© EPA/CLEMENS BILAN

Porträt
01/16/2021

Armin Laschet: Das ist der neue CDU-Chef

Zu nett, zu lasch: Armin Laschet ist schon oft unterschätzt worden, setzte sich aber immer wieder durch.

von Sandra Lumetsberger

Es war einmal ein Kronprinz … so lassen sich viele Porträts über Männer in der Union einleiten: Christian Wulff, Karl-Theodor zu Guttenberg, Norbert Röttgen – smarte, eloquente Politiker, Typ Schwiegermuttertraum, die für Höheres gehandelt wurden. Armin Laschet, eher Typ Teddybär, gehörte lange nicht dazu.

Auch jetzt vor der Wahl zum neuen Parteivorsitzenden der CDU sah es lange so aus, als hätte der 59-jährige Nordrhein-Westfale keine Chance. Friedrich Merz galt als Favorit, der bessere Rhetoriker, Liebling der Parteikonservativen und einer, der Tacheles redet. Damit elektrisierte er seine Fans, provozierte aber auch regelmäßig. Ein möglicher Grund, warum sich am Ende doch einige für Laschet entschieden haben und ihn mit 521 zu 499 zum neuen CDU-Chef gewählt haben.

Der Mann mit dem zerknautschten Gesicht und freundlichen Lächeln ist so ziemlich das Gegenteil von Merz. Kein brillanter Redner, noch versteht er es, sich zu inszenieren. Er liefert laut seinen Biografen dagegen verlässlich Momente "unprofessioneller Emotionalität und sprunghafter Spontaneität". Er sei keine "Machtmaschine", schreiben die Journalisten Tobias Blasius und Moritz Küpper in "Der Machtmenschliche". Während Laschet für manche ein integrer, netter Kerl ist, finden ihn andere zu weich, zu chaotisch.

Dass er 2017 die Landtagswahl im bevölkerungsreichsten und industriestärksten Nordrhein-Westfalen für sich entschieden hat, lag daran, dass Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) schwächer war, die Wähler ihrer rot-grünen Regierung überdrüssig, hieß es. Das mag auch zur Wahrheit gehören. Laschet hat diese Stimmungslage aufgegriffen und mit dem Finger auf ihre Versäumnisse und Fehler gezeigt. Kurz: Er verstand es, seine Chance zu nutzen.

Kirche und Karneval

Das passt ins Bild seiner Karriere, die keine blitzartige war. Laschet, ein "Öcher Jong", ein Junge aus Aachen, wuchs in einer katholischen Familie im Dreiländereck auf. So wie man sich das vorstellt: Die Frau lernte er im Kirchenchor kennen, mit Anfang 20 heirateten sie, zogen ins Reihenhaus, bekamen drei Kinder. In der Freizeit engagierten sie sich im Karnevalsverein.

Nach dem Jus-Studium versuchte er sich als freier Journalist, ehe er 1994 in den Bundestag kam. Gleichzeitig mit den anderen CDU-Jungspunden. Als diese durchstarteten war er nicht vorne dabei, aber da, als sie vom Hof gejagt wurden.

Norbert Röttgen, den die Bunte zum "George Clooney vom Rhein" kürte, hatte ihm einst die Führung der NRW-CDU weggeschnappt, nun aber krachend eine Landtagswahl verloren und sein Ministeramt in Berlin. Laschet übernahm den größten Landesverband – seine Chance, die gleichzeitig zum politischen Überlebenskampf wurde: Eine am Boden zertrümmerte Partei neu aufzustellen. Er müsse sein Profil schärfen, sonst wird das nix, unkten Vertraute.

Nicht nur nett, immer auch anders

Und der nette Herr Laschet zeigte, dass er auch anders kann. In puncto Integration warb er immer für eine pragmatische Zuwanderungspolitik ("Deutschland muss eine Republik der Aufsteiger werden"). Schaffte es aber, sich für die Wahl 2017 einen Sheriffstern anzuheften: Recht und Ordnung müssen gewahrt werden, tönte er.

Seiner Mitte-Haltung blieb er dennoch treu. Wie in der Flüchtlingskrise stellte er sich später im Asylstreit von CDU und CSU  an die Seite der Kanzlerin. Zum Ärger jener in der Partei, die ihn schon früher als "Türken-Armin" verspotteten.

So laut er damals in Berlin auftrat, hätten es sich Beobachter in NRW gewünscht. Dort regiert er seit drei Jahren mit der FDP, die sich anfangs überrascht zeigte. Gilt Laschet doch als grünenfreundlich. Als junger Abgeordneter in Bonn war er dabei, als sich CDUler und Grüne in den 90ern erstmals beim Italiener beschnupperten.

Heute sieht er mit den Liberalen mehr Gemeinsamkeiten und versuchte sich jüngst im Interview mit dem Handelsblatt von einem schwarz-grünen Regierungsbündnis abzugrenzen ("Die FDP steht uns deutlich näher als die Grünen"). Für einen, der sich selbst als pragmatischen Brückenbauer sieht, dürfte es aber nicht schwer sein, an alte Bande anzuknüpfen - sollte es im Herbst auf eine Koalition hinauslaufen.

Dass in seiner schwarz-gelben Regierung bisher nicht alles rund lief, es entgegen der Wahlversprechen auf den Straßen weiterhin staut, die Schulen marode sind, schien ihm bisher wenig anzuhaben. Auch andere Ärgernisse prallten an ihm ab oder landeten auf dem Tisch seines Innenministers Herbert Reul: Der Fall um den rechtswidrig abgeschobenen islamistischen Gefährder Sami A., die Verstrickungen der NRW-Polizei in rechtsextreme Chatgruppen, die Verschleppungen von Polizei und Jugendamt im Kindesmissbrauchsfall von Lügde.

Schlingern in der Pandemie

Selbst sein Krisenmanagement in der Pandemie bei dem er sich mehr durchschlingerte - mal zum Daheimbleiben aufrief ("Es geht um Leben und Tod") und Wochen später über "die großen Infektionsdebatten" schimpfte - kam zumindest bei den Nordrhein-Westfalen nicht schlecht an. Sie wählten die CDU bei den Kommunalwahl im Herbst zur stärksten Partei. "Dass der Kurs der Mitte richtig ist, das versteht jetzt möglicherweise auch jeder in der CDU", erklärte Laschet mit Blick auf die internen Kritiker.

Laschet warb früh für Lockerungen, ließ dazu eine Studie in Auftrag geben, die von Wissenschaftlern zerpflückt wurde. Stellte sich mehrmals gegen die Strategie der Kanzlerin, und musste dann doch massive Einschränkungen verhängen. Nordrhein-Westfalen galt als Hotspot, zuletzt durch die Ausbrüche in der Fleischfabrik Tönnies. Als erster Ministerpräsident führte er vor dem Sommer eine Region erneut in den Lockdown zurück.

Er habe den Parteivorsitz verspielt, lautete das Resümee einiger, die sich zudem an seinem Auftreten störten. In der Sendung von Anne Will reagierte er auf sein Krisenmanagement angesprochen fahrig und patzig, fegte fast die Gläser vom Tisch. "Nach dieser Sendung wird Laschet niemals Kanzler", urteilte der Tagesspiegel. Mit der K-Frage wollen sich CDU/CSU jedenfalls noch Zeit lassen. Wie gut sie Armin Laschet bis dahin zu nützen weiß, wird sich zeigen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.