OE-HOO Avcon Jet Bombardier BD-100-1A10 Challenger 300 Photo ID: 292657

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Kasachen-Affäre
07/20/2013

Politische Verwerfungen um illegalen Flug

Die Verschleppung von zwei Kasachinnen aus Italien mit einem Austro-Jet war illegal. Die Eigentümerverhältnisse des Fliegers deuten auf einen politischen Hintergrund hin.

von Wilhelm Theuretsbacher

Die Verschleppung der Ehefrau und der sechsjährigen Tochter eines kasachischen Dissidenten mit dem Privatjet einer österreichischen Firma aus Rom nach Kasachstan hätte in Italien beinahe die Regierung gekippt. Die italienische Politik konnte sich nun auf ein angebliches Fehlverhalten der Polizei ausreden. Das Wiener Bedarfsflugunternehmen, das ebenfalls ein auffallendes Naheverhältnis zur Politik hat, ist seither auf Tauchstation.

Am 31. März stürmte ein Kommando der italienischen Geheimpolizei eine Villa im römischen Vorort Casal Palocco. Angeblich suchten sie den kasachischen Oligarchen Mukhtar Abliasow. Der wird zwar von den Kasachen per Haftbefehl gesucht. Doch er genießt in Großbritannien politisches Asyl. Nachdem Ablisov nicht anwesend war, wurden unter einem Vorwand seine Frau Alma Schalabajewa und die Tochter Alua festgenommen und mit einem Privatjet nach Astana verbracht.

Es handelte sich um einen Business-Jet vom Typ Bombardier mit der Kennung OE-HOO, eingesetzt vom Wiener Bedarfsflugunternehmen AVCON. Angehörige hatten schon während der Aktion in Rom den Verdacht ausgesprochen, dass es sich hier um eine Entführung handeln würde. Ein AVCON-Sprecher verlautbarte damals aber, dass alles in Ordnung sei, und auch das österreichische Innenministerium über den Flug informiert sei. Das ist schwer missverständlich. Denn das Innenministerium wurde nicht von AVCON informiert, sondern von hilfesuchenden Angehörigen, die den Flug stoppen wollten.

Illegale Methoden

Die Affäre in Italien wirft auch ein Schlaglicht auf kasachische Umtriebe in Wien. Hier versucht die kasachische Regierung ganz offen, auf die Justiz Druck auszuüben, den ehemaligen Botschafter Rakhat Aliyev hinter Gitter zu setzen. Parallel dazu macht der kasachische Geheimdienst KNB mit hohem Personalaufwand und illegalen Methoden Jagd auf Aliyev und dessen Mitarbeiter. Es hat schon mehrere allerdings erfolglose Entführungsversuche gegeben. In der Grauzone dieser Geheimdienstumtriebe werden immer wieder Namen von früheren, österreichischen Politikern genannt.

Eine juristische Speerspitze der Kasachen ist der SPÖ-Spitzen-Advokat Gabriel Lansky. Der SP-Altbundeskanzler Alfred Gusenbauer hat einen Beratungsvertrag mit der kasachischen Regierung, sieht sich jetzt aber mit Spionagevorwürfen konfrontiert. Auch der frühere SP-Wehrsprecher Anton Gaal kam in die Bredouille. Er konnte aber dem Gericht glaubhaft machen, dass seine Bekanntschaft mit einem mutmaßlichen kasachischen Drahtzieher in einer Wiener Entführungsaffäre eine rein zufällige sei – und die Bekanntschaft zu einem Ex-Heeresagenten, der für den Kasachen spionierte, ebenfalls.

Auffällige Bombardier

Bei der Affäre in Italien ist besonders auffällig, dass ein österreichischer Flieger gebucht wurde. Denn normalerweise hat der abschiebende Staat den Flieger zu organisieren. Nach italienischen Medienberichten haben aber die Kasachen die „Bombardier Challenger 300“ in Wien angemietet.

Ein Blick ins Firmenbuch der AVCON offenbart nun ebenfalls frühere SP-Promis. Da firmiert der russischstämmige Andrei Kotchetkov als Mitglied des Aufsichtsrates. Der sorgte vor einigen Jahren für Schlagzeilen, als er mit dem ehemaligen SP-Innenminister Franz Löschnak eine Bank gründen wollte. Das scheiterte an der Finanzmarktaufsicht.

Nach dem gescheiterten Engagement mit Franz Löschnak engagiert sich Kotchetkov nun mit dem früheren Löschnak-Kollegen Andreas Staribacher in der Fliegerei. Denn der war damals Finanzminister, jetzt ist er Aufsichtsratsvorsitzender der AVCON.

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