Laschet könnte die Nachfolge von Kramp-Karrenbauer antreten

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Politik Ausland
04/20/2021

Armin Laschet und die K-Frage: Ist die Schlacht gewonnen?

Der CDU-Bundesvorstand hat sich für Laschet als Kanzlerkandidat ausgesprochen, doch auf ihm lastet nun gewaltig Druck.

von Sandra Lumetsberger

31 zu neun Stimmen, sechs davon haben sich enthalten - so lautet die Bilanz, die Armin Laschet zum Kanzlerkandidaten machen könnte. Der CDU-Vorstand hat sich zum zweiten Mal mehrheitlich für den Parteivorsitzenden der Christdemokraten ausgesprochen, aber reicht das?

Dass es für Armin Laschet in diesen Tagen ums politische Überleben geht, ist ihm Montagmittag zunächst nicht anzumerken. Spontan ruft er zum Pressestatement, gratuliert der Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock zur Kanzlerkandidatur, sagt ihr einen faires und gutes Miteinander im Wahlkampf zu und verweist auf die USA, wo zuletzt ein polarisierender stattfand. Man sehe ja wie lange es braucht, so ein Land wieder zu versöhnen, flötete er in rheinischem Singsang. Ob er damit ein Bild zeichnen wollte, was die Deutschen erwartet, sollte quasi der Bayern-Trump, Markus Söder, hier regieren? Laschet nur so viel: Das sollten wir uns in Deutschland ersparen. Dann folgen ein paar Worte zur Pandemie und schließlich zur Frage, die alle interessiert: Wie geht es weiter im Machtkampf um die Kanzlerkandidatur?

Er werde am Abend erneut das CDU-Führungsgremium zusammenrufen: "Ich werde dem Bundesvorstand einen Vorschlag machen, wie wir jetzt sehr schnell die nicht geklärte Frage zwischen CDU und CSU auflösen", so Laschet. Dann wünschte er den Reportern einen guten, sonnigen Tag in Berlin. Hätte er sich bei alle dem nicht ein paar Mal auf die Lippen gebissen, könnte man glauben, hier spricht ein entspannter, siegessicherer Mann.

Alles oder nichts

Dabei wirkte seine Lage zuletzt fast aussichtslos. Am Sonntagabend diskutierte er mit dem aus München eingeflogenen Markus Söder bis in die Nacht hinein, ohne eine Lösung gefunden zu haben. Offenbar wollte keiner weichen. Laschet hatte wohl nicht damit gerechnet, wie hartnäckig und kalkuliert Söder sein kann, die Entscheidung des CDU-Präsidiums, das für ihren Vorsitzenden warb, tat er in aller Öffentlichkeit als "Hinterzimmer" ab. Der Franke wiederum muss überrascht gewesen sein, wie standhaft der Nordrhein-Westfale ist. Doch beim Blick in dessen Lebenslauf hätte er wissen müssen: Der freundliche Herr Laschet wurde schon oft unterschätzt. Am Ende setzte er sich immer durch.

So auch in der Nacht auf Dienstag. Armin Laschet fühlte sich bestärkt, im CDU-Führungszirkel noch einmal alle abzuklopfen. Jeder solle seine Meinung sagen, ganz offen, hieß es. Tatsächlich meldeten sich viele Zweifler, etwa der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff: "Wir haben uns im Osten abgestimmt", wird er zitiert. Es gebe eine klare Präferenz für Markus Söder, erklärte er. Selbst Wirtschaftsminister Peter Altmaier, ein Merkel-Vertrauter, sprach nun davon, die Basis zu befragen. Die Söderschen Worte zeigte nalso Wirkung. Letztlich stimmte dennoch eine Mehrheit für den Parteivorsitzenden als Kanzlerkandidaten. Was ein gegenteiliges Votum ausgelöst hätte, kann man sich ausmalen: Als CDU-Chef wäre er kaum noch zu halten gewesen. So soll es ihm Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble in einem Telefonat mitgeteilt haben, wie die Bild-Zeitung berichtete.

Hält Söder sein Wort?

Armin Laschet hat nun zwar eine wesentliche Schlacht für sich entschieden. Nun muss er daraufsetzen, dass Markus Söder sein Wort hält. Dieser hatte am Montag ebenfalls eine Pressekonferenz gegeben und erneut für sich geworben. Er sprach von Zuspruch aus der Unionsfraktion und aus der Bevölkerung, die Umfragen seien deutlich, betonte Söder. Gleichzeitig machte er klar, dass die Entscheidung bei der CDU liegt und Laschet seine "volle Unterstützung" bekommen werde, sollte sie für ihn ausgehen.

Allerdings wäre da noch die viel zitierte Basis von der Söder immer wieder sprach. Seit vergangener Woche sind einige CDU-Abgeordnete im Bundestag zu ihm übergelaufen. Sie wollten lieber mit ihm in die Wahl ziehen, sie versprechen sich, mit ihm ein besseres Zugpferd zu haben. Auch unter CDU-Landesfürsten gab es drei, die sich mehr oder weniger offen den CSU-Vorsitzenden als obersten Wahlkämpfer wünschten. Der Jugendverband der Union positionierte sich ebenfalls pro Söder. Und dass Armin Laschet nach stundenlanger Beratung am Montag nur mühsam eine Abstimmung durchsetzen konnte, macht die Sache nicht besser.

Kann Laschet die Stimmung drehen?

Selbst wenn Söder nun das Ergebnis akzeptiert und den CDU-Chef ernsthaft unterstützt, stellt sich die Frage: Wie werden das seine Anhänger bzw. die Überläufer handhaben? Nach dem Gezerre der letzten Tage, den öffentlichen Statements, wonach viele aus der CDU in Armin Laschet keinen geeigneten Kanzlerkandidaten sehen, ist es schwer vorstellbar, dass sie eifrig für ihn werben. Wie glaubwürdig ist dieser Wahlkampf noch?

Überhaupt müsste sich jetzt auch einmal die Stimmung in der Bevölkerung drehen, auch um Söder etwas entgegensetzen zu können. Denn sein größtes Pfund sind die Zustimmungswerte. Und Menschen, die ihn kennen, wissen, dass er weiter nur zu gerne darauf hinweisen wird. Oder wie seine Biografin, die Spiegel-Autorin Anna Clauß, schreibt: Söder ist ein "Streber, der sich über die Eins freut, wenn andere Dreien haben". Mit den Sticheleien wird es nicht so schnell vorbei sein, vor allem wenn der Wahlkampf nicht gut läuft. Versucht man nun ein für Laschet positives Szenario auszumalen, könnte Söders Gehabe am Ende aber auch für etwas gut sein: Keiner mag Streber und die Gelassenheit, die der CDU-Chef in den letzten Tagen zur Schau stellte, könnte ihm vielleicht als Stärke ausgelegt werden.

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