Syrische Rebellen

© APA/AFP/NAZEER AL-KHATIB

Das Blutvergießen nimmt kein Ende
03/17/2017

Das Blutvergießen nimmt kein Ende

In diesen Tagen jährt sich der syrische Bürgerkrieg zum sechsten Mal. Damit wütet er schon länger als der Zweite Weltkrieg.

von Jürgen Klatzer

Die Hoffnung auf ein Ende des Kriegs haben viele schon aufgegeben. Die Menschen in Syrien trauen nichts und niemanden mehr. Weder dem Regime und seinen Verbündeten noch der Opposition oder der internationalen Gemeinschaft. Menschenrechte existieren für viele Syrer nicht mehr. Sie sind erloschen wie das Licht am Ende des Tunnels.

Seit nunmehr sechs Jahren wütet der blutige Bürgerkrieg in Syrien. Täglich wird über Explosionen, Tote und Verletzte berichtet. Bilder können nur einen Teil des Schreckens zeigen. Blut überall, am Boden, an der Hausmauer, an herumliegenden Kleidungsstücken und Trümmern. Die Straßen sind verstaubt, die Häuser zerbombt. Wer hätte sich vor sechs Jahren gedacht, dass das Land regelrecht implodiert? Dass Millionen Menschen ihre Heimat verlassen und Hunderttausende sterben müssen? Sowohl Erwachsene als auch Kinder. Der Krieg macht vor niemandem Halt.

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Die Geschichte ist bekannt. Es begann am 15. März 2011, als Hunderte in Damaskus auf die Straße zogen. Sie setzten eine Protestwelle gegen den syrischen Machthaber Bashar al-Assad in Gang. Er reagierte mit Waffengewalt, Hunderte mussten ihr Leben lassen. Es entwickelte sich ein blutiger Krieg mit vielen Fronten. Nicht einmal die UNO, die Hüterin der Menschenrechte, konnte den tobenden Konflikt beenden.

Russland und China verhinderten im Oktober 2011 eine UN-Resolution zur Verurteilung der Regierung von Präsident Assad und blockierten in den folgenden Monaten weitere. Als 2013 mehr als 1.400 Menschen durch den Einsatz von Chemiewaffen gestorben sind, reicht es der Gemeinschaft. Der UN-Sicherheitsrat fordert Damaskus zur Vernichtung der Waffen auf. Die Regierung zerstörte ihre Produktionsstätten - das war aber nicht das Aus der Gas-Angriffe.

Hinzu kamen noch Milizen, Rebellen und die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), die mit der kaltblütigen Ermordung des US-Journalisten James Foley im August 2014 die Welt in eine Schockstarre versetzte. Die Dschihadisten veröffentlichten ein Video der Enthauptung im Internet. Viele Medien wussten nicht, wie sie darauf reagieren sollten. Einige teilten es, wenige setzten sich gegen die Propaganda von Anfang an zu Wehr.

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Die USA bombardierten nach der Ermordung des Journalisten Stellungen der Terrormiliz in Nordostsyrien. Am Boden kämpften Kurden Monate lang um die Stadt Kobane – und konnten sie schließlich befreien. Ein Hoffnungsschimmer in einer immerwährenden Dunkelheit.

Ein undurchsichtiger Kampf

Friedenskonferenzen in Genf scheiterten, immer mehr Akteure mischten sich in den Bürgerkrieg ein (siehe unten). Im Herbst 2015 auch Russland. Der Verbündete Assads begann mit Luftangriffe. Nach russischen Angaben auf IS-Stellungen, nach westlicher Darstellung auf gemäßigte Rebellengruppen. Nach den Anschlägen in Paris im November 2015 flogen auch französische Kampfjets über Syrien. Seit August 2016 greift auch die Türkei militärisch ein.

Hunderttausende Menschen flohen schon aus Syrien. Laut einer Studie der Nichtregierungsorganisation SCPR sind in dem Krieg bislang 470.000 Menschen getötet worden, 45 Prozent der Bevölkerung wurden vertrieben.

Sechs Jahre syrischer BürgerkriegCreate line charts

Aleppo gehörte zuletzt zu den am schwersten umkämpften Gebieten in Syrien. Via Soziale Medien meldeten sich Syrer zu Wort, die es nicht mehr aus der ehemaligen Handelsmetropole rausgeschafft haben. Am 15. November erklärte Assad Aleppo für befreit, das Regime kontrolliert die Stadt nun wieder.

Im Januar 2017 einigten sich Russland, der Iran und die Türkei, einen neuen Waffenstillstand durchsetzen zu wollen, der kaum hält. Weitere Friedensgespräche kommen bislang nicht voran.

Am präzisesten hat es wohl Zeid Ra'ad al Hussein, UNO-Menschenrechtskommissar, vor wenigen Tagen formuliert: "In gewissem Sinne ist das ganze Land inzwischen zu einer Folterkammer geworden, ein Ort des grausamen Horrors und absoluten Unrechts."

An injured woman reacts at a site hit by airstrike

People walk as they flee deeper into the remaining

Smoke rises following a Syrian government air stri…

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Children walk together as they flee deeper into th

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Damaged buildings are seen in the government-held

TOPSHOT-SYRIA-CONFLICT

Ausländische Mächte mischen kräftig mit

REGIERUNG: Anhänger von Präsident Bashar al-Assad beherrschen die großen Städte des Landes. Syriens Armee hat im langen Krieg sehr gelitten, konnte die Rebellen aber dank massiver russischer und iranischer Hilfe in vielen Gebieten zurückdrängen, unter anderem aus der Großstadt Aleppo. Assad sitzt derzeit fest im Sattel.

REBELLEN: Sie sind vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. Ihr Spektrum reicht von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten. Zu diesen gehören die mächtigen Gruppen Ahrar al-Sham und Jaysh al-Islam. Moskau ist von seiner Forderung abgerückt, diese beiden auf die Terrorliste zu setzen. Jaysh al-Islam wird in Genf an den Verhandlungen teilnehmen.

POLITISCHE OPPOSITION: Sie ist zersplittert. Das wichtigste Oppositionsbündnis ist die Syrische Nationale Koalition in Istanbul, die in Genf mit Repräsentanten vertreten sein wird.

"ISLAMISCHER STAAT" (IS): Die Terrormiliz beherrscht im Norden und Osten weiterhin riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in den vergangenen Monaten mehrere Niederlagen einstecken. Sie sind an keinerlei Verhandlungen beteiligt. Für sie und andere Terrorgruppen gilt auch die landesweite Waffenruhe nicht.

Al-KAIDA: Auch die Al-Kaida-nahe Fatah-al-Sham-Front (vormals: Al-Nusra-Front) ist von der Feuerpause aufgenommen. Sie hat sich mit anderen Gruppen zu einer Allianz zusammengetan und kämpft mit anderen Rebellen um die Vorherrschaft im Nordwesten Syriens.

DIE KURDEN: Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Allerdings sind weder die wichtigste Kurdenpartei PYD noch die größte Kurdenmiliz YPG in Genf dabei. Die Türkei betrachtet sie als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie deshalb.

RUSSLAND: Moskau ist wichtigster Verbündeter der Regierung. Seit September 2015 fliegt auch Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien. Sie richten sich gegen den IS ebenso wie gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind.

IRAN: Teheran ist ein treuer Unterstützer der Assad-Regierung. Iraner kämpfen an der Seite der syrischen Soldaten. Auch die von Teheran finanzierte libanesische Schiitenmiliz Hisbollah sowie andere bewaffnete Gruppen sind in Syrien an Assads Seite im Einsatz.

DIE TÜRKEI: Sie ist mittlerweile der einflussreichste Partner der Rebellen. Ankara war neben Moskau maßgeblich daran beteiligt, dass es zu einer neuen Waffenruhe kam. Türkische Truppen sind in Nordsyrien im Einsatz, wo sie Rebellen im Kampf gegen den IS unterstützen.

DIE USA UND DER WESTEN: Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. In den jetzigen Verhandlungen spielt der Westen nur eine Nebenrolle.

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