Tag 12: Entgegen Hegseths Ankündigung nicht "intensivster Tag der Angriffe", Containerschiff unter Beschuss

Die Lage im Iran-Krieg bleibt unübersichtlich. Wir versuchen täglich, Ihnen die wichtigsten Ereignisse der vergangenen 24 Stunden auf einen Blick zusammenzufassen.
Zerstörung in Beirut nach einem israelischen Luftangriff.

Seit 28. Februar tobt ein neuer Krieg im Nahen Osten. Israel und die USA setzen ihre Luftangriffe gegen den Iran unentwegt fort, der reagiert mit großflächigen Drohnen- und Raketenangriffen auf fast alle Staaten der Region. Dieses Briefing bietet einen Überblick über die wichtigsten Geschehnisse der letzten 24 Stunden in betroffenen Ländern.

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Iran

  • Explosionen erschütterten das Zentrum Teherans; auch in der Nähe des Flughafens Mehrabad und auf ein Bankgebäude wurden Angriffe gemeldet. Der Iran erklärte, dass US-amerikanische und israelische Streitkräfte seit Beginn des Krieges fast 10.000 zivile Ziele im Land bombardiert (der iranische Rote Halbmond spricht von 20.000) und mehr als 1.300 Zivilisten getötet haben. Ein Krankenhaus in der Stadt Buschehr soll nach Angriffen nicht weiter operieren können.
  • Der neue Oberste Führer des Irans, Mojtaba Khamenei, soll gleich bei einem der ersten US-israelischen Angriffe verletzt worden, aber "wohlauf" sein, so der Sohn des iranischen Präsidenten, Youssef Pezeshkian. Seit Beginn des Krieges und trotz seiner Ernennung zum neuen Obersten Führer ist Khamenei nicht öffentlich aufgetreten.
  • Das iranische Militär veröffentlichte Aufnahmen von Raketenstarts, die es als Welle schwerer, mit mehreren Sprengköpfen bestückter Geschosse bezeichnete, die auf den Irak, Bahrain und Israel abzielten.
  • Das US-Militär will 16 iranische Minenleger in der Straße von Hormus zerstört haben. Präsident Donald Trump hatte vor schwerwiegenden Konsequenzen gewarnt, falls die Öllieferungen durch die Straße von Hormus unterbrochen würden.
    • Warum das wichtig ist: Der hohe Erdölpreis setzt auch Trump und die USA unter Druck: Die US-Wirtschaft ist extrem ölintensiv. In den USA hängen auch die Zwischenwahlen an den Ölpreisen – und damit Trumps Macht.

USA

  • US-Kriegsminister Pete Hegseth hatte angekündigt, der gestrige Tag würde der "intensivste Tag der Angriffe" sein. Zwar gingen die Luftangriffe der USA und Israels weiter, Beobachtern zufolge waren es aber weniger als an vielen Tagen zuvor.
  • Pressesprecherin Karoline Leavitt zufolge haben die USA bisher mehr als 5.000 Ziele im Iran angegriffen, das Raketenprogramm und das Atomprogramm zerstört, um zu verhindern, dass der Iran Atomwaffen erhalte. Leavitt behauptete auch, die Operation laufe nach Plan.
  • Die Sicherheitsmaßnahmen rund um US-amerikanische Militäranlagen in Griechenland sind zuletzt deutlich verstärkt worden. Laut Medien hat der griechische Nachrichtendienst einen vertraulichen Einsatzplan aktiviert, der den Schutz strategisch wichtiger militärischer Objekte sicherstellen soll, die von US-Streitkräften genutzt werden.
    • Warum das wichtig ist: Laut einer Umfrage der US-Universität vom Wochenende lehnt etwa die Hälfte der registrierten Wähler in den USA den US-Militäreinsatz ab. Nur vier von zehn befürworten ihn, etwa jeder Zehnte ist unentschlossen. Umfragen der Washington Post und von CNN kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Mit dem Status quo haben auch Berater im Weißen Haus Medienberichten zufolge nicht gerechnet, vielmehr sei von einer "Venezuela-Aktion" ausgegangen worden. Selbst große Trump-Unterstützer wie Tucker Carlson werben offensiv dafür, diese "widerlichen und bösen" Angriffe zu beenden.

Libanon

  • Im Libanon wurden bei israelischen Luftangriffen im Stadtzentrum von Beirut mehrere Menschen getötet worden. Libanesische Medien zeigten mehrere zerstörte Stockwerke des Wohngebäudes nach dem Angriff in den frühen Morgenstunden des Mittwoch. Bisher sollen 570 Menschen im Libanon getötet worden sein.
  • Israels Armee teilte mit, sie habe erneut Ziele im Süden vom Libanon beschossen. Ziel seien Kommandozentren der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz sowie Einrichtungen, in denen die Hisbollah Waffen lagerte. Auch in der östlichen Bekaa-Ebene gingen die Angriffe weiter.
  • Dem Österreichischen Roten Kreuz (ÖRK) zufolge sind über 700.000 Menschen im Libanon auf der Flucht.
    • Warum das wichtig ist: Im Schatten des Krieges gegen das Mullah-Regime im Iran will Israel nach dem Krieg gegen die islamistische Hamas in Gaza auch die Speerspitze der "Achse des Widerstands", die Hisbollah, eliminieren. Die Miliz ist nach den Kämpfen der letzten Jahre gegen Israel, der Tötung führender Köpfe und angesichts des eigenen Krieges, den der Unterstützer Iran führt, extrem geschwächt, aber nicht besiegt.

Israel

  • Die Hisbollah-Miliz hat am Dienstagabend und in der Nacht mehrmals israelische Truppen im südlichen Libanon mit Raketen angegriffen.
  • Die iranischen Revolutionsgarden meldeten eine neue Angriffswelle auf israelische und US-Ziele und sprachen ähnlich wie Hegseth von den bisher "intensivsten und schwersten" Raketenangriffen, die drei Stunden gedauert und sich insbesondere gegen Tel Aviv, Jerusalem und Haifa im Norden Israels gerichtet hätten. Die Angriffe lösten in ganz Zentralisrael Alarm aus, die Raketen konnten aber abgefangen werden oder fielen auf unbewohntes Land herab.
  • Die Armee will Truppen aus dem Gazastreifen an die Grenze zum Libanon verlegen.
  • Die Regierung kündigte eine Aufstockung ihres Verteidigungshaushalts um 13 Milliarden US-Dollar zur Finanzierung des Krieges gegen den Iran an. Finanzminister Bezalel Smotrich bezeichnete dies als "Investition" und nicht als Ausgabe.
    • Warum das wichtig ist: Die militärischen Ausgaben Israels sind bereits in den vergangenen Jahren stark angestiegen, im Jahr 2024 um 65 Prozent auf 46,5 Milliarden US-Dollar. Allein im Jahr 2024 beliefen sich die direkten Kosten für die Militäreinsätze auf rund 28 Milliarden US-Dollar.

Golfstaaten

  • Die Internationale Energieagentur (IEA) erwägt die größte Freigabe von Ölreserven in ​ihrer Geschichte, um die wegen des ⁠US-israelischen Krieges mit Iran gestiegenen Rohölpreise zu ​senken. ​Die geplante Freigabe würde ‌die 182 Millionen ‌Barrel übertreffen, die IEA-Mitgliedstaaten 2022 nach Russlands ​Invasion der ​Ukraine auf den Markt ​brachten, berichtete das Wall Street Journal am Dienstag.
  • Die saudi-arabische Armee hat nach Angaben aus Riad mindestens sieben ballistische Raketen und neun Drohnen über seinem Territorium abgefangen. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten neue Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Iran. Die Luftverteidigung befinde sich derzeit im Einsatz, erklärte das emiratische Verteidigungsministerium, ohne ein Ziel der Angriffe zu nennen.
  • Der Außenminister von Katar, Mohammed bin Abdulaziz al-Khulaifi, sagte, die Angriffe auf Katar und die Nachbarländer müssten "unverzüglich aufhören". Zudem fühle sich Katar angesichts seiner langen Geschichte der Vermittlung zwischen Teheran und dem Westen durch die iranischen Angriffe verraten, räumte der Minister ein; er sagte, Diplomatie bleibe der einzige Weg nach vorn.
  • Vor der Küste der VAE ist ein Handelsschiff von einem mutmaßlichen Angriff des Irans getroffen worden. Ein "unbekanntes Geschoss" habe an der Einfahrt zur Straße von Hormus ein Containerschiff getroffen, meldete die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) am Mittwoch. Dabei seien Schäden entstanden, das Schiff habe vorübergehend Feuer gefangen. Die Besatzungsmitglieder seien in Sicherheit. Auch zwei Massengutfrachter wurden getroffen.
    • Warum das wichtig ist:  Zuletzt wurden im Persischen Golf, der Straße von Hormus und dem Golf von Oman immer wieder Schiffe von Geschossen getroffen. Die Gefahr durch iranische Raketen und Drohnen hat die Handelsschifffahrt in der Region seit Beginn der jüngsten Kampfhandlungen zum Erliegen gebracht; der Iran sprach auch davon, die Straße sperren zu wollen und hatte mit Verminung gedroht. Trump hatte angeboten, Tanker von der US-Marine durch die Straße eskortieren lassen. Bis Dienstagmittag gab es aber noch kein solches Geleit.

Australien

  • Insgesamt sieben iranische Fußballerinnen und Teammitglieder haben sich nach dem Asien Cup in Australien entschlossen, humanitäre Visa zu beantragen. Zuvor sei den Teammitgliedern Asyl angeboten worden. Irans Sportminister hat am Mittwoch eine WM-Teilnahme der iranischen Männer-Fußballmannschaft im Sommer bei den Spielen in den USA, Mexiko und Kanada ausgeschlossen.
    • Warum das wichtig ist: Die iranischen Fußballerinnen hatten beim ersten Gruppenspiel des Turniers nicht bei der Nationalhymne mitgesungen. Dies wurde in ihrer Heimat als Verrat der iranischen Machthaber gewertet; befürchtet wurde, dass ihnen nach der Rückkehr schlimme Konsequenzen drohen könnten. Im Vorfeld der zweiten Partie war darüber berichtet worden, dass bei der Delegation des iranischen Teams auch Mitglieder der Revolutionsgarden vertreten sein sollen. Das Team sang daraufhin in seinen letzten beiden Spielen die Nationalhymne und salutierte dazu.

Alle aktuellen Entwicklungen im Iran-Krieg

Lesen Sie hier unsere aktuellsten Meldungen zum Angriff der USA und Israels auf den Iran.

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