Für Trumps Krieg zahlt auch Europa
Krieg ist auch eine Frage der Worte. Das, was gerade den Nahen Osten in Brand setzt, ist aber offenbar keiner: Israel spricht von einem „Präventivschlag“, die USA von einer „begrenzten Militäroperation“, die lediglich ein paar Wochen dauern werde.
Angesichts dessen, dass mittlerweile alle Golfstaaten in den Flächenbrand involviert sind, ist das mehr als eine Untertreibung. Der Westen macht heute das, worüber er bei Putin einst spottete: Bis heute spricht der Kreml von seiner „Spezialoperation in der Ukraine“ und bestraft jene, die es wagen, Krieg dazu zu sagen. Ähnlich klingen nun die Republikaner: „Wir führen keinen Krieg. Wir haben auch keinen Krieg erklärt“, hieß es am Mittwoch im Kongress. Das Parlament ist ganz auf Linie mit seinem Präsidenten.
Freilich, den Iran lenkt ein Terrorregime, das die ganze Region destabilisiert und seit Jahrzehnten die eigene Bevölkerung unterdrückt. Und ja, die Mullahs bauten wohl an der Atombombe, auch das schon seit Jahren. Doch das dürre argumentative Gerüst, das Trump als Begründung für seinen Angriff aufgebaut hat, reicht nicht aus, um die ganze Region ins Chaos zu stürzen. Wenn die mächtigste Nation der Welt bisher in den Krieg zog, tat sie zumindest eine Zeit lang so, als würde sie die Meinung des Rests der Welt und der eigenen Bevölkerung interessieren. Trump hat auch diese Tradition ausgemistet, er führt Kriege genauso wie er Deals abschließt – nur dem eigenen Gewinn folgend.
Um wirtschaftliche Vorteile ging es seinen Vorgängern auch schon. Zynisch betrachtet könnte man sagen, dass Trump damit endlich die Doppelstandards der USA sichtbar gemacht hat: Die Spielregeln, die die USA anderen auferlegten, waren für sie selbst schon oft flexibel. George W. Bushs Irakkrieg und die nie gefundenen Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins sind nur ein Beispiel.
Der Unterschied im Iran ist, dass Trump seinen Krieg nicht begonnen hat, um dort ein demokratisches Regime zu errichten. Das hat er auch in Venezuela nicht gemacht, davon spricht er auch nie. Im Gegenteil: Er folgt ganz und gar dem Kalkül seines israelischen Partners Netanjahu – er lässt Bomben abwerfen, um Chaos zu säen. Ums Aufräumen danach kümmern sich beide nicht.
Die Kosten dafür trägt nicht nur die Region, sondern auch Europa. Kommt es im Iran zum Bürgerkrieg, fliehen die Menschen auch hierher. Versiegen Gas und Öl, gerät unsere Wirtschaft ins Stottern. Die USA als größter Produzent fossiler Energie sind da weit weniger verwundbar.
Trump ist dieser Nebeneffekt wohl nur recht. Je zerstrittener, desto besser, lautet sein Credo, was die EU betrifft. In seiner Nationalen Sicherheitsstrategie vom Herbst ist der Iran wohl auch nicht zufällig nur eine Fußnote – der zentrale Kontrahent heißt dort Europa.
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