Politik | Ausland
17.08.2017

Terror in Barcelona: "Er hat einfach alles plattgewalzt"

Terroristen rasten mit einem Lieferwagen im Zick-Zack über die Touristenmeile Las Ramblas. Es gab Dutzende Tote und Verletzte. Zwei Verdächtige wurden verhaftet. Der IS bekannte sich zum Anschlag.

Die Kellnerin des Hotels Lloret Rambles kann noch immer nicht fassen, was sich vor ihren Augen abgespielt hat. "Der ist einfach mitten durch die Fußgängerzone gerast und hat einfach alles plattgewalzt", erzählt Rebecca der spanischen Zeitung LaVanguardia. Die Ramblas, weltberühmte Touristenmeile im Herzen der katalanischen Metropole Barcelona wurde Donnerstagabend zum Schauplatz eines verheerenden Terroranschlages. Und wieder bedienten sich die Täter jener schrecklichen, aber leicht verfügbaren Tatwaffe, die schon in Nizza oder Berlin Dutzende Menschen das Leben gekostet hatte: ein Auto.

Und damit nicht genug: Am Abend wurden zwei Polizisten bei einem der Checkpoints niedergefahren, die nach dem tödlichen Attentat eingerichtet wurden. Und in der Küstenstadt Cambrils nahe Barcelona wurden fünf mutmassliche Attentäter bei ihrer Verhaftung getötet. Auch sie sollen einen Anschlag mit einem Lieferwagen geplant haben. Zudem trugen sie nach Berichten Sprengstoffgürtel. Mehr dazu finden SieHIER.

In Barcelona war es jedenfalls ein weißer Lieferwagen, mit dem die mutmaßlich zwei Attentäter gegen 17 Uhr bei der Placa Catalunya in hohem Tempo auf die Ramblas einbogen und von dort etwa 600 Meter durch die Menschenmenge rasten. Ein Tourist sagte, das Fahrzeug sei Zickzack gefahren, "um ein Maximum an Fußgängern zu erwischen".


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Über die Opferbilanz des Anschlages gab es vorerst widersprüchliche Berichte. Am Abend bestätigte der katalanische Innenminister Joaquim Forn dann Medienberichte von mindestens 13 Toten und über 50 Verletzten, später war von mehr als 80 Verletzten die Rede. Österreicher waren laut erster Stellungnahme des Außenamts in Wien nicht darunter.

Zweiter Lieferwagen

Die Täter waren offenbar bestens vorbereitet. Sie hatten bei einer Mietwagenfirma offensichtlich zwei gleichartige Lieferwagen bestellt. Der zweite Wagen kam nicht zum Einsatz. Er wurde Stunden nach dem Anschlag in der Vorstadt von Barcelona entdeckt.

Nachdem die beiden ihre Todesfahrt beendet hatten, verließen sie das Fahrzeug und flüchteten zu Fuß weiter. In dem Auto wurde ein spanischer Reisepass gefunden. Der Besitzer soll in Melilla, der spanischen Exklave in Afrika, oder in Marokko geboren sein. Ein erster Hinweis auf die Identität der beiden Terroristen.

Zwei Verhaftungen

Berichte, sie hätten sich nach der Tat in einem türkischen Restaurant an den Ramblas verschanzt, wurden von der Polizei dementiert. Dafür meldete die Polizei zunächst die Festnahme eines Verdächtigen namens Driss Oukabir. Die Rolle des offensichtlich polizeibekannten Mannes bei dem Anschlag war vorerst unklar, möglicherweise war er derjenige, der das Tat-Auto gemietet hatte. Er komme aus Marseille und habe nordafrikanische Wurzeln, berichteten La Vanguardia und das spanische Fernsehen TVE unter Berufung auf Polizeikreise. Später gab der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont bekannt, dass zwei Verdächtige festgenommen worden seien. Berichte von La Vanguardia, wonach einer der beiden Täter bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet worden sei, wurden zunächst nicht bestätigt. Bestätigen konnte die Polizei nur, dass es sich bei den beiden Männern nicht um den Fahrer des Fahrzeugs handelt.

Anschlag in Barcelona: Chaos auf der Rambla

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In der spanischen Großstadt Barcelona ist am Donnerstag ein Kleintransporter in der Fußgängerzone "La Rambla" in eine Gruppe von Dutzenden Menschen gefahren.

Die Täter benutzten einen weißen Lieferwagen, den sie zuvor bei einem Verleih gemietet hatten.

Dutzende Menschen wurden verletzt, Medien berichten von bis zu 13 Toten. Die genaue Opferbilanz ist noch nicht klar.

Die Zeitung "El Pais" berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, der Fahrer des Wagens sei zu Fuß geflüchtet.

Medien berichteten ferner, in Barcelona hätten zwei bewaffnete Männer nach dem Zwischenfall ein Restaurant betreten und hätten sich dort verschanzt. Ministerpräsident Mariano Rajoy erklärte, die Regierung stehe mit allen Behörden in Barcelona in Kontakt.

Auf dem bekannten Markt "La Boqueria" hat es nach Angaben der Zeitung "El Periodico" eine Schießerei gegeben.

Ob die Vorfälle in Verbindung standen, war zunächst unklar.

Europäische Metropolen sind in den vergangenen Jahren immer stärker ins Fadenkreuz von Terroristen gerückt.

In Berlin, Nizza und London sind islamistische Attentate mit Lastwagen oder Kleintransportern als Waffen verübt worden.

In Madrid hatten Islamisten im März 2004 Sprengsätze in Nahverkehrszügen gezündet.

Dabei starben 191 Menschen, mehr als 1800 wurden verletzt.

Die Behörden von Barcelona reagierten rasch. Schon Minuten nach dem Anschlag war etwa ein Dutzend Rettungsautos vor Ort. Die Gegend rund um den Schauplatz des Attentats wurde großräumig abgesperrt. Geschäfte und Hotels wurden evakuiert. Umliegende U–Bahn-Stationen und nahe gelegene Bahnhöfe wurden gesperrt. Die Polizei rief die Bewohner im Stadtzentrum auf, nicht auf die Straße zu gehen. Auch bat man Menschen am Schauplatz, die unverletzt geblieben waren, sich über die sozialen Medien bei ihren Verwandten zu melden, um eine Überlastung der Telefone zu vermeiden.

IS bekennt sich

Die Extremisten-Miliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte über die ihr nahestehenden Nachrichtenagentur Amak den Anschlag für sich.Die auf dschihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group berichtete, dass Anhänger des IS in sozialen Netzwerken den Anschlag ähnlich feierten wie seinerzeit die Attacke auf ein Konzert in Manchester. Sie veröffentlichten Fotos, frühere Warnungen und Lobeshymnen.

Haltet durch & seid stark. Wir lieben euch

US–Präsident Donald Trump hat den Anschlag via Twitter verurteilt und Spanien gleichzeitig Hilfe angeboten. "Haltet durch & seid stark. Wir lieben euch. " Zuvor hatte First Lady Melania Trump "Gedanken und Gebete für Barcelona" getwittert.

Kremlchef Wladimir Putin hat die Bereitschaft zum gemeinsamen Kampf gegen den Terror bekräftigt. "Der Vorfall bestätigt einmal mehr die Notwendigkeit, dass die gesamten Weltengemeinschaft sich im kompromisslosen Kampf gegen die Kräfte des Terrors vereinigen muss." Papst Franziskus hat den Opfern seine Anteilnahme ausgedrückt. Der Papst verfolge mit "großer Sorge", was in Barcelona passiere, erklärte ein Vatikan-Sprecher. "Der Papst betet für die Opfer dieses Attentates und möchte dem ganzen spanischen Volk seine Nähe ausdrücken, besonders den Verletzten und den Familien der Opfer."

Der deutsche Bundesinnenminister Thomas de Maizière ( CDU) hat sich ähnlich geäußert. "Ich bin tief erschüttert über die schrecklichen Nachrichten aus Barcelona. Erneut hat der Terror seine hässliche Fratze gezeigt. In tiefer Trauer bin ich bei den Opfern und deren Angehörigen. Unsere Solidarität gilt dem spanischen Volk."

Bundeskanzler Christian Kern ( SPÖ) und Außenminister Sebastian Kurz ( ÖVP) sprachen via Twitter wortident von "schrecklichen Nachrichten aus Barcelona". Ihre Gedanken seien bei den Betroffenen, betonten die beiden unabhängig voneinander. Kurz verurteilte darüber hinaus "diesen brutalen Terrorakt gegen Unschuldige" zutiefst. FPÖ-Generalsekretäre Harald Vilimsky erklärte auf Facebook lediglich: "Man darf gespannt sein, wer die Täter sind".

Die Vizepräsidentin des EU-Parlaments und Grüne Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek zeigte Mitgefühl. "Menschen voller Lebensfreude als Ziel eines perfiden Anschlags zu wählen, ist ein verachtungswürdiger Akt der Grausamkeit". Tiefe Betroffenheit äußerten auch die NEOS. Vorsitzender Matthias Strolz sagte: "Wir trauern um die Opfer dieses schrecklichen Ereignisses und sind in Gedanken bei den Verletzten und Angehörigen".

Auch Weltfußballer Cristiano Ronaldo und die beiden spanischen Spitzenvereine FC Barcelona und Real Madrid haben ihr Mitgefühl ausgedrückt.