Erbdynastie Iran: Sohn Mojtaba folgt auf Vater Ali Khamenei

Mojtaba Khamenei gilt als Hardliner. Er ist selbst innerhalb der Mullahs nicht unumstritten - selbst bei seinem Vater.
Erbdynastie Iran: Sohn Mojtaba folgt auf Vater Ali Khamenei

Schon vor einigen Tagen war die Meldung durchgesickert, dass Mojtaba Khamenei das Amt seines Vaters übernommen habe, dass sich der 88-köpfige Expertenrat auf den 56-Jährigen geeinigt habe. Das wurde schnell dementiert – wohl aus Angst, der Sohn könnte binnen Tagen dasselbe Schicksal erleiden wie der Vater und Ziel amerikanischer und israelischer Bomben werden.

Jetzt hat Teheran es doch offiziell gemacht. Der Expertenrat habe Khamenei junior zum Nachfolger bestimmt, hieß es am Sonntagabend im staatlichen Fernsehen;  das Volk wurde dabei zur „Einheit und zur Treue gegenüber dem neuen Geistlichen Führer“ aufgerufen.

Der Iran setzt damit auf Kontinuität, Mojtaba Khamenei wird ganz im Sinne seines Vaters weiterregieren. Er gilt als Hardliner, der selbst bei den Revolutionsgarden gedient haben soll. Demnach ist ihm die Unterstützung der zumindest 150.000 Mann starken Elitetruppe des Iran sicher. 

In der Bevölkerung hallt sein Name allerdings deutlich weniger positiv wider: Dort wird er mit der  blutigen Niederschlagung der Proteste von 2009 assoziiert, als das iranische Volk gegen die neuerliche Wahl von Mahmoud Ahmadinedschad auf die Straße gegangen war. Mojtaba Khamenei habe die Wahlfälschung damals orchestriert, hieß es, und später auch die berüchtigten  Basidsch-Milizen befehligt, die die Demonstranten niederknüppelten. Die Proteste gingen als „grüne Revolution“ in die Geschichte des Iran ein.

In den letzten Jahren stand er im direkten Dienst seines Vaters.  Im sogenannten Büro des Obersten Führers, das insgesamt mehr als 4000 Mitarbeiter haben soll, soll er eine zentrale Rolle gespielt haben – offizielles Amt hatte er dort allerdings keines. Auch in er Öffentlichkeit sah man ihn so gut wie  nie, vor allem in den letzten zwei Jahren nicht.

Nicht unumstritten - selbst bei seinem Vater

Gänzlich unumstritten soll Khamenei aber auch unter den Mullahs nicht gewesen sein. Im Vorfeld waren Bedenken durchgesickert, dass eine Amtsübergabe von Vater auf Sohn den Hauch einer Monarchie, einer Erbdynastie haben könnte – und genau gegen diese Art der Herrschaft hatte sich die Revolution 1979 ja gewehrt. Damals hatten die Pahlavis das Land im Griff, auch heute ruft der Sohn des letzten Schahs, Reza Pahlavi, aus dem amerikanischen Exil zum Sturz des Mullahs-Regimes auf.
Ausgerechnet aus dem Umfeld des getöteten Ali Khamenei hieß es deshalb, er selbst habe sich eigentlich gegen die Wahl seines Sohnes ausgesprochen. Möglicherweise war das auch ein Grund, warum sich die Mullahs so lange mit der Verkündigung seiner Wahl Zeit ließen.

In den USA hat man mit der Wahl wenig Freude. US-Präsident Donald Trump hatte bereits am Sonntagvormittag angekündigt, dass er dies nicht akzeptieren werde – er wolle ähnlich wie in Venezuela ein Mitspracherecht bei der Bestellung des Geistlichen Führers haben. Vor der Bekanntgabe warnte er am Sonntag in einem Interview mit ABC News, dass der nächste Oberste Führer ohne die Zustimmung der Vereinigten Staaten „nicht lange durchhalten wird“.

Dabei geht es ihm freilich darum, im Iran ein Gegenüber zu haben, mit dem sich reden und verhandeln lässt – das ist mit Khameneis Sohn wohl ebenso wenig möglich wie es mit dessen Vater war.

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