© REUTERS/Jonathan Ernst

Politik Ausland
09/07/2020

Trump: „Schwarze zu dumm, um für mich zu stimmen“

In seinem neuen Buch rechnet Michael Cohen, Ex-Anwalt des US-Präsidenten, mit Donald Trump ab.

von Dirk Hautkapp

Michael Cohen war in seiner fast zehnjährigen Beziehung zu Donald Trump oft so nah dran, dass man beim Lesen der 432-seitigen Generalabrechnung („Disloyal: A Memoir“) mit seinem einstigen Helden zuweilen die Augen schließen möchte. „Wenn seine Haare nicht gemacht waren“, erinnert sich der Ex-Privatanwalt des US-Präsidenten an eine Szene, als Trump aus der Dusche kam, „reichten seine gold-gefärbten Haarsträhnen bis unter die Schultern.“

Auch an anderen Stellen des heute, Dienstag, erscheinenden Buches, das vom Weißen Haus als „Fiktion“ eines „Verbrechers“ abgetan wird, zögert der im Hausarrest eine dreijährige Haftstrafe absitzende 53-Jährige nicht, sein früheres Idol, das er heute mit einem Mafiapaten vergleicht, vom Sockel zu holen.

Als evangelikale Religionsführer vor der Wahl 2016 für Trump beteten und dabei ihre Hände auf den Präsidentschaftskandidaten legten, fragte Trump Cohen: „Glaubst du, dass die Leute an diesen Schwachsinn glauben?“

Über ethnische Minderheiten äußerte sich Trump gegenüber Cohen regelmäßig herablassend und rassistisch. „Ich werde nie die Stimmen der Latinos bekommen“, sagte Trump vor der Wahl, „sie sind wie die Schwarzen zu dumm, um für Trump zu stimmen.“

Hass gegen Obama

Apropos Schwarze: Von ihnen, „ob in der Musik, der Kultur oder der Politik“, halte Donald Trump generell nichts. Nelson Mandela, der Freiheitskämpfer Südafrikas, ist für ihn „kein Führer“ gewesen. Und überhaupt: „Nenn’ mir ein Land, das von einem Schwarzen gelenkt wird und kein Drecksloch ist“, zitiert Cohen Trump, der seinen Vorgänger Barack Obama regelrecht gehasst habe. Um seine Verachtung für den ersten schwarzen US-Präsidenten auszudrücken, ließ Trump ein Video mit einem Doppelgänger (Faux-Bama) drehen – und Obama theatralisch „feuern“.

Bei der Schweigegeldzahlung von 130.000 $ an den Porno-Star Stormy Daniels, mit dem Trump nach der Geburt seines Sohnes Barron eine Kurz-Affäre gehabt haben soll, war Trump von ökonomischen Erwägungen getrieben, schreibt Cohen. Er wies das Geld aus eigenen Mitteln an. Später zahlte Trump in Raten zurück. Käme der Seitensprung breit an die Öffentlichkeit, sagte Trump seinem damaligen Mann fürs Grobe, müsste er an Gattin Melania wohl eine viel größere Summe entrichten. Dabei würde er, Trump, darauf „wetten“, dass seine Anhänger es „cool finden, dass ich mit einem Pornostar geschlafen habe“.

Gar nicht cool fand Cohen, wie Trump sich ausdrückte, als seine Tochter einmal vom Tennis kam. „Guck mal, was für ein steiler Zahn. Zu gerne würde ich davon etwas haben“, zitiert der Vater seinen Ex-Boss. Das Mädchen war damals 15.

Viel Raum nimmt die Beschreibung der rätselhaften Männer-Liebe Trump/Putin ein. Trump halte den russischen Präsidenten nicht nur für den „reichsten Mann der Welt“. Er bewundere, dass der ehemalige KGB-Offizier sein Land „wie seine eigene Firma führt“. Trump versprach sich laut Cohen Zugang zum Geld von Oligarchen, die allesamt Putin-hörig sind. Konkret bastelte Trump weit bis ins Wahljahr 2016 am letztlich gescheiterten Plan für den Bau eines 120-Stockwerke-Trump-Wolkenkratzers samt Nobelhotel und Luxus-Wohnungen am Roten Platz ins Moskau. Putin sollte – als Geschenk – das Penthouse unterm Dach bekommen. Trumps Tochter Ivanka war mit Gestaltungsfragen befasst, schreibt Cohen.

Das Weiße Haus spricht Cohen, der das Buch teilweise im Gefängnis geschrieben hat, jede Glaubwürdigkeit ab und erinnert daran, dass der lange als „Fixer“ (Ausputzer) im Trump-Reich bekannt gewesene New Yorker 2018 den Kongress belogen und gegen Wahlkampffinanzierungsgesetze verstoßen hat. Dass seine Gefängnisstrafe maßgeblich mit damaligen Falschaussagen über das Schweigegeld an Stormy Daniels und anderen Lügen zugunsten Trumps zu erklären ist, ließ die Regierungszentrale unerwähnt.

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