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Serie
08/29/2021

Besuch bei Ludwig: Was der Bürgermeister nachts allein im Rathaus macht

Nach den Bundesparteichefs zeigt auch der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig Büro – und Bibliothek.

von Raffaela Lindorfer, Jeff Mangione

Michael Ludwig liest gerne. Also wirklich gerne. Und viel. Auf seinem Schreibtisch und auf einem Kasten hinterm Schreibtisch neigen sich die hohen Bücherstapel gefährlich zur Seite.

In einem Gang um die Ecke – seine „kleine“ Bibliothek – stehen noch mehr Bücher, und was nicht mehr in die Regale passt, lagert in Kartons.

Und dann gibt’s da noch einen Stehtisch in seinem Büro mit mehreren Stapeln Zeitungen. Das Papier ist teils schon vergilbt, hart und schlägt Wellen. „Zuhause“, sagt der Wiener Bürgermeister, „hab ich noch viel mehr.“

Seine Frau findet das weniger amüsant. Letztens, erzählt er, habe sie ihn gebeten, zumindest die Zeitungen von 2007 wegzuschmeißen. „Ein paar hab ich behalten dürfen“, sagt er schmunzelnd.

Willkommen im Büro von Bürgermeister Michael Ludwig.

Ein altehrwürdiger Raum, funktionale Einrichtung, viele Bücher: der Stil Michael Ludwigs.

Die hohen Stapel neigen sich gefährlich zur Seite.

Viele, viele Bücher.

Patenkind Finja im Tiergarten Schönbrunn. "Ich bilde mir ein, sie erkennt mich schon", sagt Ludwig.

Eine Miniatur des Rathausmanns, der an der Spitze des Rathauses steht.

Eine Skulptur eines Arbeiters, der Ludwig an Sisyphos erinnert - und an sich selbst.

Stärkung für lange Nächte im Büro.

Den Globus war ein Geschenk von Josef Balderman, einem NS-Opfer, nach dem Ludwig einen Gemeindebau benannt hat.

Ein Erinnerungsstück aus dem Wahlkampf 2020.

Ludwig im Gespräch mit KURIER-Redakteurin Raffaela Lindorfer.

Kaffeehausliterat Peter Altenberg liest Zeitung. Manchmal, sagt Ludwig, grüßen ihn Besucher, weil er so echt aussieht.

Luster im venezianischen Stil vom Wiener Traditionsunternehmen Lobmeyr.

Münzen fürs Einkaufswagerl. Ludwig geht selber einkaufen.

Ein Beistelltisch, Geschenk eines Botschafters.

Der Besprechungstisch ist zentraler Treffpunkt in Ludwigs Büro.

Aber im Ernst: Wozu liegen die da? Manchmal, sagt Ludwig, wenn er bis tief in die Nacht im Büro ist und arbeitet, geht er zu diesem Tisch. Blättert in den alten Zeitungen. Und denkt sich: „Cool bleiben.“ Was da über ihn geschrieben wurde, ist heute Altpapier. „Das hilft mir, die Ereignisse in der Gegenwart in Relation zu setzen.“

Kommentare über seine Kür zum Wiener Landesparteichef beispielsweise, Prognosen zum Ausgang der Wien-Wahl 2020, Karikaturen von Michael Pammesberger (auf denen er sich Ludwig ein bisschen zu dick dargestellt fühlt, gefallen tun sie ihm trotzdem).

Gigantisch

Das Bürgermeister-Büro sieht so ganz anders aus als zu Zeiten von Michael Häupl, der hier 23 Jahre lang regierte. Ludwig hat alle Vorhänge und Teppiche entfernen lassen. Der Raum (so groß wie ein Turnsaal) sollte für sich wirken.

Übrig sind die Luster im venezianischen Stil vom Wiener Traditionsunternehmen Lobmeyr. Ein Kontrast zu den schwarzen Ledersofas und dem gigantischen grauen Besprechungstisch mit 17 (!) Sesseln samt Monitor für Videokonferenzen.

Jetzt nicht sagen: „Roter Bonze“. Am Schreibtisch, mitten in einem gut organisierten Chaos an Kugelschreibern, FFP2-Masken, Zetteln, noch mehr Büchern und Dokumentenmappen, steht ein kleiner Pappkarton mit Münzen. „Fürs Einkaufswagerl“, sagt Ludwig.

„Selbstverständlich“ geht der Bürgermeister selbst einkaufen („Wer denn sonst?“). Wurstsemmeln zum Beispiel. Essen mit Gesprächspartnern sind seine Sache nicht. Da, erklärt Ludwig, könne er sich nicht so gut konzentrieren. Also auf den Gesprächspartner.

Wenn die Nächte im Büro wirklich lang werden, leistet ihm einer Gesellschaft: Kaffeehausliterat Peter Altenberg, der auch eine alte Zeitung liest. Ein Tipp: Nicht grüßen. Der ist nicht echt.

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