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18.08.2017

Barcelona: Attentäter planten weitere Anschläge

14 Tote, mehr als 100 Verletzte - das ist die traurige Bilanz des gestrigen Anschlags in Barcelona. Der oder die Täter sind noch immer flüchtig.


Überblick

  • Auf Barcelonas bekanntester Flaniermeile Las Ramblas ist am Donnerstag ein Lieferwagen in eine Menschenmenge gefahren.
  • Es gibt 14 Tote, mehr als 100 Menschen wurden verletzt. Die Opfer stammen laut jüngsten Zahlen aus 34 verschiedenen Ländern, darunter Deutschland, Pakistan, Italien und Griechenland. Eine Österreicherin wurde leicht verletzt.
  • Die Terrormiliz IS reklamiert den Anschlag für sich. Er sollte Sicherheitskreisen zufolge nur einer von mehreren sein. Die Verdächtigen hätten weitere Angriffe mit Gasflaschen geplant.
  • Bis dato hat die spanische Polizei vier Verdächtige festgenommen.
  • Die spanische Polizei fahndet nach einem neuen Hauptverdächtigen. Es handle sich um den 17-jährigen Moussa O., dem jüngeren Bruder des bereits am Donnerstag inhaftierten Driss O.
  • Vor dem Anschlag in Barcelona war bereits eine Person bei einer Explosion in einem Haus südwestlich der Millionenmetropole ums Leben gekommen. Bewohner des Hauses in der Kleinstadt hätten Sprengstoff vorbereitet.
  • In der Nacht auf Freitag hat die Polizei in einem katalanischen Badeort vermutlich eine zweite Terrorattacke verhindert. In der Stadt Cambrils erschossen die Einsatzkräfte fünf mutmaßliche Terroristen. Die Sprengstoffgürtel waren Attrappen, wie im Laufe des Vormittags bekannt wurde.

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Barcelona: Attentäter planten weitere Anschläge

  • 14:48

    Damit verabschieden wir uns an dieser Stelle. Die aktuelle Berichterstattung zu dem Terroranschlag in Barcelona finden Sie an dieser Stelle.

  • 14:47

    Opferbilanz

    Bei dem Terrorangriff am Donnerstag in Katalonien ist nach Angaben von US-Außenminister Rex Tillerson auch ein Mensch aus den USA ums Leben gekommen. Bei den Anschlägen von Barcelona und Cambrils wurden mindestens 14 Menschen getötet und mehr als 100 weitere verletzt. Die Opfer kommen aus mindestens 35 Ländern. Eine Österreicherin wurde leicht verletzt.

    Beim Anschlag in Barcelona wurden mindestens 13 Menschen getötet. Unter ihnen sind zwei Italiener: Der 35-jährige Bruno Gulotta aus Legnano bei Mailand wurde auf dem Boulevard La Rambla überfahren; er hielt seinen fünfjährigen Sohn an der Hand. Seine Lebensgefährtin konnte den Buben gerade noch wegziehen. Getötet wurde auch der 25-jährige Luca Russo, der aus der Dolomiten-Region kam. Die beiden Italiener waren im Urlaub in Barcelona.

    Unter den Toten sind auch eine Belgierin, die mit ihrer Familie in Barcelona Ferien machte, und eine 74 Jahre alte Portugiesin aus Lissabon. Zudem wurde bei der Autoattacke in Cambrils eine Frau so schwer verletzt, dass sie später im Krankenhaus ihren Verletzungen erlag.

    Unter den Verletzten des Anschlags von Barcelona sind mindestens 13 Deutsche. Mehrere von ihnen erlitten nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin lebensgefährliche Verletzungen. Unklar war zunächst, ob es auch deutsche Todesopfer gibt.

    Bei der Attacke in der katalanischen Großstadt wurden außerdem 26 Franzosen verletzt, mindestens elf von ihnen schwer. Weitere Verletzte kommen unter anderem aus Belgien, Großbritannien, Österreich, Irland, den Niederlanden, Russland und der Türkei. Beim Anschlag in Cambrils wurden - neben der getöteten Frau - sechs Menschen verletzt, unter ihnen ein Polizist.

  • 14:13

    +++ Attentäter womöglich schon in Cambrils erschossen +++

  • 14:12

    Drei Marokkaner unter den vier Festgenommenen

    Die katalanische Polizei hat nach dem Terroranschlag in Barcelona und einem mutmaßlich vereitelten Angriff in einem Urlaubsort drei Marokkaner und einen Mann aus der spanischen Nordafrika-Exklave Melilla festgenommen.

    Der Hauptverdächtige, der am Donnerstag mit einem Lieferwagen in der Innenstadt von Barcelona mindestens 13 Menschen tötete, sei nicht darunter, teilte Polizeichef Josep Lluís Trapero am Freitag auf einer Pressekonferenz mit. Die vier Festgenommenen seien 21, 27,34 und 38 Jahre alt.

  • 12:44

    Touristiker erwarten keine Stornierungsflut

    Die Touristenzahlen brachen in Spanien zuletzt alle Rekorde. Der Terroranschlag auf die beliebte Metropole Barcelona könnte nun jedoch für Verunsicherung sorgen. Die Reisebranche rechnet vorerst aber nicht mit einer Stornierungswelle. Das Land war bis dato das beliebteste Reiseziel in der EU und galt als sicherer Hafen für Urlauber, die der Türkei und Co heuer den Rücken kehren wollten.

    Im internationalem Ranking der wettbewerbsfähigsten Tourismusdestinationen des World Economic Forum thront Spanien seit Jahren auf Platz eins. 2016 war es Reiseziel für fast 75 Millionen internationale Urlauber, die Zahl der ausländischen Touristen stieg damit im Vergleich zum Jahr davor laut der Welttourismus-Organisation der UNO um zehn Prozent. Allein im letzten August reisten demnach 10,1 Millionen ausländische Touristen ins Land. Jeder Urlauber gab durchschnittlich 800 Euro während seines Aufenthalts aus, insgesamt ließen die Gäste gut 60 Mrd. Euro in dem Land.

    Barcelona unter Top-Destinationen

    2017 wird ein weiterer massiver Anstieg auf 84 Millionen Touristen für ganz Spanien erwartet. "Dies ist sicher auch ein Effekt der Tourismuskrisen in der Türkei und Nordafrika", so Andreas Schmid, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Barcelona, zur APA.

    Auch Barcelona vermeldete in den vergangenen Jahren Besucherrekorde. Die katalanische Hauptstadt zählt zu den Top-Destinationen bei Städtetrips in Europa.

  • 12:10

    Islamische Gemeinde verurteilt Tat

    Auch die Türkische Kulturgemeinde Österreich (TKG) verurteilte den "abscheulichen Terror" und erklärte in diesen Stunden mit den Gedanken bei den Angehörigen der Todesopfer und den Verletzten zu sein. Die TKG forderte in einer Aussendung, sofort die Terroristen und diejenigen Kräfte, die hinter diesem Terror stehen, ausfindig zu machen. "Man kann diesen Terror nicht auf einen Namen oder eine Richtung reduzieren, weil dieser Terror mehrere Mütter und Väter hat. Hinter diesem Terror in Barcelona stecken mehrere Kräfte im In-und Ausland."

    Der Zentralrat der Muslime in Deutschland meldete sich ebenfalls zu Wort. "Wir sind entsetzt über den Anschlag und trauern mit den Hinterbliebenen und beten für die Opfer. Es gibt in keiner Religion eine Rechtfertigung für solche Taten", erklärte der Vorsitzende Aiman Mazyek laut Nachrichtenagentur dpa am Freitag in Berlin. Die Morde hätten nur das Ziel, einen Keil zwischen die Religionen und Kulturen zu treiben. Den Taten der Terroristen in Barcelona gelte Verachtung, ebenso allen anderen Verbrechern und Terroristen der Welt. "Jedoch werden die überwältigende Mehrheit der friedlichen Gläubigen und die überwältigende Mehrheit der Menschen mit oder keiner Religion sich nicht auf den dunklen Pfad des Hasses und der Zwietracht einlassen."

  • 11:53

    Polizei soll zur Aufstellung von Pollern geraten haben

    Das spanische Innenministerium und die Polizeiführung haben die Verantwortlichen in Barcelona schon vor Monaten vor der Gefahr eines Terroranschlags auf der Flaniermeile Las Ramblas gewarnt. Die Stadtverwaltung sei der Empfehlung, Poller an den Rändern des Boulevards aufzustellen, aber nicht gefolgt, berichtete die spanische Presse am Freitag übereinstimmend. Die Stadtoberen hätten stattdessen entschieden, die Polizeipatrouillen auf den Ramblas zu verstärken. Die Empfehlung zur Aufstellung von Pollern hatte das Madrider Ministerium aufgrund der Erfahrungen bei den Anschlägen in Nizza und Berlin ausgesprochen. Die Stadtverwaltung von Barcelona wies demgegenüber nach Medienberichten darauf hin, dass es praktisch unmöglich sei, den Boulevard komplett mit Pollern abzusichern, weil die Straße für Feuerwehreinsätze offen bleiben müsse. Bürgermeisterin Ada Colau wurde in der Zeitung El País mit den Worten zitiert: „Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht.“

  • 11:40

    Update zur Herkunft der Toten und Verletzten

    Die Opfer der Anschläge von Barcelona und Cambrils stammen vermutlich aus 34 Ländern. Die Zahl sei noch vorläufig, teilten die katalanischen Rettungsdienste am Freitag auf Twitter mit. Wie viele Opfer jeweils aus welchem Land stammen, war noch ungewiss.

  • 11:52

    Vierte Festnahme

    Die Polizei hat nach dem Terroranschlag von Barcelona einen vierten Verdächtigen festgenommen. Dies teilten die Sicherheitskräfte auf Twitter mit, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

  • 11:54

  • 11:26

    Erste Opfer identifiziert

    Die ersten Todesopfer sind identifiziert worden. Es handele sich um einen 60-jährigen Mann aus Lanteira in der Nähe des andalusischen Granada, seinen minderjährigen Sohn und eine Nichte seiner Ehefrau, zitierte die Zeitung „El País“ die Bürgermeisterin der Gemeinde. Die Ehefrau sei schwer verletzt worden.

  • 11:25

    Kondolenzbuch liegt in Wien auf

    Die Vertretung der Regierung Kataloniens in Österreich hat am Freitag vor ihrem Sitz in Wien um 12 Uhr Mittag eine Schweigeminute für die Opfer abgehalten. Es wurden Rosen, Kerzen und Kondolenzkarten niedergelegt.

    Adam Casals, Gesandter und Leiter der Delegation der katalanischen Regierung in Österreich erklärte am Rande der Veranstaltung, es sei "unfassbar, dass so etwas passiert ist". Barcelona gehöre nun zur Liste der Städte, wo solche schrecklichen Anschläge verübt worden seien. "Wir lassen uns nicht vom Terror einschüchtern. Barcelona wird weiterhin eine gastfreundliche und freundliche Stadt bleiben", erklärte Casals. Er war zudem dankbar für die vielen Solidaritätsbekundungen. "Katalonien fühlt sich von Österreich umarmt", sagte der Gesandte der katalanischen Regierung.

    Nach der Schweigeminute lag in den Räumlichkeiten der Regierungsvertretung ein Kondolenzbuch für alle Teilnehmer bereit. An der Veranstaltung waren rund 20 Personen beteiligt, viele von ihnen Spanier und Katalanen - man erkundigte sich, ob es den Familien gut gehe.

  • 11:14

    Bilder von der Schweigeminute auf der Plaça de Catalunya

  • 10:56

    "Es sieht so aus, als ob das 'normale' Leben wieder die Stadt bestimmt", berichtet Philipp Albrechtsberger aus Barcelona. "Die Kundgebung ist aufgelöst, die Sperren werden rasch abgebaut." Dutzende TV-Teams haben sich auf dem Boulevard Las Ramblas positioniert. Der Markt "La Boqueria" sei heute allerdings geschlossen.

  • 10:37

    Zahl der Toten auf 14 gestiegen

    Die Zahl der Toten des Anschlags von Barcelona steigt auf 14. Das teilten Rettungsdienste am Freitag mit. Bei dem Terroranschlag sind auch zwei Italiener ums Leben gekommen. "Wir haben die effektive Bestätigung zweier italienischer Opfer", sagte der Chef des Krisenstabs im Außenministerium in Rom, Stefano Verrecchia, am Freitag vor Journalisten. Drei weitere Italiener seien bei der Attacke verletzt worden. Die Namen der Opfer nannte Verrecchia nicht.

  • 10:19

    no tinc por - Ich habe keine Angst

    Barcelona sammelt sich zur Trauer. Am Vormittag sind Tausende zum Plaça Cataluña geströmt, berichtet KURIER-Reporter Philipp Albrechtsberger aus der katalanischen Metropole. Immer wieder werde geklatscht, die Stimmung sei friedlich, aber angespannt. Auf Katalanisch skandieren die Menschen "Ich habe keine Angst" = no tinc por.

  • 09:48

    Inzwischen werden auch immer mehr Details zu den Opfern bekannt. 119 Personen wurden verletzt - 15 davon schwer. Eine Österreicherin liegt leicht verletzt in einem spanischen Krankenhaus, heimische Todesopfer hat es nicht gegeben. Unter den Verletzten des gestrigen Anschlags sind auch 13 Deutsche. Bei einigen von ihnen seien die Verletzungen so schwer, dass sie in Lebensgefahr schwebten, teilte das Auswärtige Amt heute mit. Ob auch Deutsche unter den Toten sind, sei derzeit nicht klar, könne aber nicht ausgeschlossen werden.

  • 09:29

    KURIER-Reporter vor Ort

    "Barcelona hat das Leben wieder aufgenommen, Bars und Cafes sind geöffnet und besucht", schildert KURIER-Journalist Philipp Albrechtsberger seine ersten Eindrücke bei der Fahrt in die katalanische Metropole. Der Verkehr sei normal, "einzig auf der Küstenautobahn, die am Mittelmeer entlang Richtung Süden führt, kontrolliert die Polizei alle Autos, die aus Barcelona raus wollen."

  • 08:49

    Barcelona war kein Zufall

    Experten halten insbesondere Barcelona für den Hotspot des Dschihadismus in Spanien. Die Hälfte der salafistischen Gemeinden, die als Horte der Radikalisierung gelten, sind in Barcelona. Und: Die Bedrohung gehe weniger von sogenannten "Foreign Fighters" aus, die in Syrien für die IS kämpften - davon gebe es nämlich in Spanien nur rund 100 Personen -, sondern von der heimischen Szene. Inwieweit der Anschlag in das Muster des IS passt und wie spanische Behörden gegen die heimische Salafistenszene vorgehen, lesen Sie hier.

  • 08:45

    Fahndung nach neuem Hauptverdächtigen

    Die spanische Polizei fahndet nach dem Terroranschlag in Barcelona laut einem Zeitungsbericht nach einem neuen Hauptverdächtigen. Es handle sich um den 17-jährigen Moussa O., dem jüngeren Bruder des bereits am Donnerstag inhaftierten Driss O. (Bild unten), berichtete die Zeitung "El Mundo" unter Berufung auf die Sicherheitskräfte. Der Verdächtige soll nach der Todesfahrt zu Fuß geflüchtet sein.

    Der Minderjährige Moussa hat dem Bericht zufolge seinem Bruder seinen Pass gestohlen und unter dessen Namen den Transporter angemietet. Das habe auch Driss O. gegenüber der Polizei bestätigt.