Straftat ergeben. Auch die vom Sachverständigen Matzenauer eingeholten chemischen und toxikologischen Anaysen fielen unauffällig aus (mehr dazu hier). 
     
  • Das Landeskriminalamt Niederösterreich hat dann am 8. Jänner 2024 einen Abschlussbericht abgegeben, die damals zuständige Staatsanwaltschaft Krems hat dann am 1. März 2024 von ihrer Fachaufsicht die Genehmigung erhalten, das Verfahren einzustellen
     
  • Im Februar 2025 veröffentlichte Pilz sein Buch "Der Tod des Sektionschefs" (der KURIER berichtete), in dem er massive Kritik an der Polizei übte und - anhand recht selektiv ausgewählter Passagen aus den Stellungnahmen von Schaden, Longato und Tsokos - die Suizid-These anzweifelte. Es entwickelten sich Spekulationen, dass es sich um ein politisches Mordkomplott gehandelt haben könnte. Angeheizt unter anderem auch von Pilnaceks letzter Freundin Karin Wurm.
     
  • Im April 2025 erteilte die Oberstaatsanwaltschaft Wein der Staatsanwaltschaft Krems dann die Weisung, nochmals zu prüfen, ob sich nicht doch noch Anhaltspunkte für Ermittlungen rund um ein mögliches Fremdverschulden ergeben. 
     
  • Die Prüfung verlief schleppend, die mediale Kritik an den Kremser wurde immer stärker. Ende August/Anfang September übertrug die OStA das Verfahren dann an die Staatsanwaltschaft Eisenstadt
     
  • Im November 2025 startete im Parlament auf Initiative der FPÖ ein U-Ausschuss zur Causa Pilnacek. Die Befragungen starteten im Jänner. 
     
  • Im Dezember 2025 fiel in einem Medienprozess gegen Zackmedia das (nicht rechtskräftige) Urteil, dass das Buch von Peter Pilz eingezogen werden muss, weil Pilz für seine schweren Vorwürfe nicht den Wahrheitsbeweis erbringen konnte (nachzulesen hier). 

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