Anti-Kern-Broschüre: Um dieses Heftchen geht es

Kern
Foto: ÖVP Die ÖVP produzierte ein "Manifest" mit dem Konterfei des Kanzlers.

Das "Rot-Grün-Manifest" mit Hammer und Sichel bewegt derzeit die Innenpolitik: Hier sehen sie die komplette ÖVP-Broschüre.

Man meint auf den ersten Blick, eine kommunistische Kampf- oder Hetzschrift in Händen zu halten, wenn man sich das sogenannte "Rot-Grün-Manifest" ansieht. Nichts an der Aufmachung des hochformatigen Heftchens weist darauf hin, dass die bürgerliche ÖVP hinter der Anti-Kern-Broschüre stecken könnte. Die Idee stammt aber vom Generalsekretär der Schwarzen, Werner Amon, wie der KURIER am Dienstag als Erster berichtete, bevor im Netz eine Welle an Empörung, Fassungslosigkeit und Belustigung ob der scharfen Streitschrift gegen den Koalitionspartner losbrach.

Kaum unters Volk gebracht

Anfangs hieß es, die Broschüre werde verteilt und im Internet über die Sozialen Medien wie Facebook unter das Volk – genauer gesagt den Mittelstand – gebracht. Über die Sozialen Medien verbreitete sich das Cover mit einem Soz-Art-Kanzler inklusive Hammer und Sichel tatsächlich in Windeseile – allerdings ohne besonderes Zutun der ÖVP. Auf der offiziellen Facebookseite der Partei wurde die 58-seitige Broschüre nicht veröffentlicht oder beworben.

Und auch mit der Verteilung des Druckwerks hapert es. Sieben von neun Länderorganisationen weigern sich, die umstrittene Fibel unters Volk zu bringen. Mittlerweile heißt es bei der ÖVP, das Manifest sei primär für die Funktionäre gedacht gewesen.

Dazu kommt noch, dass Kanzler Christian Kern den innerkoalitionären Angriff mit Selbstironie parierte. Er machte das holzschnittartige Cover-Porträt zu seinem persönlichen Facebook-Profilbild und mittlerweile werden von der SPÖ sogar T-Shirts mit Kerns rotem Konterfei verlost.

Was steht drin?

Viel wurde also über die Aufmachung gesagt und geschrieben. Die Inhalte des Buches, die ÖVP-Funktionären als "Argumentationshilfe" im offensichtlichen Dauer-Wahlkampf dienen sollen, sind mangels Verbreitung noch nicht so bekannt. Was steckt also hinter den "zehn Verboten", die bei einer angeblichen "linken Wende" drohen?

Da ist von "Kerns Plan-A-Wirtschaft" die Rede, einer "Gesellschaft ohne Werte" und einer "Rückkehr zur alten Schuldenpolitik".

Auch Kanzler-Karikaturen sind in das schwarzmalerische Buch eingebettet, ein traditionelles Stilmittel in Kampfschriften.

Immerhin scheint das Vertrauen in die etablierten Medien bei der Volkspartei sehr ausgeprägt zu sein: Zur Unterfütterung der Thesen werden zahlreiche Medienberichte zitiert.

Hier können Sie sich selbst ein Bild verschaffen:

 
(kurier / tem) Erstellt am
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