Künstlerin Soli Kiani: "Frauen werden mundtot gemacht"

Künstlerin Soli Kiani: "Frauen werden mundtot gemacht"
Die iranischstämmige Künstlerin Soli Kiani hat lange mit sich gerungen, bevor sie sich mit ihrer drastischen Kunst an die Öffentlichkeit wagte. Jetzt will sie "keine halben Sachen mehr".

Menschenrecht und Menschenwürde. Das sind die Themen der 1981 in Shiraz im Iran geborenen Künstlerin Soli Kiani. Im Kunstforum zeigt die Multimedia-Künstlerin, die seit 2000 in Wien lebt und arbeitet, nun ihre Solo-Ausstellung Ossian – Rebellion. Im Zentrum der von Lisa Ortner-Kreil kuratierten Schau stehen Arbeiten zu Unterdrückung, Zensur und Rebellion. In drastischen Bildern und Skulpturen führt sie die soziale, politische und religiöse Alltagsrealität von Menschen, die sich dem Regime im islamischen Iran nicht beugen wollen, vor Augen. Eindringlich sind etwa ihre Fotoserien: Frauengesichter, mit Gummischläuchen umwickelt oder von Plastiksäcken umhüllt – um sie zum Verschwinden zu bringen.

Mit dem KURIER sprach die Künstlerin darüber, wie sich ihr Leben in ihrem Werk widerspiegelt, was ihre Familie zu ihren Arbeiten sagt und wie sie unsere Debatten über Kopftuch und Co. empfindet. Und sie erzählt, was sie – trotz allem – am Iran vermisst.

KURIER: Sie sind im Iran geboren, leben seit mehr als 20 Jahren in Wien. Viele Ihrer Werke setzen sich mit der Unterdrückung von Frauen in der islamischen Welt auseinander. Inwiefern spiegelt sich Ihre Biografie in Ihrem Werk?

Soli Kiani: Ich habe mich erst durch die zeitliche und räumliche Distanz getraut, mich damit auseinanderzusetzen. Schon früher habe ich mich diesem Thema gewidmet, aber es nicht gewagt, an die Öffentlichkeit damit zu gehen. Mein Onkel wurde nach der islamischen Revolution aus politischen Gründen hingerichtet, und ich wollte daher lange nichts mit Politik zu tun haben.

Sind Sie deshalb nach Wien gekommen?

Nein, aus privaten Gründen. Mein damaliger Mann hat in Wien studiert, ich habe mich hier an der Universität für angewandte Kunst beworben, meine Familie ist im Iran geblieben.

Ist Ihre explizit politische Kunst ein Problem für Ihre Familie im Iran?

Jein. Vielleicht bin ich das schwarze Schaf der Familie. Als ich noch im Iran lebte, fehlte mir der Mut auszusprechen, dass ich Künstlerin werden will.

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