Iran-Krieg: Zwischen den Alliierten kracht es
Dass Donald Trump immer für Überraschungen gut ist, sollte man ein Jahr nach Amtsantritt eigentlich wissen. Sein Auftritt am Montagabend verwunderte aber selbst die versiertesten Trump-Deuter: Nach elf Tagen Krieg gegen den Iran, in denen der US-Präsident mitunter lautstark die „bedingungslose Kapitulation des Regimes“ gefordert hatte, verkündete er nun das „baldige Ende des Krieges“.
Wann das sein soll? Das sagte er nicht. Ebenso wenig erklärte der US-„Commander in Chief“, welches Ziel dann erreicht sein sollte.
Offene Widersprüche
Dass er das im Dunklen ließ, war wohl keine groß überlegte Strategie. Es dürfte viel mehr damit zu tun haben, dass er mit seinem Versprechen lediglich auf den massiven Druck von außen reagierte: Über das Wochenende war der Ölpreis so massiv in die Höhe geschossen, dass selbst die eigene Partei und enge Berater ihm nahegelegt hatten, sich schleunigst einen Ausweg aus dem Krieg zu suchen.
Ein erster Schritt dahin war offenbar die Ansage, dass das Bombardement sich nicht mehr ewig ziehen werde – was wirkte. Der Ölpreis fiel danach wieder brav unter die 100-Dollar-Marke, Tendenz sinkend.
Wie lange Trumps Beschwichtigungstaktik wirkt, muss sich jedoch erst zeigen. Auch wenn die Märkte positiv reagierten, wurden seine Aussagen am Dienstag gleich wieder von der Realität eingeholt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu widersprach dem US-Präsidenten offen und ließ mitteilen, man werde den Iran weiter attackieren – und zwar so lange, bis „der Knochen bricht“.
Danach ließ er seine Streitkräfte neue Angriffe fliegen. Es waren die bisher schwersten in dem elf Tage alten Krieg.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich die beiden Alliierten offen in die Haare kriegen. Anfangs sprach Trump davon, die iranischen Atom- und Raketenarsenale zerstören zu wollen; da hieß es aus Israel, dass man die nuklearen Fähigkeiten der Mullahs schon im Sommer zerbombt habe. Außenminister Marco Rubio ätzte danach, dass die Israelis die USA eigentlich in den Krieg hineingetheatert hätten.
Zwist über Öl-Bomben
Dass die Israelis dann eigenmächtig Öldepots im Iran beschossen, soll die letzte große Welle der Empörung in Washington ausgelöst haben. Die Angriffe trieben den Ölpreis mit in die Höhe, denn die Mullahs richteten als Antwort darauf ihre Waffen auf die Ölförderanlagen der Golfstaaten.
Lindsay Graham, einer der großen Advokaten Trumps für ein Eingreifen im Iran und gern gesehener Gast in Jerusalem, schrieb danach auf X, Israel möge doch bitte „vorsichtig sein“, welche Ziele es auswähle. Weniger vorsichtig sollen Trumps Berater darauf reagiert haben, wie das Portal Axios schreibt: Die US-Führung sei „bestürzt“ über die Schläge gegen die Öldepots gewesen – Israels Militärführung habe die USA zwar über den Plan informiert, doch das Ausmaß sei weit größer gewesen als vereinbart. „Wir glauben nicht, dass das eine gute Idee war“, so ein US-Beamter.
Dass die Geister sich gerade an diesen Bomben scheiden, hat damit zu tun, dass Israel den Krieg anders spürt als die USA. Die dortige Wirtschaft ist deutlich weniger ölintensiv als jene der USA, der steigende Ölpreis setzt das Land bei Weitem nicht so unter Druck. In den USA hingegen hängen die Zwischenwahlen an den Ölpreisen – und damit Trumps Macht.
Dazu kann Premier Netanjahu sein Image unter den Iranern ziemlich egal sein. Für Trump, dem die Außenwirkung immer wichtig war, zählt das aber durchaus: Nach den ersten Bomben waren die Iraner teils noch jubelnd auf die Straßen gegangen und hatten Trump gedankt. Jetzt, da in Teheran dank des Bombenhagels auch eine Ölknappheit zu spüren ist, hat sich die Stimmung zusehends gewandelt, sagen Experten.
Exit-Strategie gesucht
Rund um Trump wird nun laut Beobachtern ein Richtungsstreit über den Kriegsverlauf ausbrechen. Mit dem Status quo – elf Tage Krieg, zunehmendes Bombardement, kein Anzeichen auf ein Einknicken der Mullahs – hat man dort wohl nicht gerechnet, berichten mehrere US-Medien übereinstimmend. Vielmehr sollen viele in Trumps engem Kreis mit einem Venezuela-Szenario gerechnet haben. Auch dass Israel den Krieg auf den Libanon ausweitet, dürften die Amerikaner nicht in ihrem Kriegsszenario geplant haben.
Im Weißen Haus werde daher an einer Exit-Strategie gefeilt, schreibt das Wall Street Journal. Der Krieg wird nämlich auch in der Öffentlichkeit immer unbeliebter: 70 Prozent der Amerikaner fürchten Auswirkungen auf ihr Leben, sprich eine massive Teuerung der Lebenskosten. Im Wahlkampf hatte Trump noch versprochen, sie zu senken. Das hat er bis dato nicht geschafft, im Gegenteil.
Dass nur 40 Prozent den Waffengang unterstützen, wundert darum wenig. Befeuert werden die Gegner selbst von großen Trump-Unterstützern wie Tucker Carlson; er wirbt offensiv dafür, diese „widerlichen und bösen“ Angriffe endlich zu beenden.
Sich selbst sieht Trump in Sachen Preise aber nicht in der Verantwortung. Der Ölpreis sei nicht wegen seines Krieges in die Höhe geschossen, sondern sei „künstlich hochgetrieben worden“, sagte er am Montag. Von wem, verriet er allerdings nicht.
Kommentare