Politik | Ausland
24.05.2017

Manchester: Neue Anschläge befürchtet, drei weitere Festnahmen

Bei dem Terroranschlag auf ein Popkonzert der US-Sängerin Ariana Grande sind im britischen Manchester am Montagabend mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen und 59 weitere verletzt worden.

Nach dem Selbstmordanschlag von Manchester hat Großbritannien erstmals seit 2007 die Terror-Warnstufe angehoben. Dies bedeute, dass ein weiterer Anschlag unmittelbar bevorstehen könne. Die Bedrohungslage werde auf Basis der Ermittlungen nun als kritisch eingestuft, sagte Premierministerin Theresa May.

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Zudem soll die Armee die Polizei im Inland entlasten, Soldaten sollen zusätzlich zu Polizisten etwa bei Großveranstaltungen für Sicherheit sorgen. Die Polizei habe die Unterstützung durch die Streitkräfte beantragt, sagte May. Man dürfte nicht ignorieren, dass womöglich eine größere Gruppe von Einzelpersonen in den Anschlag vom Montagabend verwickelt sei. Der Chef der Anti-Terror-Polizei, Mark Rowley, sagte, die Entscheidung, die Warnstufe zu erhöhen, sei eine Vorsichtsmaßnahme.

Abedi war vermutlich in Syrien

Was den Attentäter selbst betrifft, so geht die Polizei davon aus, dass es sich dabei um den 22-jährigen Salman Abedi handelt. Bereits am Dienstag nahm die Polizei einen 23-Jährigen fest, bei dem es sich um den Bruder des Hauptverdächtigen handeln soll, am Mittwoch wurden drei weitere Verdächtige festgenommen. Genauere Angaben zu den Hintergründen gibt es noch nicht.

Laut Informationen des französischen Innenministers Gérard Collom war Abedi, dessen Eltern Medienberichten zufolge 1994 aus Libyen nach England kamen, zuletzt auch in Syrien (mehr Infos zu Salman Abedi).

Der sogenannte "Islamischer Staat" (IS) reklamierte das schwerste Attentat in Großbritannien seit zwölf Jahren, bei dem am Montagabend 22 Menschen - darunter auch viele Kinder - getötet wurden für sich. Ungereimtheiten in den Angaben der Extremisten-Miliz ließen jedoch Zweifel aufkommen, ob sie wirklich verantwortlich ist. In der Vergangenheit haben sich einige IS-Bekenntnisse als falsch erwiesen.

Manchester: Neue Anschläge befürchtet, drei weitere Festnahmen

  • 11:19

  • 10:53

    Paris-Attentäter hatten Anschlag in England erwogen

    Die Pariser Attentäter vom 13. November 2015 hatten nach Angaben des französischen Innenministers zeitweise auch erwogen, in Großbritannien zuzuschlagen. „Was man sagt ist, dass sie gezögert hatten, Frankreich zu treffen oder Großbritannien“, sagte Gérard Collomb am Mittwoch in einem Interview des Senders BFMTV. Das Ziel der Terrormiliz Islamischer Staat habe zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig festgestanden. „In der Tat, das hätte in Großbritannien geschehen können.“
    Drei Terrorkommandos hatten am 13. November 2015 bei Anschlägen in Paris und dem Vorort Saint-Denis 130 Menschen ermordet. Es gab Verbindungen zwischen diesen Attentätern und den Islamisten, die im März 2016 in Brüssel zuschlugen und 32 Menschen töteten.

    Das investigative französische Onlineportal „Mediapart“ hatte berichtet, der mit beiden Anschlägen in Verbindung gebrachte Terrorverdächtige Mohamed Abrini sei im Sommer 2015 nach England gereist. Der seit April 2016 inhaftierte Belgier habe aber gegenüber belgischen Ermittlern ausgesagt, dass es dabei nicht darum gegangen sei, Orte für Anschläge auszukundschaften.

    Der Sprecher der Anti-Terror-Staatsanwaltschaft in Brüssel äußerte sich am Mittwoch nicht zur Frage, ob Abrini nach Großbritannien gereist sei. Er sagte aber, dass es keine Verbindung zum Anschlag von Manchester gebe. Abrini war als „Mann mit Hut“ auf Überwachungsbildern vom Anschlagsort am Brüsseler Flughafen aufgetaucht.

  • 10:26

    Wachwechsel am Buckingham-Palast fällt aus

    Nach der Erhöhung der Sicherheitsvorkehrungen in Großbritannien fällt der traditionelle Wachwechsel am Buckingham-Palast der Queen an diesem Mittwoch aus. Das teilte das britische Verteidigungsministerium mit. Polizisten, die normalerweise rund um den Wachwechsel tätig sind, können so anderweitig eingesetzt werden.

  • 10:02

    Mit den jüngsten drei Festnahmen sind nun also insgesamt vier Verdächtige in Gewahrsam. Auch diese Festnahmen seien in einem südlichen Viertel der Stadt erfolgt, wo bereits am Vortag ein junger Mann festgenommen worden war, teilte die Polizei am Mittwoch mit.  Die Beamten hätten bei den Einsätzen Haftbefehle "im Rahmen der Ermittlungen zu dem schrecklichen Anschlag von Montagabend" vollstreckt, teilte die Polizei mit. Welche Rolle die vier Festgenommenen bei der Bluttat gespielt haben könnten, blieb zunächst offen.

     

  • 09:53

    EU-Kommission gedenkt mit Schweigeminute

     Mit einer Schweigeminute haben die Mitglieder der EU-Kommission am Mittwoch der Opfer des Anschlags von Manchester gedacht. Behördensprecher Margaritis Schinas verbreitete dazu über Twitter ein Foto, das Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker stehend im Kreis seiner Kommissare und Kommissarinnen zeigt. Auch die Europa-Flaggen vor dem Kommissionsgebäude hingen auf halbmast.

  • 09:46

    Van der Bellen: "Barbarisch"

    Bundespräsident Alexander Van der Bellen und der slowenische Präsident Borut Pahor haben am Mittwoch den Anschlag von Manchester in einer gemeinsamen Erklärung als "grausame und hinterhältige Terror-Attacke" verurteilt.

    "Es war ein barbarischer Angriff auf unschuldige Opfer, im Speziellen auch Kinder und Jugendliche, die einen schönen Abend bei einem Popkonzert verbringen wollten", betonten Pahor und Van der Bellen in der Erklärung, die sie zu Beginn ihrer gemeinsamen Pressekonferenz nach ihrem Treffen in Ljubljana verlasen.

    Sie betonten die "Solidarität mit dem Vereinigten Königreich" und das Mitgefühl mit den Opfern, ihren Angehörigen und Freundinnen. "Wir sollten uns nicht einschüchtern lassen und unsere gewohnten Lebensweisen beibehalten. Wir wollen unsere Zusammenarbeit stärken und gemeinsam Terrorismus und Extremismus bekämpfen", unterstrichen Pahor und Van der Bellen.

  • 09:44

    Drei weitere Festnahmen

    Der britische Rundfunksender Channel 4 meldet die Festnahme von drei weiteren Männern im Zusammenhang mit dem Anschlag von Manchester. Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass der Selbstmordattentäter möglicherweise Helfer hatte.

  • 09:34

    Etliche Verletzungen durch Nägel

    Die Bombe von Manchester war nach den Worten eines behandelnden Arztes offensichtlich auch mit Nägeln bestückt. "Die Bombe hatte wohl auch Nägel", sagte der Deutsche Stefan Schumacher, der als Neurologe in Manchester arbeitet, am Mittwoch dem Südwestrundfunk (SWR). Dies habe sich bei der Behandlung der Terroropfer gezeigt: "Da waren auch etliche Verletzungen mit Nägeln an verschiedenen Körperteilen." Sein Hospital sei spezialisiert auf Schädel-Hirn-Verletzungen, "und das sind dann natürlich auch etliche".

  • 09:27

    Trotz und Trauer

    Die "Mancunians", wie man sie in England nennt, sind ja generell bekannt dafür, sich tendenziell von niemanden nichts gefallen zu lassen - und so verhielten sich die Bewohner der (ehemaligen) Arbeiterstadt im Norden Englands auch in den vergangenen Stunden. Zu Tausenden kamen die Bürger von Manchester gestern auf dem Albert Square im Herzen ihrer Stadt zusammen, um der Opfer des Anschlags zu gedenken. Und weil sie dem Terrorismus die Stirn bieten wollen. Mit "Manchester! Manchester!"-Rufen, wie man sie sonst aus den Fußballstadien kennt - und einem emotionalen Auftritt des Dichters Tony Walsh, ganz im Spirit der Mancunians vorgetragen.

    Im Dialekt der Mancunians trug er das Gedicht "This is the place" vor, in dem es um die Gastfreundschaft und Geschichte der stolzen Industriemetropole geht. Denn: Hier entstand nicht nur der erste Bahnhof, sondern hier wurde auch der Computer erfunden: "So we're sorry, bear with us, we invented commuters. But we hope you forgive us, we invented computers." Hier sage man nicht "no can do", sondern "yes we can", betonte Walsh. "Always remember, never forget, forever Manchester. Choose Love, Manchester."

  • 09:21

    Innenminister irritiert über Informationsweitergabe aus den USA

    Die britische Innenministerin Amber Rudd hat kritisiert, dass Informationen zu dem Attentat von Manchester von US-amerikanischen Stellen aus an die Öffentlichkeit gelangt sind. Dem Sender BBC Radio 4 sagte Rudd am Mittwoch, die britische Polizei habe klargemacht, dass sie selbst den Informationsfluss kontrollieren wolle, um die Ermittlungen nicht zu gefährden. Insofern sei es „irritierend“, wenn Informationen aus anderen Quellen bekanntgegeben würden. „Und ich habe unseren Freunden ganz klar gesagt, dass das nicht noch mal passieren sollte.“

    Am Dienstag hatten britische Medien unter Berufung auf offizielle US-Stellen den Namen des mutmaßlichen Attentäters von Manchester genannt, bevor die britische Polizei dies tat.

  • 09:12

    Türkische Zeitung gibt England die Schuld

    Die regierungsnahe türkische Zeitung Yeni Akit sieht im tödlichen Anschlag von Manchester eine Folge angeblicher Terrorunterstützung durch den Westen. "Wer Wind sät, wird Sturm ernten", schrieb das islamistische Blatt am Mittwoch als Überschrift auf seiner Titelseite. Die Zeitung vertrat die Ansicht, Großbritannien sei "eines der Länder, das die Türkei im Kampf gegen Terrorismus alleine gelassen" und "Terroristen mit offenen Armen empfangen hat".

    Chefredakteur Kadir Demirel schrieb in einem Kommentar in Anlehnung an frühere Aussagen von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan: "Terrorismus ist wie ein Bumerang (...) eines Tages wird er zurückkommen und Dich auch treffen". Die türkische Regierung wirft westlichen Staaten vor, Aktivitäten der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zu dulden und Anhängern der Gülen-Bewegung Schutz zu bieten.

    Die PKK ist auch in der EU auf der Liste der Terrororganisationen, was für die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen nicht gilt. Die türkische Regierung macht Gülen für den Putschversuch vom Juli vergangenen Jahres verantwortlich.

  • 09:00

    Merkel kondoliert May

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich in einem Kondolenzschreiben an die britische Premierministerin Theresa May beeindruckt von der Solidarität in Manchester gezeigt. "Es ist besonders verwerflich und niederträchtig, dass sich dieser Anschlag offenbar gezielt gegen Kinder und Jugendliche richtete", schrieb die Kanzlerin am Mittwoch an May, wie die Bundesregierung mitteilte.

    Zugleich äußerte sie "hohe Anerkennung" für die Solidarität und die Mitmenschlichkeit, die sich nach dem Anschlag in Manchester gezeigt habe. "Dies zeigt, dass unser gesellschaftlicher Zusammenhalt und unsere friedlichen und offenen Gesellschaften stärker sind als jeder blindwütige Hass."

  • 08:41

    Pariser Minister: Abedi war wahrscheinlich in Syrien

    Der mutmaßliche Attentäter von Manchester ist nach Angaben des französischen Innenministers Gérard Collomb wahrscheinlich in Syrien gewesen. "Wir wissen heute nur das, was die britischen Ermittler uns mitgeteilt haben", sagte Collomb am Mittwoch dem Sender BFMTV. Der Brite sei libyscher Herkunft, aber in Großbritannien aufgewachsen und habe sich "plötzlich nach einer Reise nach Libyen und dann wahrscheinlich nach Syrien radikalisiert und hat entschieden, diesen Anschlag zu begehen".

  • 08:40

    Unmittelbar bevorstehende Attentate möglich

    Der mutmaßliche Attentäter von Manchester, Salman Abedi, war dem britischen Geheimdienst bekannt. Das berichtete die britische Innenministerin Amber Rudd am Mittwoch dem Nachrichtensender Sky News. "Ich bin sicher, dass wir in den nächsten Tagen und Wochen mehr Informationen über ihn bekommen werden", sagte Rudd.
    Die Regierung hatte am Dienstagabend die Terrorwarnstufe in Großbritannien auf das höchste Niveau angehoben.

    Die Sicherheitsbehörden halten ein unmittelbar bevorstehendes Attentat für möglich. Das Militär kann jetzt nach Ausrufung der höchsten Sicherheitsstufe die Polizei unterstützen. Das könnte zum Beispiel bei Großveranstaltungen in den nächsten Tagen der Fall sein, sagte Rudd in einem BBC-Interview. Nach Angaben von Scotland Yard sollen die Militärs unter anderem am Buckingham-Palast, am Parlament und vor Botschaften zum Einsatz kommen.

  • 08:37

    Frankreich verlängert Ausnahmezustand erneut

    Frankreich will den nach den IS-Anschlägen von 2015 verhängten Ausnahmezustand bis zum 1. November verlängern. Das kündigt das Präsidialamt in Paris an. In den kommenden Wochen würden zudem neue Sicherheitsmaßnahmen und -gesetze vorbereitet.

  • 08:35

    Polnisches Elternpaar unter Opfern

    Unter den Todesopfern des Terroranschlags in Manchester sind mindestens zwei Polen, ein weiterer wurde verletzt. Das teilte am Mittwoch das Außenministerium in Warschau unter Berufung auf britische Behörden mit. Bei den Toten handelt es sich demnach um ein Elternpaar, das seine beiden Töchter von dem Popkonzert abholen wollte. Die Kinder seien in Sicherheit, hieß es.

    Eines der Mädchen ist den Angaben zufolge im Teenageralter, die Schwester bereits volljährig. Sie würden von britischen Behörden und dem polnischen Konsulat betreut. Auch bei dem Verletzen handle es sich um einen Vater, dessen Familie das Konzert besucht habe. Der Mann wurde den Angaben zufolge im Krankenhaus behandelt. Weitere Angaben wollten die Behörden aus Rücksicht auf die Opfer nicht machen.

  • 08:28

    Dass auch bereits der volle Name des mutmaßlichen Attentäters bekannt ist, ist einer Indiskretion von US-Offiziellen zu verdanken. Die britische Innenministerin Amber Rudd zeigte sich heute "irritiert" darüber, dass Details der Ermittlungen zunächst im Ausland bekannt wurden.

  • 08:17

    Noch 20 Verletzte in kritischem Zustand

    Nach dem Terroranschlag in Manchester sind 20 Verletzte weiterhin in einem kritischen Zustand. Insgesamt hätten die Rettungskräfte 64 Verletzte behandelt, sagte Jon Rouse, der Chef der örtlichen Gesundheitsbehörden, dem Sender Sky News am Mittwoch. Die Ärzte behandelten unter anderem schwere Verletzungen an Armen und Beinen.

    "Das sind schwer traumatisierende Verletzungen", sagte Rouse, einige Opfer würden sehr lange brauchen, bis sie wieder ein einigermaßen normales Leben führen könnten. Einige der Opfer seien in Krankenhäuser näher an ihren Wohnorten verlegt worden. Bei dem Anschlag waren am Montagabend 22 Menschen getötet worden.

     

  • 08:01

    Internationale Pressestimmen zum Manchester-Anschlag

    The Times fordert: "Zivilisation muss terroristische Todeskulte besiegen" und De Telegraaf ist sich sicher: "Vollständige Sicherheit ist eine Illussion". Mehr Pressestimmen finden Sie hier.

  • 08:00

    "Wahrscheinlich nicht alleine gehandelt"

    Salman Abedi "ist jemand, den sie (die Behörden) gekannt haben", sagte Innenministerin Amber Rudd am Mittwoch dem Radiosender BBC. Darüber hinaus hätte der 22-jährige habe bei dem Attentat auf Konzertbesucher am Montagabend "wahrscheinlich nicht alleine gehandelt". Denn die Ausführung des Anschlags sei "anspruchsvoller gewesen als einige der Anschläge, die wir davor erlebt haben", sagte Rudd. "Ich bin sicher, dass wir bei Abschluss dieser Ermittlungen mehr herausfinden werden."